The Old Lady, Part 1

Du bist nun also die Lieblingskonkubine von O. Beschenkt und geehrt mit fünf Paar glitzernder, schwindelerregend hoher Trash-Heels. Auf denen Du, strahlend im Licht seiner Zugewandtheit, direkt bis vor sein Herz balancierst. Wie einst Cinderella zu ihrem Prinzen, mit dem gläsernen Schuh. Oder Carrie Bradshaw zu Mr. Big, in Manolo Blahnik und Jimmy Choo. Zwei Tage lang ist es Dir vergönnt, Dich so zu träumen. Dann holt die Realität Dich ein und Du lernst eine weitere Facette von O.s Paralleluniversum kennen. Es ist der 19. 9.2015. Als Du morgens um 8h Dein Handy hochfährst, siehst Du, dass O. bei Tagesgrauen versucht hat, Dich zu kontaktieren. „Bist Du wach?“ schrieb er um 4.17h. „Leider erst jetzt!“ antwortest Du schuldbewusst. O. schreibt nicht zurück. Aber am späten Nachmittag schickt er Dir ein Bild aufs Handy. „Für dich. War grade so geil!“ textet er dazu. „Oh vielen Dank!“ antwortest Du. Erst dann nimmst Du Dir Zeit es richtig anzuschauen.

Was Du siehst, ist ein Bild wie Du bisher noch keins von O. bekamst. Es ist kein sinistres Magic-Eye-Selfie. Kein provokantes Dick Pic. Auch kein weitergeleitetes Erotikfoto einer fremden Dame. Und dennoch: ebenso verstörend. Ebenso aufwühlend, widersprüchlich und doppeldeutig wie sie alle. Denn: es zeigt nicht nur eine milchig-weisse, gallertartige Substanz, die sich etwa esslöffelgross in einem der Besucherwaschbecken von O.s Haus verteilt. O.s materialisierte Lebensenergie. O.s verflüssigte DNA. O.s innerste Essenz. Das Bild dokumentiert weit mehr als nur O.s Faszination von seiner eigenen Sexualität. Es hat nämlich einen Rahmen, der es als Screenshot ausweist. Als Screenshot eines Chats. Als Screenshot eines Chats, der am 19.9.2015 in den frühen Morgenstunden stattfand. Um 5.22h, um genau zu sein. Also eine Stunde und fünf Minuten nachdem O. versucht hatte, DICH zu kontaktieren. Zu dieser Zeit schickte er ein Foto seines frisch ejakulierten Spermas auf das Handy einer anderen Frau.

„Peter“, liest Du in der Kontaktzeile des gescreenshotteten Whatsapp-Bildschirms. Ein Deckname, den O. seiner Chatpartnerin offensichtlich gab. Denn unterhalb des Abspritz-Fotos zeigt ein Pfeil nach links. „Du 19. September, 5.22h“ vermeldete die App, keinen Raum für Zweifel lassend. Und öffnet damit eine Falltür in Deinem Inneren, die ins Bodenlose führt. Die gefühlte Nähe Deiner nächtlichen Chats mit O.? Die Vertrautheit? Der schrankenlose Austausch von Ideen und Phantasien, das erotische Verbundensein, der Enthusiasmus, die Verzückung, die Dankbarkeit – alles nur Illusion, nur Schall und Wahn? Fake? Volatil? Imaginär? „Zweifelsohne“, denkst Du, während Du blicklos auf Dein Handy starrst. Und vor allem: Wer mag diese wundervoll verfügbare Dame sein, die O. ganz einfach so im Morgengrauen anschreiben kann, während Du leider schläfst? Und deren Sexting ihn binnen kurzer Zeit zu einem fotografisch präsentablen Orgasmus bringt? „Ich bin gar nichts. Ich bin einfach nur ein Nichts“, denkst Du.

Du verbringst die obligatorische schlaflose Nacht. Geisterst durchs Haus, sitzst am Küchentisch, betrachtest wieder und wieder das doppelbödige und dennoch vollkommen eindeutige Bild. Versuchst, O. Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Denkst an seine krebskranke Freundin, seinen Schlafmangel, seinen Stress. Denkst an die rührende Sms, die er Dir vor Kurzem schrieb. „Babe“, hatte er getextet, „in meinem Kopf herrscht zur Zeit ziemliches Chaos und deshalb kann ich leider meine Lust nicht immer auf dich konzentrieren!!! Ich hoffe du verstehst wie ich das meine!!!“ – „Natürlich, Liebster!“ hattest Du geantwortet. Und nun? Nun verstehst Du es ANDERS. Nämlich, dass Du eben nach wie vor austauschbar bist für O. Und zwar in Sekundenschnelle. Mit einem einzigen simplen Switch in ein anderes Chatfenster. Dies ist die Erkenntnis, die Dich am meisten schmerzt, beim Anblick von O.s klarem, hellem Sperma auf der weiss glänzenden Keramikoberfläche seines Waschbeckens. Und dem dunklen Rahmen um es herum.

Gegen 3h morgens sinkst Du vornüber auf dem Küchentisch zusammen und fällst in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf. Zwei Stunden später schreckst Du hoch. Desorientiert. Schweissgebadet. Mit dem Gefühl einer tief empfundenen Entrüstung die in Dir nagt. Als Du Dein Handy entsperrst, springt Dich O.s Wichs-Foto direkt an. Du hattest vergessen es wegzuklicken, bevor Du einschliefst. Nun, da Du es erneut betrachtest, weisst Du plötzlich, was das Anstößige daran ist. Denn, es ist eine Sache, dass O. nachts mit anderen Frauen sextet. Und eine ganz andere Sache ist es, Dir davon ein Bild aufs Handy zu schicken. Ungefragt. Ungebeten. Es ist grenzübertretend. Es ist missbrauchend. Es ist verletzend, beleidigend, ausbeuterisch. Sowohl Dir gegenüber, als auch gegenüber der anderen Frau. Von seiner Freundin mal ganz zu schweigen. Es geht Dir ein wenig besser in dem Moment wo Du das so für Dich formulieren kannst. Du atmest durch. Dann nimmst Du dein Handy, rufst deine Chats mit O. auf und schreibst:

„Guten Morgen Liebster! Es war eine unruhige Nacht. Ich bin ganz spät schlafen gegangen und dann gleich wieder wach geworden mit Gedanken an Dich. Ich empfinde sehr viel für Dich. Aber bitte schick mir keine Screenshots mehr von Deinem Sperma die Du schon einer anderen Frau gesendet hast, ok? Ich weiss dass ich nicht die Einzige für Dich bin. Aber es tut doch weh auf diese Art damit konfrontiert zu werden. Ich weiss dass Du mich nicht verletzen wolltest und ganz viele Dinge im Kopf hast die wichtiger sind.“ Du hältst kurz inne um nachzudenken wie Du Deine Gefühle gegenüber O. noch ausdrücken könntest. Da zerreißt sein Nachrichten-Ton die Stille in Deiner Küche. O. schreibt zurück. „Wie kommst du darauf?“ fragt er kühl. Nein, kalt. „Da steht der Name Peter und dass es am 19.9. frühmorgens gesendet wurde“ antwortest Du. „Hab ich auch einen Männernamen in Deinem Handy?“ fügst Du hinzu. „Du nicht“ antwortet O. „Du bist meine Schlampe!!!“ – „Und die Anderen? Was sind die?“ fragst Du.

„Nur Ficks“ antwortet O. „Und ich? Bin ich was Anderes?“ fragst Du. „Was willst Du eigentlich?“ schreibt O. „Du fickst mit anderen Männern für Geld!! Bist im Internet unterwegs um Ficks aufzutreiben! Du bist süchtig danach es mit unterschiedlichen Männern zu treiben!!! Also was soll das? Du bist nicht nur meine Schlampe, du bist überhaupt eine Schlampe!!!“ – „Nein ich bin nur Deine Schlampe!“ antwortest Du verzweifelt. „Und ich bin NICHT süchtig nach verschiedenen Männern!“ – „Ich hatte mal paar Ficks mit einer alten Lady!!!“ schreibt O. Hoheitsvoll. Gebläht von der eigenen Bedeutung. „Wir schreiben uns noch und schicken Fotos. Sie bettelt manchmal darum meinen Schwanz in den Mund zu nehmen oder ihn zu wichsen!!!“ – „Schon gut!“ tippst Du. Aber O. ist nicht zu bremsen. „Wenn Dir das nicht passt dann musst du es mit mir beenden!!!“ schreibt er. „Ich habe keine Lust mir von Dir was verbieten zu lassen!!! Du würdest dich für Geld von meinen Freunden ficken lassen. Also halt dein dummes Schlampenmaul!!!“

„Ich verbiete Dir doch gar nichts“ versuchst Du einzuwenden. „Du würdest dich für Geld jederzeit ficken lassen!“ schreibt O. erneut. „Da stehst du drauf!!! Du brauchst das!!!“ – „Nein“ antwortest Du. „In Wirklichkeit brauche ich ganz andere Sachen. Und ganz sicher brauche ich keine Screenshots von Deinem Sperma für eine andere Frau!“ – „Was für Sachen brauchst du dann?“ fragt O., plötzlich unsicher wirkend. „Ich brauch nur Dich!“ schreibst Du. Anstatt Dir zu antworten, sendet O. Dir ein Bild. Ein Bild von einem  ausgemergelt wirkenden Frauenkörper, der Dir bereits bekannt vorkommt. Als Du ihn zum ersten Mal sahst, trug er einen dunkelroten Netz-Catsuit und saß mit gespreizten Beinen vor einem weissen Garderobenspiegel auf dem Boden. Auf dem aktuellen Bild trägt die fragliche Dame einen weissen Strapsgürtel zu weissen, halterlosen Strümpfen, hochhakige, rote Pumps und lässt im Flurspiegel ein schimmerndes Glas-Toy zwischen ihren weit geöffneten, mageren Schenkeln aufblitzen. „Solche Bilder schickt sie mir!“ schreibt O. dazu.

„Ja“ antwortest Du, während Dein Magen ein wenig revoltiert. „Solche schick ich Dir ja auch“ – „Ja! Und beide bekommt ihr welche dafür von mir!“ schreibt O. „Liebst Du sie mehr als mich?“ fragst Du beklommen. „Ich liebe sie überhaupt nicht!!!“ schreibt O. „Wie bitte?“ fragst Du zurück. „Sie ist 65 Jahre alt und ich habe sie paarmal gefickt!!!“ schreibt O. „Die ist doch nicht 65. Was soll der Quatsch“ schreibst Du. „Die ist 65“ schreibt O. „Nein die ist 35“ schreibst Du. „Leck mich doch! Die ist 65!“ schreibt O. „Wie Du meinst“ antwortest Du und spürst plötzlich wie das Gefühl von Wut und Verletztheit in Deinem Inneren weicht und sich wandelt in Mitleid und Anteilnahme für O. Für ihn, und für das Ausmass seiner psychischen Störung, das hinter seinen trotzig-aggressiven Worten durchschimmert. Aber auch für die Verlorenheit jener älteren Dame, die in der Tristesse ihres Single-Appartements irgendwo am Rande Eurer Stadt Sex-Selfies macht und hofft auf Besuche von O. „Ich liebe Dich!“ schreibst Du. „Mit allem was zu Dir gehört.“

„Aber ich wünsche mir einen Screenshot von Deinem Sperma der nur für mich ist, verstehst Du? Ich würde für Geld mit Deinen Freunden ficken um DICH damit zu erregen, aus keinem anderen Grund. Einfach nur für Dich!! Um Dich zu erregen bin ich zu sehr Vielem bereit! Aber ich kann auf alle Männer und den Sex mit ihnen locker verzichten. Der einzige Mann nach dem ich süchtig bin bist Du. Du aber bist wirklich die Droge für mich!“ – „Das nächste Mal mach ich ein Foto nur für dich“ schreibt O. „Das würde mich sehr glücklich machen!“ antwortest Du. „Denn ich will für immer Deine Schlampe sein!“ – „Das will ich doch auch“ schreibt O. „Ich liebe dich und ich will nur dich!“ – „Ok“ antwortest Du. In den Abendstunden des folgenden Tages bekommst Du tatsächlich ein weiteres Bild von O. Es zeigt einen esslöffelgrossen Klecks einer hellen, klaren, Dir wohlvertrauten Substanz in einem der Handwaschbecken in seinem Haus. Ohne Rahmen darum herum. „Nur für dich!“ schreibt O. dazu. „Danke“ antwortest Du.

 

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

Eclipse

Mittwoch, 18.3.2015 Lange, sehr lange nachdem O. gegangen ist an diesem kühlen, sonnigen Tag im März 2015 sitzst Du noch immer spärlich bekleidet auf einem Stuhl in Deinem Wohnzimmer und betastest nur wieder und wieder die Schmucksteine um Deinen Hals. Erst als bereits das Nachmittagslicht ins Zimmer fällt, raffst Du Dich auf um ein wenig Ordnung zu schaffen. Sammelst die Fetzen von Frischhaltefolie und rotem Nylonstoff in einer Mülltüte zusammen. Faltest das bunte Minikleid glatt und legst es zu den anderen Sachen in der geblümten Stoffschachtel im Schlafzimmer. Zum schwarzen Netz-Top. Zum Stringbody. Zu den fingerlosen Handschuhen und all den Strumpfgarnituren. Dann duschst Du Dich. Kochst Tee. Hoffst zu Dir zu kommen. Im Lauf des Nachmittags machen sich allerdings Schmerzen bemerkbar. Der Gabeh-Teppich hat Abschürfungen auf Deinem Rücken hinterlassen, unter O.s Stößen. Deine Schamlippen sind verschwollen, das Sitzen tut weh, anderes wird vollends zur Qual. Und auch mit Deiner Psyche geht es steil bergab.

Am späteren Nachmittag, kurz bevor Dein Sohn aus der Schule kommt, sind schließlich alle Endorphin-Reste aufgebraucht die von der Begegnung mit O. in Dir hinterblieben. Du fühlst nur noch Verlassenheit, Trauer und Schmerz. Bei Einbruch der Dunkelheit, zwischen zwei peinvollen Toilettengängen, erträgst Du es nicht mehr damit alleine zu sein. Du brauchst die Hilfe von O. Unbedingt. So nimmst Du Dein Handy und schreibst: „Danke für den Besuch heute bei mir. Ich bin sehr glücklich daß ich Dich endlich mal wieder gesehen hab. Und ich hätte auch nicht gedacht daß ich heute so tollen Sex mit Dir haben könnte. Bitte laß nicht so viel Zeit vergehen bis ich Dich wiedersehe! Ich mache bald Bilder für Dich von dem bunten Kleid. Es ist einfach traumhaft von Dir so hart genommen zu werden. Ich liebe Dich! Bis bald!“ Wenn O. nun ein Herzchen oder ein Smiley schicken würde innnerhalb der nächsten Stunden wäre alles gut, denkst Du. Aber genau diesen Gefallen tut O. Dir nicht. Weder am Abend, noch in der Nacht.

Donnerstag, 19.3.2015, 6Uhr30. Du erwachst vollkommen unerholt. Schaltest Dein Handy ein. Und weißt, tief in Dir drin, noch ehe Du es entsperrt hast, daß Dich keine Nachricht von O. auf dem Display erlösen wird aus dem Kerker Deiner Vergessenheit. Aber es geht noch schlimmer. Als Du Deine Whatsapp-Chats mit O. aufrufst, siehst Du daß er online ist. Lang. Ausgiebig. Voller Engagement. Immer wieder. Er hat jemandem viel zu schreiben, mitzuteilen, zu erzählen. Aber nicht Dir. Dich hat er gestern halb bewußtlos gefickt. Und heute sagt er Dir nicht mal mehr Guten Morgen. Du bist erledigt. Abgefrühstückt. Wertloser denn je. Du hältst es nicht mehr aus. Deine Verletztheit bricht sich Bahn. Du starrst auf den online-Schriftzug und schreibst: „Guten Morgen. Ich muß Dir etwas sagen. Es war gestern definitiv unsere letzte gemeinsame Nummer, unser letztes Date. Du fickst ungeschützt mit unzähligen Frauen. Und ich hab keine Lust irgendwann doch noch mit Hepatitis oder Hiv dazusitzen.“ Du schluckst. Dann schreibst Du weiter.

„Du hast mir außerdem intime Bilder von anderen Frauen weitergeleitet. Also muß ich davon ausgehen daß auch meine Bilder längst im Umlauf sind. Ich wünsch Dir alles Gute. Aber für mich ist es nicht mehr geil Teil dieses Lebensstils zu sein!“ Es dauert vier Minuten. Dann schreibt O. zurück. „Du bist doch so blöd!!!“ textet er. „Ich hab die Fotos aus dem Netz!!!“ Du zögerst kurz. Überlegst, den Strohhalm zu ergreifen den O. Dir scheinbar hinhält. Entscheidest Dich dagegen. „Das glaube ich Dir nicht!“ schreibst Du stattdessen. „Du kannst es jedenfalls nicht beweisen daß die Bilder lediglich aus dem Netz sind!“ – „Du fickst mit anderen Männern und zeigst mit dem Finger auf mich???“ fragt O. „Da hast Du in gewisser Weise recht“ antwortest Du. „Eben!!!“ schreibt O. „Und deshalb laß mich jetzt in Ruhe!!! FÜR IMMER!!!!“ Sein online-Schriftzug verschwindet blitzartig. Und Du sinkst fassungslos in Deine Kissen zurück. Du hast Dein T-Shirt völlig durchgeschwitzt während des kurzen Chats mit O. Und das Bettlaken auch.

Guillotiniert. Entseelt. So liegst Du da, während unnatürliche Stille in Deinem Haus um sich greift. Als wäre ein Netzstecker gezogen. Als wäre das Leben gewichen aus allem. So kommt es Dir vor. O. hat Dich über seine Klinge springen lassen. Und das war nicht Dein Plan. Reden. Klären. O. aufrütteln. Das hattest Du gewollt. Ihm zeigen daß es Dich noch gibt. Stattdessen wurdest Du vernichtet. Kalten Herzens exekutiert. Du fühlst Dich wie eine lebende Leiche, als Du auf unsicheren Beinen hinunter in die Küche wankst um Tee zu kochen. Du hast Deine Identität verloren. Du bist nichts mehr. Weniger als nichts, außerhalb der Welt von O. Du überlegst verzweifelt was Du nun noch tun kannst. Um zurück zu kommen ins Leben. Denn das ist für Dich der Kontakt zu O. Nichtsweniger als das Leben. Aber Dir fällt nichts ein. Der Vormittag vergeht. Du sitzst gelähmt am Küchentisch. Erstarrt. Gebrochen. Fällst in Sekundenschlaf. Schreckst wieder hoch. Krallst Dir Dein Handy. Schreibst. Wie in Trance.

„Ich lösche Dich nicht vom Handy und ich blockiere Dich nicht! Ich liebe Dich viel zu sehr! Du bist viel zu faszinierend und zu wichtig für mich! Aber ich werde jetzt erstmal nicht mehr so viel schreiben. Ich muß meine verletzten Gefühle sortieren und mit mir selbst zurecht kommen. Du hast mich ins Herz getroffen in gewisser Weise. Ich habe halt Gefühle, leider, und ich habe es nie gelernt sie so zu kontrollieren wie Du. Ich bewundere Dich auch dafür sehr. Du kannst mir gerne schreiben wenn Du mich mal wieder besuchen willst. Ich mach Dir mit Sicherheit gern in Strümpfen die Türe auf. Aber ich selbst kann jetzt erstmal nichts mehr tun um unsere Verbindung aufrecht zu erhalten. In größter Liebe! U.“ So tippst Du mit bebenden Fingern, irgendwann im Laufe dieses völlig aus der Zeit gefallenen Tages in dein Smartphone. Noch versuchst Du Hoffnung, eine Art von Würde zu bewahren. Doch im Inneren fühlst Du, daß die Hängebrücke zwischen Dir und O. gerissen ist. Du wirst ins Bodenlose fallen.

Freitag, 20.3.2015. Es ist der lang erwartete Tag der partiellen Sonnenfinsternis. Die Menschen Deiner Stadt fiebern der Stunde entgegen da sie in Schatten getaucht sein werden. Du selbst befindest Dich längst dort. Ohne Hoffnung ins Sonnenlicht zurückzukehren. Denn O. hat auf Deine Nachrichten vom Vortag nicht reagiert. Und so beginnst Du Dich einzurichten im Zustand der Verlassenheit. Sitzst gramgebeugt am Küchentisch. Rührst in Deiner Teetasse. Kraftlos. Resigniert. Als jedoch am frühen Vormittag die Kälte der beginnenden Sonnenverdunklung spürbar wird und das Tageslicht ins Jenseitige diffundiert, drängt es Dich, O. ein letztes Mal zu schreiben. Einfach so. Losgelöst. Ohne Ziel. Du überlegst eine Weile. Wägst Worte. Und um 10Uhr13, als das Himmelsspektakel draußen seinem Höhepunkt entgegen strebt und dramatische Wolkenformationen über Deinem Haus und Deiner Stadt einen Hauch von Golgatha verbreiten nimmst Du Dein Handy und schreibst. Voller Verve und Leidenschaft. Deinen letzten großen Hymnus an O.

„Liebster. Unser Zusammensein am Mittwoch war für mich wirklich sehr schön, das möchte ich Dir nochmal ganz deutlich sagen. Und nicht nur schön, sondern auch schmerzhaft und intensiv wie jede Begegnung mit Dir bisher war. Fick ist überhaupt nicht das richtige Wort dafür. Eher Kunst-Performance. Inszenierung. Du kannst sehr viel. Hast viele Talente. Bist begabt. In mir ist jedes Mal sehr viel aufgewühlt nach den Begegnungen mit Dir. Es dauert immer einige Tage bis meine Nerven sich beruhigt haben. Es trifft mich vieles im Innersten, bis ins Mark, was Du machst während eines Zusamenseins mit mir. Es berührt ganz tief von mir vergrabene Gefühle. Es kommen auch Ängste, Traurigkeiten, alles Mögliche hoch. Ich schreibe Dir das während hier die Sonnenfinsternis abläuft: Du bist in jeder Hinsicht: Extrem. Intensiv. Brilliant. Schillernd. Gefährlich. Genial. Erotisch. Brutal. Intelligent. Stark. Grausam. Voller Phantasie und irrer Ideen. Schön. Attraktiv. Radikal und rücksichtslos.

Es steht Dir zu es mit tausenden von Frauen zu machen. Es steht Dir zu, Dir einfach alles zu nehmen was Du haben willst. Du kannst es, also kannst Du es tun. Wer wäre ich, es Dir zu verbieten. Du stehst irgendwie außerhalb der normalen Regeln und Gesetze. Du bist für mich eine sehr große, sehr wichtige Figur. Aber Dich zu lieben ist wie nackt gegen einen Eisberg zu rennen. Oder wie barfuß auf zerbrochenem Glas zu laufen. Es tut sehr, sehr weh. Ich habe jetzt 8 Monate lang versucht diesen Schmerz auszuhalten. Ich kann es auch weiterhin versuchen. Im Moment will ich nur daß Du weißt daß ich Dich wirklich sehr, sehr liebe. Und daß ich viel, viel mehr in Dir sehe als nur einen Ficker. Bitte laß die Türe offen zwischen uns, ok? Ich hoffe so sehr daß ich wieder mit Dir zusammen kommen kann wenn ich mich mal erholt habe. Ich will Dich nicht für immer verlieren. Denn ich bin für keinen Mann jemals halbnackt und frierend am Fenster gestanden um auf ihn zu warten, nur für Dich. Vergiß das nie! In Liebe, U.“

 

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

Feuilles Mortes

Montag, 6.Oktober 2014 8h. Der Herbst des Jahres ist sehr schnell gekommen. Jeden Morgen begleitest Du Deinen Sohn auf nebligen Strassen mit dem Fahrrad zu seiner idyllischen, kleinen Schule, die am südlichen Rand Eurer Stadt an ein Marienkloster angeschlossen ist. Während er Dir am Schultor zuwinkt, schaltest Du Dein Handy ein. Seit Deinem letzten Besuch im Haus mit den vielen Bildern hast Du nichts mehr von O. gehört. Kein Anruf. Keine Stimme auf der Mailbox. Keine Sms. Zwei volle Wochen lang: Nichts. Du kennst dieses Nichts inzwischen etwas besser als zu Beginn Eurer Freundschaft. Kennst die Gefühle, die es in Dir auslöst: Verwirrung. Verlustangst. Unsicherheit. Scham. Kennst die bangen Fragen, die es aufwirft. Spürst, wie sie verhindern, dass Du Dich innerlich einem anderen Thema zuwendest. Weisst aber auch, dass das Nichts irgendwann endet, wenn es Dir gelingt, tapfer und geduldig zu sein. Und heute ist es soweit. Gerade als Du auf Dein Rad steigen und nach Hause fahren willst piept Dein Handy. Charming Bell. Der Klingelton von O.

„Guten Morgen!“ schreibt er. „Guten Morgen“ schreibst Du zurück und lehnst Dein Fahrrad an der Friedhofsmauer vom Marienkloster an. „Hast Du es mit Anderen gemacht?“ fragt O. „Nein!“ antwortest Du. „Sei ehrlich, Schlampe!!!“ schreibt O. „Wirklich nicht!“ schreibst Du. „Ich will und brauch nur Dich!“ – „Ok“ schreibt O. Du suchst Halt an der Friedhofsmauer und versuchst innerlich in Deckung zu gehen vor den Fragesalven, die O. nun sicher gleich auf Dich abfeuern wird. Oder will er Dich jetzt sofort sehen? Nein, stellst Du fest, während die Oktoberkälte unter Deinen Parka kriecht. O. schreibt nicht mehr zurück. Du fährst nach Hause. Wärmst Dich auf. Googelst nachmittags am PC den Begriff Projektion. Ein psychischer Abwehrmechanismus, unverzichtbar im Selbstverteidigungsarsenal von Borderlinern, die ihn nutzen, um eigenes Fehlverhalten auszulagern, in ein Schattenreich, fern ihrer selbst. Indem sie es massiv dem Gegenüber unterstellen. Promisk zu sein, etwa …

Mittwoch, 8. 10.2014 Ein ruhiger Tag. Von O.? Nichts. Die Frage die er Dir gestellt hat, lässt Dir allerdings keine Ruhe. Wie kann er von Dir glauben, dass Du in den beiden Wochen seines Schweigens mit MEHREREN anderen Männern zusammengewesen wärst? Gegen Abend schreibst Du ihm, dass es keinen Mann in Deinem Umfeld gibt, für den Du annähernd so empfinden könntest wie für O. Dass es unvergleichlich und einzigartig für Dich ist, was Du mit ihm erlebst. Dass Du es niemals entwerten wollen würdest durch ein banales sexuelles Erlebnis mit irgendwem. Dass Du gern erfahren würdest, wie, wo und mit wem ER die vergangenen 14 Tage verbracht hat, schreibst Du ihm nicht. Und auch nicht, wie beleidigend Du seine Frage für sich genommen eigentlich findest. Beleidigend für Dich, aber auch für ihn selbst und für die schmerzlich-schöne letzte Begegnung die Ihr hattet. Du willst ihn nicht verärgern, jetzt, wo er von sich aus wieder mit Dir in Kontakt getreten ist. Deshalb bist Du sehr auf Deiner Hut.

Donnerstag, 9.10.2014 8h. Im Schatten des Marienklosters. Wieder schaltest Du Dein Handy ein. O. hat geschrieben, zu ganz früher Morgenstunde. „Ich will Dir einfach mal sagen dass ich sehr glücklich bin dass es Dich in meinem Leben gibt!“ textete er, während Du noch schliefst. Eine kleine Woge von Endorphinen strömt durch Dich hindurch. „Ich bin da auch sehr glücklich drüber !“ schreibst Du und schaust erwartungsvoll aufs Display. Jedoch, es kommt nichts mehr zurück. Im Lauf des sonnenlosen Tages verwandelt sich Dein morgendliches Hochgefühl. In Enttäuschung. Traurigkeit. Ärger auf Dich selbst. Du hättest so gerne mit O. gechattet. Warum musstest Du schlafen, unverzeihlicherweise genau dann, als er Gefühle und Gedanken mit Dir teilen wollte? Du fühlst Dich unzulänglich, mittelmäßig, wertlos. Dein Lebensstil ist zu philiströs für einen bohemienhaften Grenzgänger wie ihn. Viel zu normal. Zu langweilig. Zu angepasst. Das ist die eigentliche Botschaft die am Ende des Tages bleibt, von O.s morgendlicher Sms …

Freitag, 10.10.2014 14h. O. schreibt, unvermutet. „Du wohnst doch in der Nähe von der Parkanlage die hinter dem Haus anfängt wo wir uns kennengelernt haben, oder?“ fragt er. „Ja“ antwortest Du. „Soll ich da jetzt hinkommen?“ – „Jetzt nicht!!!“ antwortet O. „Wollte es nur wissen. Aber vielleicht kannst Du ja mit dem Rad nachts mal für nen Autofick zu dem Parkplatz kommen der da ist!!!“ – „Doch, das könnte ich!“ schreibst Du. „Ich würde aber wollen dass Du nichts unter Deinem Mantel anhast wenn Du mit dem Rad kommst! Nur Schuhe und halterlose Strümpfe!“ schreibt O. „Das krieg ich hin!“ schreibst Du. „Auch wenn es noch kälter ist als jetzt?“ fragt O. „Auch dann“ schreibst Du. „Babe, Du bist einfach der Wahnsinn!!!“ schreibt O. Du kannst seine Begeisterung förmlich durch Dein Smartphone spüren. „Ich liebe es an Dir dass Du einfach alles für mich tust!“ – Und ich liebe es das zu machen!“ antwortest Du. „Ich würde noch viel mehr für Dich tun als nackt mit dem Rad durch die Kälte zu fahren!“ – „Danke Babe. Ich liebe Dich“ schreibt O.

Samstag, 11.10.2014 1h. Du versuchst zu schlafen. O. hat Dir ja eine wunderbare Glückspille verabreicht, heute. Es tat Dir gut zu erfahren, dass er nach wie vor besondere Pläne mit Dir hat, dass Du – wieder oder immer noch – Gegenstand seiner erotischen Phantasien und Ideen bist. Dass Du eine Rolle spielst im Reich seiner Imaginationen, und zwar eine die Dir sehr gefällt. Du brennst darauf, mit dem Fahrrad tief nachts in Highheels und Strümpfen irgendwohin zu kommen, wo er im Auto auf Dich wartet. Und dennoch hat O.s Sedativum einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Die Art, wie er über diesen Parkplatz ganz in Deiner Nähe schrieb, sie legte nahe dass er dort nicht zum ersten Mal sein würde, beim Date mit Dir. Es peinigt Dich, Dir vorstellen zu müssen, dass er öfter jemanden treffen könnte, an diesem unbesuchten Ort, frühmorgens, während Du Dich hier im Halbschlaf nach ihm sehnst. Und dass er schon viele Frauen dort erwartet hat, in all den Jahren, bevor Du ihm und seinen dunklen Träumen begegnet warst.

Es ist einer jener Momente in denen Du ernsthaft erwägst, radikal mit O. zu brechen. Alles was mit ihm zu tun hat vom Handy zu löschen, den Chatverlauf, die Bilder, die Du ihm geschickt hast, und seine Nummer zu blockieren. Aber was dann? Zurück in das Leben das Du hattest, vor der Begegnung mit O.? Ein Leben ohne permanente mentale Herausforderungen und Kraftproben, ohne emotionale Höhenflüge und Abstürze, ohne erotische Chats und Bilder? Ohne heimliche Besuche in exklusiven Domizilen? Es ist ein Leben das es nicht mehr gibt, stellst Du betroffen fest. Du bist gezeichnet für immer, von der kurzen Zeit mit O. Du wirst nie mehr leichten Herzens an dem Parkplatz bei der Grünanlage vorbeifahren können, genausowenig wie an der Stelle wo Ihr Euch kennengelernt habt. Du lebst in einer völlig neuen, O.-geprägten Realität, in der Uhrzeiten und Orte etwas Abgründiges bedeuten. O.s sinistres Raum-Zeitkontinuum hat sich über Deines gelegt und Dein altes Leben hat sich darin aufgelöst.

Montag, 13.10.2014 7h. O. hat geschrieben, kurz nach 4h morgens. Du musst angemessen gekleidet sein, für das Treffen beim Parkpklatz. Die schwarzen, halbhohen Stiefeletten, die Du bisher für ihn getragen hast, sind deplaziert. O. will, dass Du Dir „richtig heiße, hochhackige Fickschuhe“ kaufst. „Sie müssen nicht teuer sein, Hauptsache sie sehen nuttig aus!!!“ schrieb er. Gegen Nachmittag fährst Du los, zu einem Schuhdiscounter ganz in Deiner Nähe. Leider gibt es aktuell nur Schuhe mit Veloursleder-Optik, in gedämpften Herbstfarben. Nach langem Überlegen entscheidest Du Dich für ein Paar schwarzer Ankle-Boots mit Nieten im Fersenbereich und 13 mm hohen Absätzen. Zuhause machst Du ein paar Bilder: Du selbst, mit Parka, halterlosen Strümpfen und den neuen Schuhen vor dem Wohnzimmerspiegel. Schickst sie O. Wartest. Gegen Abend schreibt er: „Diese Schuhe entsprechen leider überhaupt nicht meinen Vorstellungen!!! Glaub nicht dass ich Dich in denen ficken kann!!!“ Danach: Schweigen.

Ein harmloses Paar Schuhe im Wert von 30.- Euro. Du hattest Dich sehr darüber gefreut, eigentlich. Dir überlegt, zu welchen Deiner Jeans und Kleider sie am Besten passen würden. Es war eine Art Cinderella-Moment als Du sie vor dem Spiegel anprobiertest. Seit O.s vernichtendem Urteil aber wurden sie für Dich zum Symbol einer schweren Niederlage, ja, einer Blamage. Wärst Du wirklich die hocherotische Frau, die Du vorgibst zu sein, hättest Du dann nicht Schuhe kaufen können, die ihm gefallen? Du hast versagt. Hast O. enttäuscht. Zurecht straft er Dich nun wieder mit seinem Schweigen. 22h. „Findest Du die Schuhe wirklich so häßlich?“ wagst Du ihm zu schreiben. Und siehe da, er antwortet: „An Deinen schönen Beinen sehen sie ganz gut aus“ schreibt er. „Aber wir müssen dann bald andere für Dich besorgen!“ – „Danke!“ antwortest Du. In der Nacht träumst Du von Kürbiskutschen und gläsernen Schuhen. Nur O. hat die Macht, die Kindheitsprinzessinn in Dir zum Leben zu erwecken. Und Du liebst ihn dafür.

Mittwoch, 15.10.2014 Ein verwunschener Oktobervormittag. Herbstlaub fällt im Sonnenlicht. O. schreibt, seltsam euphorisiert, verliebt, voll Tatendrang: „Meine Süße!! Ich bin gerade da wo wir uns kennengelernt haben!!! Und ich bin so unglaublich glücklich dass es Dich gibt!!!“ – „Magst Du mich vielleicht besuchen kommen?“ fragst Du. „Jetzt nicht!!“ antwortet O. „Aber ich will Dich heute abend in dem Haus ganz zärtlich umarmen und küssen wenn Du es mir erlaubst!!!“ – „Sooo gerne!“ antwortest Du. „Wann soll ich denn kommen?“ – „Das sage ich Dir noch!!“ schreibt O. „Ich kann es kaum erwarten Dich zu sehen!!“ „Zärtlichkeit von O. Wie wundervoll!“ denkst Du. Die Zeit vergeht. Du wartest. Erst voll Vertrauen und Zuversicht, dann immer nervöser. Dein Sohn kommt von der Schule. Abwesend und gedankenverloren betreust Du seine Hausaufgaben, stets das Handy im Blick. Die Nacht fällt ein. Du schickst O. ein einzelnes Fragezeichen. Keine Antwort. Du bist getäuscht worden. Bloßgestellt in Deinem Wunsch nach Nähe. Ganz einfach so.

„Haus war nicht frei“ simst O. am anderen Morgen. „Hättest Du mir das nicht früher schreiben können? “ fragst Du zurück. „Klar hätte ich! Aber wollte ich halt nicht!!“ antwortet O. „Du bist nur eine Nutte und ich kann machen was ich will!! Kapierst Du das nicht? Und wenn ich Lust habe in dem Haus ne Andere zu ficken kannst Du auch nichts dagegen tun!!!“ – „Hast Du das denn?“ fragst Du gequält. „Nein!“ antwortet O. „Aber eines Tages werde ich es machen und dann mußt Du zuschauen!!! Und jetzt halt endlich Dein Schlampenmaul, sonst blockier ich Dich vom Handy!!!“ – „Oh, klassisch!“ schreibt Dein Freund, der Sucht-Experte, als Du ihm den Chat erschüttert weiterleitest. „Er darf alles, Du darfst nichts. Du bist nur Dreck. Aber Vorsicht! So hart wie er Dich seelisch verletzt, so hart wird er auch körperlich gegen Dich vorgehen. Ich rate Dir, Dich von ihm zu trennen!“ – „Ich will die Parkplatz-Nummer noch erleben!“ schreibst Du kleinlaut. „Ok“ schreibt Dein Freund. „Gönn Dir. Aber dann zieh bitte die Notbremse!“

Freitag, 17.10.2014 Dein Freund hat natürlich recht. Besser heute als morgen solltest Du die Reißleine ziehen. Dich psychisch und physisch in Sicherheit bringen vor einem Mann, der willkürlich mit Deinen Gefühlen spielt. Und Dich anschließend demütigt und bestraft für Dinge die er selber falsch gemacht hat. Es gibt keinen vernünftigen Grund bei O. zu bleiben, nach dem was Du in den letzten beiden Tagen mit ihm erlebt hast. Du beschließt, Dich innerlich von ihm abzuwenden. Nimmst Dir vor, ihm nicht mehr zu schreiben. Und den Blick nach vorne zu richten. Es fühlt sich wohltuend an. Du verbringst einen ruhigen Abend. Hörst Musik. Wirst früh schlafen gehen. Aber genau in dem Moment wo Du Dein Handy abschalten willst bekommst Du eine Sms. „Gute Nacht, Kleine!“ schreibt O. „Glaub mir, Du bist die Einzigste für mich! Bitte sag mir wann Du nachts um 4h mal rausgehen kannst!! Ich will Dich unbedingt bald in Strümpfen und Schuhen am Parkplatz sehen!!“ – „Von 26. auf 27.10.“ schreibst Du. „Wunderbar!!!“ antwortet O. …

 

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