La Chasse Sauvage

Samstag, 27.12.2014. Es ist die Zeit zwischen den Jahren. Lichtlos. Windumtobt. Unerlöst. Altem Volksglauben zufolge zieht dieser Tage ein Heer von dämonischen Jägern und Geisterreitern über den Himmel. Das weißt Du noch aus Deiner Kindheit. Odins Todesboten. Die Wilde Jagd. Mehr als in früheren Mittwinterphasen fühlst Du Dich gefährdet, einsam, aus der Welt gefallen. Es gelingt Dir nicht zur Ruhe zu kommen, gemeinsam mit Deinem Mann und Deinem Sohn. Du schläfst nachts unruhig und träumst wirr. In den frühen Morgenstunden wirst Du oft von den Strumböen geweckt, die seit dem zweiten Weihnachtstag um die Häuser Deiner Stadt wehen. Dann stehst Du auf, gehst barfuß zum Badezimmerfenster und schaust hinaus zu den kahlen schwankenden Bäumen in der trüben aschgrauen Morgendämmerung. „Irgendwo da draußen“ denkst Du, bevor Du zurück in Dein Bett kriechst um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Irgendwo da draußen ist O. auf Beutezug. Auf der Suche. Nach neuen Frauen. Neuen Seelen. Nach neuer menschlicher Energie …

Sonntag, 28.12.2014. Der Wintersturm kommt allmählich zur Ruhe. Dein Mann und Dein Sohn können hinausgehen und die Orkanschäden im Garten besichtigen. Du schaust ihnen vom Wohnzimmerfenster aus zu. Gerade als Du Deine Stiefel anziehen und noch ein wenig mithelfen willst den halb umgestürzten Brennholzstand aufzurichten piept Dein Handy. „Bist Du bereit für Deine Strafe, Schlampe?“ schreibt O. „Welche Strafe?“ fragst Du zurück und spürst wie Dein Pulsschlag sich beschleunigt. „Die Strafe dafür daß Du es mit dem Anderen gemacht hast!“ schreibt O. „Hast Du mir das noch nicht verziehen?“ fragst Du. „Nein!“ antwortet O. „Erst mußt Du mir beweisen dass Du mir noch gehörst!!!“ – „Ich gehör Dir auf jeden Fall!“ schreibst Du. „Gut!“ antwortet O. „Übermorgen bin ich allein. Dann kommst Du zu mir. Ich füge Dir Schmerzen zu!! Dann sehen wir weiter!!“ – „Ok“ schreibst Du. „Aber ich warne Dich!“ schreibt O. „Überleg es Dir gut!! Du wirst mit meiner ‚Behandlung‘ nicht klarkommen!!!“ – „Ich besuche Dich trotzdem!“ antwortest Du.

Draußen hat es begonnen in dichten Flocken zu schneien. Gärten, Straßen und Häuser werden weiß umhüllt. Stille breitet sich aus. Du selber versuchst den inneren Aufruhr zu bewältigen, den Chat-Duelle mit O. so oft bei Dir hinterlassen. Die Melange aus Empörung, Wut, Angst und Faszination mit der Du O. beim Überschreiten all Deiner Grenzen zuschaust. Und: Den Kick. Den Thrill. Denn: „Zu mir“ hat O. ja geschrieben. „Dann kommst Du zu mir“. Du wirst also seine Wohnung, sein Zuhause kennenlernen wenn Du ihn besuchst um Dich schlagen und strafen zu lassen. Fünf Monate nach Eurem ersten Date, drei Monate nachdem Du ihn zum letzten Mal gesehen hast, hält O. Dich für würdig zu erfahren wo er wohnt. Du stellst Dir ein wildes Ambiente vor, rockstarmäßig, mit pompösen Kronleuchtern und majestätischen Ledersesseln vor Wänden in violett oder schwarz. Zwischen flackernden Kerzen und Totenköpfen auf denen Strass-Steine schillern und blinken wird Deine Bestrafung stattfinden. Du fieberst ihr entgegen.

Dienstag, 30.12.2014. Am vorletzten Tag des  Jahres scheint die Welt um Dich herum zu versinken in Schnee. Meterhoch türmt er sich auf den Straßen. Dein Mann und Dein Sohn gehen halbstündlich hinaus zum Räumen. Und es schneit immer noch weiter. Von O. hast Du nichts mehr gehört, seit zwei Tagen. Als ob auch er und sein Plan eingeschneit wären, denkst Du, während Du unter der Dusche stehst. 12.30h. Du frottierst Dir gerade die Haare. Dein Handy piept. „Ich bin jetzt alleine!“ schreibt O. „Kannst Du kommen?“ – „Ja“ antwortest Du. „Ich muß mich nur noch fertig anziehen“ – „Bis wann kannst Du da sein, Schlampe?“ fragt O. „Wo müßte ich denn genau hinkommen?“ fragst Du gespannt zurück. „Zum Haus“ antwortet O. „Also. Wann kannst Du da sein?“ – „In einer halben Stunde“ schreibst Du. „Fahrradfahren geht ja leider nicht wegen dem Schnee“ – „Das schaffst Du ja doch nicht zu Fuß!“ schreibt O. „Ich glaube wir vergessen das Ganze!“ – „Bitte nicht!“ antwortest Du. „Ich versprech Dir daß ich pünktlich bin!“

„Na gut!“ schreibt O. „Von jetzt ab eine halbe Stunde! Nur eine Minute später und ich mach Dir die Türe nicht mehr auf!“ – „Dnke“ tippst Du und eilst halbnackt ins Schlafzimmer. Dort zerrst Du hektisch eine neue Packung halterloser Strümpfe aus ihrem Versteck und öffnest sie mit zittrigen Fingern. Als Du sie Dir überstreifen willst, bleibst Du mit dem rechten Zehennagel in dem empfindlichen Gewebe hängen und reißt eine große Laufmasche hinein. Für einen Moment fühlt sich alles vollkommen leer, absurd und sinnlos an. Aber Du rufst Dich zur Ordnung. „Ich will ihn sehen!“ denkst Du, wirfst Dir ein halbtransparentes weißes Langarmtop über, schlüpfst in Deine Jeans und hastest nach unten. Dort steigst Du in Deine Boots, hüllst Dich in Deinen Winterparka und Deinen Lieblingsschal aus Ajour-Strick, greifst nach Deinem Minirucksack samt Smartphone und stürmst auf die Straße hinaus. Dein Mann und Dein Sohn, die gerade mit Schneeräumen fertig geworden sind, schauen Dich verwundert an. „Ich mach einen kleinen Winterspaziergang, Herzen!“ sagst Du. „Bin bald zurück!“

Das Vorwärtskommen im Schnee ist schwierig. Bei fast jedem Schritt in der mehligen Masse, die die Räumdienste auf den Straßen zusammen geschoben haben, rutschen Deine Füße nach hinten weg. Du fühlst Dich wie in einem der Träume in denen man läuft ohne sich vom Fleck zu bewegen. Außerdem schneit es in die Kapuze von deinem Parka. Aus Deinen Haaren rinnt Schmelzwasser in Deine Augen und ruiniert das Make-up das Du noch schnell aufgetragen hast. Und O. macht alles noch schlimmer. Denn er bombardiert Dich mit Sms. Ignorieren? Unmöglich. Es könnte ja wichtig sein. O. aber hetzt und scheucht Dich einfach nur vor sich her. „Wo bleibst Du, Schlampe?“ schreibt er. „Die halbe Stunde ist gleich rum!!! Ich wußte ja daß Du es nicht schaffst!!!“ – „Ich bin schon fast da!“ tippst Du mit kalten Fingern während Du weiter voran stapfst. „Hör auf mich zu stressen!“ – „Du Drecksau!!!“ kommt es zurück. „Ich lass Dich gleich vor dem Haus stehen ohne zu öffnen!! Das wäre das was Du verdient hast!!!“

Dann geh ich halt Kaffeetrinken, denkst Du und biegst in die Straße ein an deren totem Ende das Haus mit den vielen Bildern errichtet wurde. Die Räumdienste haben hier besser gearbeitet als in Deinem eigenen Quartier. Du kannst Dich sicheren Schrittes auf das mondäne weiß-rote Gebäude zubewegen, das in kalter Pracht vor Dir liegt. Deine Kehle schnürt sich zusammen als Du direkt davor stehst. Schutzsuchend kauerst Du Dich unter das schmale Garagenvordach, atmest kurz durch, ziehst Dein Handy aus der Tasche von Deinem Parka und schreibst: „Ich bin jetzt vorm Haus!! BITTE lass mich rein!!“ Die Welt scheint stillzustehen, wie schockgefrostet. Nach einer gefühlten Ewigkeit hebt sich das automatische Garagentor, gerade so hoch daß Du gebückt darunter hindurch schlüpfen kannst. Im Inneren der Garage stehst Du sekundenlang wie blind. Dann aber gewahrst Du O., der barfuß, in T-Shirt und Jogginghose im Rahmen der Verbindungstüre zum Haus lehnt. Ein lässiger Jäger, seiner Beute vollkommen sicher.

Du tust einen Schritt auf ihn zu und schaust ihn befremdet an. O.s blasses Gesicht wird umrahmt von einem dichten, brandroten Bart der ihn erschreckend archaisch, fast wikingerhaft-brutal aussehen läßt. Bevor Du Dich an den veränderten Anblick gewöhnen kannst, greift er brüsk nach Deinem linken Oberarm und zerrt Dich ungeduldig über die Türschwelle ins Innere des Hauses. Du stolperst über ein Chaos aus Kinderschuhen die inmitten von Staubflocken und Wollmäusen auf den dunkelgrauen Granitfliesen im Flur herumliegen. Die Eigentümerfamilie scheint überstürzt abgereist zu sein. Das gesamte Parterre macht einen unaufgeräumten, schlecht geputzten Eindruck. Wahrscheinlich O.s Job hier für Ordnung zu sorgen, denkst Du. Erst aber mußt Du Deinen Denkzettel bekommen, offensichtlich. Denn: „Zieh die Jeans aus!“ sagt O., als Du Deinen Parka ablegst und aus Deinen Boots schlüpfst. „Die könnte sonst kaputt gehen, heute“ – „Ich weiß“ antwortest Du und wünschst Dich plötzlich sehr weit weg.

O. läßt seinen Blick abschätzig über Dein Top und Deine schwarzbestrumpften Beine gleiten. Dann greift er nach Deinen beiden Handgelenken als ob er einen bizarren, ländlichen Tanz mit Dir beginnen wollte. Er zieht Dich ins Wohnzimmer und schubst Dich zu einem großen Tisch aus massivem Eichenholz auf dem noch weihnachtliche Buchsgebinde herumliegen. Du stößt mit dem rechten Hüftknochen an der Tischkante an. O. dreht Dir die Arme auf den Rücken und drückt dein Gesicht und Deinen Oberkörper mit der linken Hand auf die Tischplatte, so daß Dein Po nach oben ragt und nur Deine Zehenspitzen den Boden berühren. Mit der rechten Hand schiebt er Dein Top beiseite und betastet dein Gesäß. Lange. Nachdenklich. „Bitte nicht!“ flehst Du innerlich, als Du mitbekommst daß er seine Jogginghose auszieht und sich in die Hand spuckt. „Bitte nicht anal!“ Verzweifelt umklammerst Du eine der Garben aus Buchs. „Drecksau!“ faucht O., krallt seine Hand in Deine Haare und dringt gnädigerweise vaginal in Dich ein.

Als O. Dir gestattet Dich wieder aufzurichten hast Du Schwierigkeiten zu atmen und Deine Rippengegend fühlt sich gequetscht an. O. aber dreht Dir erneut die Arme nach hinten und stößt Dich zu der schwarzen XL-Couch auf der anderen Seite des Raumes. Er läßt seine flache Hand auf Dein nacktes Gesäß klatschen. Einmal. Zweimal. Du kreischst. Dreimal. Viermal. Du kreischst schrill. Auf der Couch kommst Du rücklings zu liegen. O. presst seine Knie beidseitig in Deine Leisten und umgreift Deinen Hals. „Was machen wir jetzt, Schlampe?“ fragt er und blickt aus seinem fremden, wild umwucherten Gesicht auf Dich herab. „Arschloch küssen?“ röchelst Du mühsam. „Das geht nicht!“ faucht O. und schlägt Dich mit der freien Hand ins Gesicht. „Warum nicht?“ fragst Du. „Ich bin nicht geduscht!“ antwortet O. und schlägt ein weiteres Mal zu. Dein Unterkiefer verschiebt sich. Du bist still. „Du Drecksau bekommst es jetzt ins Gesicht!“ murmelt O. und kniet sich mit seinem vollen Gewicht auf die Innenseiten Deiner Oberarme. Es tut weh. Deine Schultergelenke knacken. Aber Du überstehst es. Ohne zu jammern.

O. bedeutet Dir aufzustehen, nachdem er sich angezogen, aus der Küche ein Kleenex geholt und Dir damit das Gesicht abgeputzt hat, während Du regungslos auf dem Sofa verharrtest. Du kämpfst Dich schweigend hoch und gehst an ihm vorbei, hinaus in den Flur. Dort lehnt O. sich mit verschränkten Armen in den Türrahmen und schaut zu, wie Du die Jeans über Deine zerrissenen Strümpfe ziehst, in Deinen Parka schlüpfst und mit zitternden Händen die Schuhbänder deiner Boots zusammenknotest. „Vergiß Deinen Schal nicht der da auf dem Boden liegt“ sagt er mit leiser Stimme und beobachtet voll Interesse wie Du Dich etwas mühselig danach bückst. Als Du fertig angezogen bist schaust Du ihn mit festem Blick an. „Wir treffen uns nicht mehr, oder?“ fragst Du. „Du Schlampe meldest Dich ja doch wieder!“ antwortet O. betont gleichgültig und zückt den Schlüssel für die Verbindungstür zur Garage. „Ciao“ sagst Du, als Du über die dreistufige Treppe aus grauem Beton in den dunklen, kalten Raum hinaustrittst. „Ciao“ sagt O. und läßt die Türe hinter Dir ins Schloß fallen.

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

The Grand Void

Freitag, 7.11.2014 Drei Tage nach Deinem unsternverfolgten Besuch im Haus mit den vielen Bildern geht Dein Fieber zurück. Du kannst wieder aufstehen und Deinen Alltag bewältigen. Dein Inneres allerdings ist schwer erschüttert. Du weinst leicht. Fühlst Dich fremd und verloren. Schreckst nachts hoch, weil widersprüchliche Erinnerungen Dich fluten. Nie war O. Dir anbetungswürdiger, nie schöner erschienen, nie hatte er hoheitsvoller auf Dich herabgeblickt als in der Intimität jenes kleinen Raumes mit den zerknüllten weißen Kissen auf dem Grand-Lit. Nie hattest Du Dich ihm näher gefühlt, für Bruchteile von Sekunden. Und nie war er Dir brutaler, nie abweisender begegnet als nach Deinem Sakrileg, die Makellosigkeit dieses Ortes mit Deinem Blut befleckt zu haben. Aus dem vermeintlichen Spiel war Ernst geworden: nun warst Du wirklich der Unrat, als den er Dich schon mehrfach behandelt hatte. Nichtswürdig. Pariah. Unvereinbar mit dem Stil des Hauses. Es war Deine siebente Begegnung mit O. Und, zweifellos, Deine letzte.

Natürlich vertraust Du Dich Freunden an. Erzählst. Schreibst. Berichtest das Unfaßbare. Quickie… Blutflecken… Rauswurf… Kontaktabbruch… „Aha. Du blödes Sexspielzeug hast also nicht funktioniert!“ schreibt der Suchtberater. „Dann ab auf den Müll mit Dir!“ – „Oh Du Ärmste!“ schreibt Dein anderer Schulkamerad. „Bist Du jetzt wieder ok?“ Das Mitgefühl tut Dir gut. Es nimmt Dir ein wenig von Deiner Scham. Wirklich trösten kann es Dich allerdings nicht. Denn, Deine Freunde, sie erwarten Gefühle von Dir, die Du gar nicht hast. Sie glauben Du würdest nun froh sein, O. nie wieder begegnen zu müssen. Glücklich über Dein Entrinnen. Du aber empfindest keinerlei Ressentiment gegen ihn. Stattdessen eine fast unerträgliche Sehnsucht. Du träumst nachts davon, wieder bei O. im Haus zu sein. In dem kleinen Zimmer. Und Dich ihm dort zu Füßen zu werfen und seine Vergebung zu erflehen. „Oh. Stockholm-Syndrom“ schreibt Dein Freund, als Du ihm Deine Phantasien schilderst. „Langsam wirds gefährlich!“

Entführte Frauen, die sich in ihren Kidnapper verlieben. Mit ihm kooperieren. Sich auf seine Seite stellen. Weibliche Geiseln, die Bankräuber aktiv unterstützen und dabei romantische Gefühle entwickeln. Intime Beziehungen zwischen Opfern und Tätern. Liebe auf der Flucht oder in Geiselhaft. Dankbarkeit für den Peiniger. Solidarität mit dem Verbrecher. Symbiotische Verknüpfung von Liebe, Erotik und Gefahr. So beschreibt das Internet das psychologische Phänomen des Stockholm-Syndroms. Der Begriff entstand im Jahr 1973. Bei den Angestellten einer Bank in Stockholm entstanden damals intensive Gefühle von Zuneigung und Sympathie für die Gewaltverbrecher, die sie fünf Tage lang gefangen hielten. Inzwischen spricht man eher von traumatischer Bindung oder Trauma-Bonding wenn es um die Faszination durch Brutalität und um das paradoxe Hingezogensein einer bedrohten, ausgelieferten Person zu ihrem Misshandler geht. Dein Freund hat recht. So eine blind verliebte Geisel: das bist auch Du.

Du überlegst. Läßt Szenen Revue passieren. Erinnerst Dich. Eigentlich war O. von Anfang an wie ein Entführer aufgetreten, Dir gegenüber. Hatte Dich gefangen genommen. Unter Arrest gestellt, gleich in den ersten Minuten Eures Kennenlernens. Es war Teil seiner Überwältigungsstrategie gewesen, Dich mit strenger Stimme zu bannen. Und dann im Kreuzfesselgriff abzuführen. In Autos zu schubsen. An unbekannte Orte zu bringen. Dich durch Räume zu zerren, auf Betten zu stoßen. Und Du leistetest keinen Widerstand. Im Gegenteil. Es gefiel Dir. Erinnerte Dich an Spiele, die Du als Schulkind geliebt hattest: Marterpfahl. Mädchen fangen. Mit O. schien einer der verwegensten Spielgefährten aus Deiner Kindheit wieder aufgetaucht zu sein. Um Dich mitzunehmen in sein dunkles Abenteuerland. In das Du ihm willig folgtest. „Und das ist pathologisch?“ fragst Du Deinen Freund. „Es führt zu einer ungesund intensiven Bindung deinerseits“ antwortet er. „Und dadurch wird’s sehr schwer für Dich werden, Dich vom O. zu lösen.“

Loskommen von O.? Schwer? Nein. Unmöglich, denkst Du, während Du versuchst, Dich in Deiner Ausgestoßenheit zurecht zu finden. Du wankst durch feuchtkalte, dunkelgraue Tage, als entkernte Hülle Deiner selbst,  in einer verwaisten, leergeräumten Welt. Streifst mit dem Fahrrad durch die Gegend, in der Hoffnung, O. irgendwo zu begegnen. Suchst nachts die Parkbank auf und wartest ob der Geländewagen vorbeifährt, mit O. am Steuer. Fahndest in Vorgärten und Garageneinfahrten nach einer Spur. Einmal wagst Du Dich nach Einbruch der Dunkelheit auch in die Nähe vom Haus mit den vielen Bildern. Starrst hinauf zu den Fenstern, die hinter den herabgelassenen Rollos leuchten. Die Eigentümerfamilie ist zurückgekehrt. Lebt, lacht, ißt und trinkt in den Räumen, in denen noch Hautpartikel und Seelenreste von Dir haften. Nicht ahnend, daß draußen eine verfemte Frau vor ihrem Anwesen umherirrt, auf der Suche nach einem Phantom. Du, auf der Suche nach O. Seinem Namen. Seiner Geschichte. Seiner Identität.

Mittwoch, 12.11.2014 9h. Nachdenklich rührst Du Karamellzucker in Deinen Frühstückstee. Du benötigst einen Löffel extra, seitdem O. Dich von sich jagte. Dein Handy piept. Dein Freund, der Suchtberater macht sich Sorgen um Dich. „Mal was ganz Anderes, Süße“ schreibt er. „So richtig safe war es ja wohl nicht, was Dein durchgeknallter Lover alles mit Dir gemacht hat, oder?“ – „Nicht wirklich“ antwortest Du. „Aber er hat gesagt daß er clean ist und sich regelmäßig testen läßt“ – „Oh wie beruhigend!!“ schreibt Dein Freund. „Wir haben wirklich allen Grund ihm das zu glauben, so verantwortungsbewußt wie er bisher aufgetreten ist!“ Du starrst in Deine Teetasse. Könntest Deinem Freund jetzt Vieles schreiben über den speziellen sexuellen Stil von O. Und warum der nicht mit Präservativen vereinbar ist. Du läßt es. Es tut zu weh, Dir vorstellen zu müssen, daß Du das alles nie mehr erleben wirst. „Was soll ich machen?“ fragst Du Deinen Freund. „Nen Termin beim FA Deines Vertrauens“ antwortet er. „Und nen HIV-Test!“

Donnerstag, 13.11.2014 8h. Ein wenig zusammengekrümmt sitzst Du im Wartezimmer der gynäkologischen Praxis in der Du schon betreut wurdest als Du schwanger warst mit Deinem Sohn. Hinter Dir liegt eine fast schlaflose Nacht, aber Du bist froh daß man Dir sofort einen Termin gab, als Du Dein Anliegen vorbrachtest. Der Zeitpunkt ist günstig, Dein Mann seit gestern verreist. Der „FA Deines Vertrauens“ freut sich, Dich nach drei Jahren mal wieder bei sich zu sehen. Er hatte immer viel Verständnis für Dich. Auch heute hört er Dir geduldig zu. „Die verhängnisvollen Affären sind doch wirklich immer wieder die allerschönsten!“ sagt er als Du zu Ende erzählt hast. „Lassen Sie mich bald erfahren wie es weiterging!“ „Beruhigungshalber“ rät er Dir, einen Schnelltest auf HIV zu machen. Du bist einverstanden. Fährst halb erleichtert und getröstet heim. 19h. Telefonläuten. „Mit Ihrem Blut ist alles ganz in Ordnung!“ sagt der FA Deines Vertrauens am anderen Ende der Leitung. „Danke“ flüsterst Du und weinst kurz nachdem er aufgelegt hat.

Freitag, 14.11.2014 Es geht Dir plötzlich viel, viel besser. Alles erscheint Dir weniger düster und ausweglos seit dem Gespräch mit dem FA Deines Vertrauens. Welch wunderbarer Heilkundiger, denkst Du. Er hat Dir den Glauben an Dich selber als Person zurück gegeben. Du fühlst Dich nicht länger als Gespenst, körperlos und erloschen. Du bist zurück in Deinem Leben. Hast einen liebevollen Ehemann. Einen niedlichen, begabten Sohn. Treue Freunde. Lebst in einem charmanten Haus am südlichen Rand einer stolzen, großen Stadt. UND: Du bist einem Traum von Kerl begegnet, der Deine verborgensten Chimären berührt und dennoch Deine kleine Welt intakt gelassen hat. Damit ist er für Dich über jeden Zweifel erhaben. Von jedem Vorwurf freizusprechen. O. ist NICHT schlecht für Dich. Im Gegenteil. Er ist ein faszinierender Mann und Liebhaber. Bestrickend. Grenzüberschreitend. So very cool. Du willst, Du mußt ihn zurückgewinnen. Ihn wieder in Deinem Leben haben. Sein Herz erreichen. Unbedingt. Gleich morgen wirst Du damit anfangen.

Sonntag, 16.11.2014 14h. Du bist allein zu Hause. Dein Mann wird in wenigen Stunden zurück kommen von seiner Reise. Frisch geduscht und nackt stehst Du im Schlafzimmer. Schlüpfst in die Highheels die Du getragen hast zum Parkplatz-Date mit O. Legst Dich aufs Bett. Schaltest die Selfie-Kamera ein. Fotografierst die Absätze der Schuhe. Das Tattoo auf Deinem Bauch. Deine Schultern. Dein Gesicht. Wählst drei Bilder aus. Sendest sie O. Schreibst dazu: „Es ist alles schrecklich leer ohne Dich!!!“ Hältst den Atem an. Hoffst. Wartest. 17h. Dein Handy piept. „Du kannst mich nicht loslassen!!!!“ schreibt O. „Warum??“ – „Vielleicht weil ich Dich liebe?“ antwortest Du. „Nein, Schlampe!!! Weil Du mich brauchst!!!“ schreibt O. „Natürlich. Du hast recht.“ antwortest Du. „Schön daß Du es endlich einsiehst!“ schreibt O. „Ich dachte schon Du würdest überhaupt nicht mehr zur Vernunft kommen!“ – „Doch“ antwortest Du. „Gut, Schlampe!!! Dann verzeih ich Dir!“ schreibt O. „Ich werde Dir erlauben mich wiederzusehen!!!“

 

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

„If this your mother knew, her heart would break in two.“

Dienstag, 28.10.2014 Eine ruhige Woche im Spätherbst nimmt ihren Lauf. Dein Sohn hat Ferien. Tagsüber nutzt Ihr die kurzen Sonnenstunden für kleine Fahrradausflüge. Abends, bei Einbruch der Dunkelheit, übt er Weihnachtslieder in der Mansarde am Klavier, während Du Dich im Wohnzimmer vor dem Kaminofen wärmst. Du verbringst viel Zeit damit, in die Flammen zu schauen und Deine bisherigen Erlebnisse mit O. Revue passieren zu lassen. Wie fast all Deine Begegnungen mit ihm, so hat auch das Parkplatz-Date nach einem kurzen anfänglichen Hochgefühl eine ganz spezielle Erschütterung in Dir hinterlassen, von der Du Dich nur langsam erholst. Du frierst oft. Du brauchst viel Schlaf. Tief in Deinem Inneren weinst Du, wie ein kleines Mädchen das von einem viel zu wilden Spielgefährten vermöbelt wurde. Und dann fühlst Du auch noch diese Einsamkeit, die mehr ist, als das was Du bisher als solche kanntest. Ein Empfinden nicht ganz lebendig zu sein. Und O.? Der dies alles heilen könnte? O. schreibt Dir nicht. O. schweigt.

Montag, der 3.11.2014, ist ein für die Herbstzeit ungewöhnlich sonniger und warmer Tag. Um 8.45h blickst Du über Deine Teetasse hinweg in den Garten, wo Dein Mann das schöne Wetter für Aufräumarbeiten nutzt. Das Licht der Vormittagssonne läßt seine Haare durchscheinend weiß wirken und gibt seinem Aussehen etwas ungewohnt Zerbrechliches. Der Anblick rührt Dich. Du möchtest zu ihm gehen, ihn umarmen und etwas Liebevolles sagen. Plötzlich aber piept Dein Handy. Drängend. Es duldet keinen Aufschub. „Guten Morgen, meine Schlampe!“ schreibt O. „Guten Morgen“ antwortest Du und spürst wie Du innerlich in Hab-Acht-Stellung gehst. „Ich bin gerade in dem Haus“ schreibt O. „Willst es schnell da mit mir machen?“ – „Jetzt gleich?“ fragst Du. „Um 10 Uhr“ schreibt O.  „Mit halterlosen Strümpfen unter der Jeans und Schuhen!“ – „Das könnte ich“ antwortest Du. „Gut“ schreibt O. „Dann freu ich mich wenn Du kommst. Vergiss nicht Dich zu melden wenn Du bei der Parkbank bist!“ – „Bestimmt nicht“ antwortest Du.

Du schaust hinaus in den Garten. Dein Mann ist damit beschäftigt, gefallene Blätter in Laubsäcke zu füllen. Aber er scheint Deinen Blick in seinem Rücken zu spüren, denn plötzlich wendet er sein Gesicht dahin wo Du am Küchenfenster stehst. Er lächelt und winkt Dir zu. Du winkst und lächelst zurück. Dann drehst Du Dich um und gehst schnell die Treppe hinauf ins Schlafzimmer wo Deine halterlosen Strümpfe in einer Stoffschachtel mit Mille-Fleur-Muster versteckt sind. Im Badezimmer ziehst Du sie an. Dazu Jeans, das Empire-Top mit der Rückenschleife, darüber ein Strick-Cape aus beiger Mohairwolle. Mehr brauchst Du nicht. Du gehst wieder hinunter. Packst Dein Smartphone in Deine Tasche. Gehst ein paar Schritte hinaus in den Garten. „Ich fahr kurz Rad“ rufst Du Deinem Mann zu. „So hübsch zurecht gemacht? Pass auf daß keiner Dir was tut!“ ruft er zurück und bläst einen Luftkuß von seinem Handgelenk zu Dir. Dein leise gestelltes Handy vibriert in Deiner Tasche. Du mußt gehen.

Draußen, auf der Straße, atmest Du erst einmal durch. Fast fühlst Du Dich geküßt vom Sonnenlicht, das wärmend auf Dich fällt. Es scheint einen traumhaft schönen Tag zu verheißen, an dem fast alles leicht und wie von selber geht. Dein Fahrrad gleitet sanft dahin, als könntest Du schweben. Nach nur 13 Minuten kommst Du bei der Parkbank an. Du nimmst Dir Zeit, die halterlosen Strümpfe unter Deiner Jeans zurecht zu ziehen. Dann entsperrst Du dein Handy. Verständigst O. Er antwortet nicht gleich. Dein Herz krampft sich zusammen, für Sekunden scheint ein Abgrund sich zu öffnen unter Dir. Was, wenn er jetzt nicht zurück schreibt? Dich einfach stehen und ins Leere fallen läßt? Schmerzlich kommt Dir zu Bewußtsein, wie abhängig, ausgeliefert und wehrlos Du bist, ihm gegenüber. Du weißt NICHTS über ihn. Nicht einmal ob er wirklich O. heißt. Und er kann mit Dir machen was er will. Das Piepen Deines Handys erlöst Dich aus dem panischen Zustand. „Komm“ schreibt O. Und Du zögerst nicht, ihm zu gehorchen.

Im Haus mit den vielen Bildern sind noch alle Rollos heruntergelassen als O. Dich barfuß, in Langarm-Shirt und Jogginghose durch die Verbindungstüre zur Garage einläßt. Seine schattierten Augen schimmern exotisch im Halbdunkel. Er hilft Dir, Dein Strick-Cape abzulegen. „Nimm Deine Sachen mit nach oben“ sagt er und schiebt Dich durchs unerleuchtete Treppenhaus vor sich her, zu einem kleinen, ganz in Weiß eingerichteten Zimmer im ersten Stock des Hauses. Dort sind Regale mit Büchern und Kunstobjekten in die Wände integriert. Auf dem französischen Bett, das fast den gesamten Raum einnimmt, erkennst Du körperwarme, zerwühlte Laken. „Hast Du heute hier geschlafen?“ fragst Du schüchtern, während Du aus Deinen Schuhen und der Jeans schlüpfst. „Nein“ antwortet O. und stößt Dich aufs Bett. „Wo ich schlaf geht Dich nichts an. Du bist nur für Eines da, verstanden?“ – „Ja“ antwortest Du. „Dann leg Dich hin und mach die Beine ganz weit auseinander“ sagt O. „Ich will heute sehr tief in Dich eindringen!“

Du versinkst in den Kissen und in der höhlenhaften Wärme des Zimmers. O. schließt sorgfältig die Tür. Nur umrißhaft kannst Du erkennen daß er sich vollständig entkleidet, Deine Schuhe vom Boden aufhebt und sie Dir wieder über die Füße streift. Für Sekunden kniet er fast regungslos als großer, schwarzer Schatten zwischen Deinen Beinen. Dann fühlst Du wie er mit seinen großen Händen unter Deinen Hüften durchgreift, Dich am Gesäß zu sich heran zieht und frontal nimmt. Sein muskulöser, glatter Körper könnte nicht fremder, nicht anonymer sein, während er mit kalter Präzision sein Werk an Dir verrichtet. „Scherge“, denkst Du zwischen den einzelnen Stößen, „Vollstrecker“. Rim-Job will er heute keinen von Dir. Kurz vor seinem Höhepunkt befühlt er Deine Beine in den halterlosen Strümpfen und die Absätze Deiner Stiefeletten. Dann drückt er Deine linke Schulter mit einer Hand noch tiefer in die Kissen und macht es sich mit der anderen. Triumphal verströmt er sich auf Deinen Bauch.

„Danke, Babe“ hörst Du ihn sagen. Dann steht er auf und setzt mit einem Knopfdruck irgendwo im Raum die Automatik der Rollos in Gang. Es wird hell. O. hebt Deine Kleider vom Boden auf und wirft sie zu Dir aufs Bett. „Zieh Dich schon mal an“ sagt er und geht hinaus ohne seine eigenen Sachen mitzunehmen. Für ein paar Sekunden bleibst Du, geblendet von der plötzlichen Lichtflut, inmitten der schneeweißen Kissen und Decken liegen. Dann rappelst Du Dich hoch, zupfst Dein Empire-Top zurecht und suchst Deinen Slip. Du spürst einen leicht stechenden Schmerz zwischen Deinen Beinen. Als Du gedankenverloren danach tastest, bleibt ein wenig hellrotes Blut an der Spitze Deines Zeigefingers kleben. O. kommt ins Zimmer zurück. „Nicht fertig?“ fragt er streng und bückt sich nach seiner Jogginghose. „Ich blute ein bißchen“ sagst Du. Wir müssen schauen ob das Bett ok ist“ – „Wie bitte?“ faucht O. „Du Nutte wagst es mit irgendeiner Krankheit hierher zu kommen und das Bett zu versauen??“

„Laß uns doch erstmal schauen“ sagst Du und beginnst hektisch die Kissen und Bettdecken umzuwenden. Tatsächlich. Drei sehr kleine, hellrote Flecken prangen auf einem der Bettüberzüge aus reinweißem Makrosatin. Du starrst sie an. Sie bilden ein Dreieck. Und sie erinnern Dich an etwas. Ein ganz bestimmtes Märchen. In dem drei Blutstropfen sprechen konnten. Du wolltest es immer wieder vorgelesen bekommen als Kind. Aber Du hast jetzt keine Zeit darüber nachzudenken, denn O. reißt Dir wütend den Bettbezug aus der Hand, den Du mechanisch begonnen hast abzuziehen. „Faß hier bloß keine Sachen mehr an, Du kranke Nutte!“ stößt er hervor. „Ich will nur noch daß Du gehst. Pack sofort Dein Zeug und verschwinde!“ Du ziehst Dir das Strick-Cape über den Kopf und nimmst Deine Tasche. „Bring mich bitte zur Tür“ sagst Du. „Mein Gott, sogar zum Abhauen bist Du zu blöd!“ ruft O. und schlägt sich mit der Hand vor die Stirn. „Also gut, ich bring Dich raus damit Du schneller weg bist. Komm mit!“

O. schlüpft in sein Langarm-Shirt, geht dann vor Dir her durchs Treppenhaus nach unten und öffnet die Verbindungstür zur Garage. Du folgst ihm steifbeinig, mit puppenhaft abgezirkelten Schritten. Im Türrahmen bleibt er kurz stehen und dreht sich zu Dir um. Du hoffst auf eine versöhnliche Geste oder ein Wort des Einlenkens von seiner Seite. Schließlich hast Du nichts verbrochen, eigentlich. O. aber mißt Dich nur mit einem vollkommen leeren, zutiefst verachtungsvollen Blick, auf den Du nicht die leiseste Erwiderung in Dir selber findest. So gehst Du stumm an ihm vorbei, hinaus zu Deinem Fahrrad. Nachdem die schwere, graue Sicherheitstür hinter Dir ins Schloß gefallen ist, bleibst Du dort noch eine kleine Weile stehen und versuchst Dich zu fassen. Es hilft Dir ein wenig, Dir das Kennzeichen des Geländewagens einzuprägen, der wie immer hier geparkt ist. Es ist eine markante Kombination von Buchstaben und Zahlen. Draußen, im Sonnenlicht, sprichst Du sie leise, wie ein Mantra, vor Dich hin. So lange und so oft, bis Du sicher bist daß Du sie nie mehr vergessen wirst. Dann gelingt es Dir, aufs Rad zu steigen und heim zu fahren.

Bei Dir zu Hause arbeitet Dein Mann noch immer im Garten als Du zurück kommst. Du winkst ihm kurz von der Terassentür aus zu und beeilst Dich dann nach oben ins Badezimmer zu gehen. Dort stellst Du fest, daß auch Dein Empire-Top Blutflecken abbekommen hat, und zwar viel größere als die Bettdecke im Haus mit den vielen Bildern. Du ziehst Dir ein frisches Shirt über und wirfst das verschmutzte Top in den Schnellwaschgang. Nach 20 Minuten ist es sauber. Dann kann es für O. auch nicht so schwer sein den Bettbezug zu reinigen, denkst Du. Im Lauf des Nachmittags beginnst Du zu frösteln. Erst nur leicht, dann immer stärker. Vom Rücken breiten sich Schmerzen in Deinen ganzen Körper aus. Du bekommst Fieber. 38,8 zeigt das Thermometer am Abend. Dein Handy hast Du im Bett neben Dir. Gegen 22 Uhr piept es. „Flecken sind rausgegangen“ schreibt O. „Welch ein Glück“ antwortest Du. O. schreibt nichts mehr zurück. Du versinkst in Fieberträumen. Sie handeln von Blutstropfen und einem sprechenden Pferd. Und plötzlich erinnerst Du Dich. Das Märchen hieß „Die Gänsemagd“.

 

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