The Beating Girl

Der  narzisstisch gestörte Mann. Die Liebe. Der Tod. Nie. Zu keinem Zeitpunkt. Wirklich nie kommt Deine Beziehung zu O. über diese patholigische Trias hinaus. „Liebe“ als perverse Verführung. Als kalte, einseitig abhängig machende Sexualität. Und Tod als Beigeschmack. Als Konnotation. Als Atmosphäre. Flair. Als Thema. Was immer Du auch versuchst. Was immer Du auch einbringst in Deine Chats, Deine Kontakte, Deine Begegnungen mit O. Es ändert nichts. Es bleibt dabei: O. unterhält sexuelle Beziehungen zu geschminkten, parfürmierten Single-Ladies weit jenseits der 60. O. verschanzt sich in seiner blut-schneeweissrosenroten Designvilla in Friedhofsnähe. O. jagt nachts mit seinem SUV übers Land. Stets auf der Suche nach einer schnellen, seelenlosen Nummer mit irgendwem. O. betrügt, hintergeht und belügt seine krebskranke Partnerin. Die Frau, der er seine Barschaften verdankt. Die seine Eskapaden finanziert. Die Du nie kennenlernst, nie siehst. Und der Du dennoch oft so gern so Vieles sagen willst.

Teile des Dramas, der Tragödie von Lolo. Miniatur-Einblicke. Bruchstückhafte Informationen. Das Internet gibt, der Verschwiegenheit von Lolos Lebensstil zum Trotz, dann und wann etwas davon preis. Zum Beispiel am 14.11.2016. Während sie versucht, sich zusammen mit O. auf Lanzarote von ihrem Brustkrebs-Jahr zu erholen, sitzst Du nachmittags am Küchentisch und googelst mal wieder, rein zur Routine, ihren Namen. Rufst im Smartphone die Adressen der Immobilienfirmen auf, deren Geschäftsführung sie sich mit ihrer Mutter und ihrer Schwester teilte. Und stellst, während Du Dich durch die Informationen klickst, fest, dass Einiges sich seit Deinem letzten Check geändert hat. „27.10.2016: Nicht mehr Geschäftsführer“ liest Du in drei Einträgen hinter Lolos Namen. „1.8.2016: Neueintragung Anschrift“ heisst es bei North Data von der Gmbh, die bis dato im Haus mit den vielen Bildern gemeldet war. Neuer Unternehmensstandort: die Privatvilla von Lolos Schwester (!!!). Bisheriger Geschäftssitz: Dauerhaft geschlossen.

Irgendwas erstarrt in Dir, beim Lesen dieser vordergründig nüchternen Worte. Sie tun Dir körperlich weh. In den Achsellymphknoten. Im Solarplexus. Im limbischen System. Wie immer, wenn ein Hauch von Lolos Karma Dich streift. Die Worte, sie riechen, schmecken, klingen so endgültig, so sehr nach Tod. „Nicht mehr“. „Geschlossen“. „Dauerhaft verlegt“. Intensivstation, denkst Du. Aussegnungshalle. Grab. Du siehst es direkt vor Dir: Särge. Blumen. Kränze. Du musst Dich sehr zusammenreissen. Sehr tief durchatmen um wieder in der Realität anzukommen. Dann denkst Du nach. Kramst in Deinem Gedächtnis nach dem, was noch übrig ist von den wirren, inkohärenten Kriegsberichterstattungen, die aus O. von Zeit zu Zeit hervorgebrochen waren, wenn die Rede auf Lolo und ihre Familie kam. Memorierst die Narrative von der sehr bösen Mutter und der noch böseren Schwester, die den Ausbruch von Lolos Krankheit nutzten, um finstere Machenschaften gegen sie und natürlich auch gegen IHN, O. ins Werk zu setzen. Konflikte. Kämpfe. Komplotte.

Ok. Nun wurde sie also verstossen, aus dem familieneigenen Firmengeflecht. Hinausgeschubst aus dem matriarchalen Netzwerk, das sie bisher schützte und trug. Und das Besitzverhältnisse und Rechtsnachfolge zu ändern beschloss, als Lolos Krankheit ausbrach. Mit gutem Grund, nimmst Du an. Doch sicher, um vor allem O. im Falle ihres Todes auszuschliessen vom Zugriff auf das Vermögen der Familie. Die Erkenntnis wiegt schwer. Denn, sie legt schonungslos offen, wie nüchtern Dein narzisstischer Lover von ANDEREN Personen gesehen wird. Menschen, die emotional weniger stark an ihn gebunden sind als Du, nehmen ihn als Erbschleicher wahr. Als Parvenu, vor dem es Geld und Gut zu schützen gilt. Und ja, genau das ist er ja auch, denkst Du. Und ein Vergewaltiger und Fremdgänger obendrein. Einem diffusen Impuls folgend überprüfst Du noch einmal die Kalendertage, an denen die Rochaden ins Handelsregister eingetragen wurden. Vergleichst sie mit dem Verlauf Deiner Whatsapp-Chats und Deiner Treffen mit O. Stellst schaudernd fest: auf jeden ebenjener Termine folgte ein besonders krasses Date mit DIR.

Ein Date, an dessen Folgen Du beide Male tagelang zu knacken hattest. Und ein Silent Treatment der herzhaftesten Art gleich gratis mit dazu. Das bekamst Du im August 2016, als – wie Du nun weisst – das Haus mit den vielen Bildern in seiner Eigenschaft als Firmensitz vom Erdboden verschwand. Und im Oktober 2016, vor sehr kurzer Zeit also, nachdem Lolo als Mit-Inhaberin von drei Gmbhs geschasst worden war. Bekamst DU: Schläge. Tritte. Würgemale am Hals. Und Spucke ins Haar. Bekamst Du Cougar-Selfies aufs Handy. Bilder von welken Brüsten in grellfarbigen Dessous. Und von O.s Ejakulat auf dem Eichenholzboden vor seinem Bett. Du bekamst, das wird Dir nun klar, ganz einfach die volle Dosis von O.s narzisstischem Furor. Warst sein Watschen-Mädel. THE BEATING GIRL, im Hofstaat von O. Diejenige, die die Dresche bezog. Weil O.s Machtfülle an Grenzen gestossen war. Und jemand es gewagt hatte, sein Herrschaftssystem zu stören. Deshalb musstest Du büssen. Stellvertretend. Ersatzweise. Als Spiegelbild, als Double von Lolo.

Die Zofe der schwerkranken, von ihrer Sippe verstossenen Prinzessin. Auserkoren, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Ihre Bürden zu schultern. Und gegebenenfalls die Kleider mit ihr zu tauschen. SO schreibt sich Deine Geschichte ins dunkle Märchen zwischen Dir und O. über das Jahr 2017. Es wird paradoxerweise dasjenige Deiner fünf Jahre mit O., welches Du rückblickend als das „glücklichste“ einstufen wirst. Was vor allem daran liegt, dass Du in dieser Zeit ein Übermass an virtueller Zuwendung von O. auf Whatsapp bekommst. Lovebombings ohne Ende. Tagsüber. Nachts. Wochen- und monatelang. Mit berührenden, wahrhaftigen Augenblicken. „Es tut mir so leid mein Engel!“ schreibt O. beispielsweise am 17. 2. 2017 um 5.00h morgens. „Ich weiss das ich dich sehr vernachlässige!!! Wenn bei der Lolo dieser scheiss Krebs nicht wäre dann wäre es zwischen uns ganz anders. Es würde ganz anders laufen. Aber durch die schwere Krankheit von der Lolo und diesen Krieg den sie zeitgleich mit ihrer Familie hat – das macht mir sehr zu schaffen!!!“

„Ich habe dadurch einfach so gut wie keine sexuelle Energie in mir“ schreibt O. weiter an diesem grauen Februarmorgen während Du tränenumflorten Blickes aufs Handy starrst. „Und ich habe dadurch auch Angst das ich dich sexuell enttäusche. „Ok“ antwortest Du nur. „Vielen unendlich vielen Dank für diese Info!“ Du überlegst mit welchen Worten Du O. erklären könntest, dass in DEINER Welt Eure Begegnungen NICHT rein sexueller Natur sein müssten. Und somit auch keine Enttäuschung zu befürchten wäre. Da vollführt O. wieder einen seiner berühmt-berüchtigten Twists innerhalb eines Chats. Und lässt jene Sexfantasie auferstehen, deren Realisierung zentral werden wird, zwischen ihm und Dir. Das Highlight. Der absolute Höhepunkt, der den nachfolgenden Komplettverfall Eurer Beziehung jedoch bereits mit sich trägt: „Du musst wissen das ich dir bald eine Glatze schneiden will!!!“ schreibt er. „Vollkommen kahl mach ich dich!!! Du wirst total kaputt und mega geil aussehen!!!“ – „Fast so als hätte ich Krebs und mach ne Chemo oder?“ tippst Du. „Genau!“ antwortet O. …

 

 

Epiphany

Freitag, 2. Januar 2015. Bereits zwei Tage nach Deiner Rückkehr aus dem Haus mit den vielen Bildern kannst Du wieder schmerzfrei sitzen. Und die blauen Flecken unterhalb Deines Rippenbogens verblassen sogar so schnell, daß Du bald nicht mehr sicher bist, ob Du es wirklich erlebt hast oder nur geträumt. Dieses Date. Bei dem ein zorniger, rotbärtiger Mann meinte, Dir Gewalt antun zu müssen, inmitten von fremden Luxusgütern, aus einem rätselhaften Grund. Tizianrotes, kleingelocktes Haar hat er also, Dein Zuchtmeister in der düster dekorierten Villa, wenn er sich nicht kahlschert und glattrasiert. Das Haar der Freibeuter. Der Verruchten. Der Außenseiter, also. Der Geächteten. Und: Der Zauberkundigen. Der Magier und Hexen. Ja, der Seelenlosen, wie man auf Fantasy-Webseiten lesen kann. „Daywalker“, heißt es da, seien ganz besondere Rothaarige: hellhäutig, aber ohne Sommersprossen. Lichtscheu. Unempfindlich gegen Schmerz. Gefühlskalt. Tagwandelnde Vampire. Kein Zweifel, denkst Du. So ist O.

22h. Du sitzst in eine Decke gewickelt auf dem Sofa und läßt Dich vom Kaminofenfeuer wärmen. Neben Dir liegt Dein Smartphone. Du ringst mit Dir. Erwartungsgemäß hat O. Dir kein frohes Neues Jahr gewünscht, gestern. Und Du ihm auch nicht, obwohl Deine Gedanken bei Ihm waren als es Mitternacht schlug und das Silvesterfeuerwerk begann und Dein Mann und Dein Sohn Dich umarmten. Nun drängt es Dich, ihm zu schreiben. Es gibt so Vieles, was Du gerne wissen würdest. Wo und wie verbringt jemand wie O. den Jahreswechsel? Auf einem wilden, bachantischen Fest im Haus mit den vielen Bildern? Bei anderen Freunden, in einem ähnlichen Domizil? Wo Champagner geschlürft wird und nackte Frauen Koks auf Silbertabletts reichen? Oder in seinem eigenen Zuhause, das Du noch immer nicht kennst? Euer vergangenes Treffen, von dem Du Dich erst langsam erholst, was war es für O.? Bestimmt nur der marginale Auftakt für mehrtägige Abenteuer und Exzesse, denkst Du. Das Vorglühen, das halb vergessene Präludium …

22h30. Ok, O., denkst Du. Die Schlampe meldet sich wieder. Du nimmst Dein Handy und schreibst: „Ich hoffe Du bist gut ins Neue Jahr gekommen. Küsse!“ Du atmest durch. Gehst zum Kaminofen um Holz nachzulegen. Willst Dich gerade auf der Couch zurecht kuscheln um ein wenig zu schlafen. Da piept Dein Handy. Tatsächlich. O. „Hallo“ schreibt er nur. „Hallo“ schreibst Du zurück. Und dann: “ Hat es Dir gefallen mich zu bestrafen?“ – „Ja!!“ antwortet O. nach einigen Minuten. „Aber Du hast mir nicht bewiesen daß Du mir noch gehörst!!!“ – „Warum nicht?“ schreibst Du irritiert. „Was hat Dir gefehlt?“ – „Du hast gesagt daß ich Dich mißhandeln darf!!!“ schreibt O., wiederum nach einigen Minuten. „Und jetzt schau mal was rausgekommen ist! Ich durfte Dich NICHT härter angehen!“ – „Aber Du hast doch alles gemacht was Du wolltest!“ schreibst Du. „Und hättest auch noch mehr machen können! Ich war jedenfalls bereit dazu!“ – „Wirklich?“ fragt O. „Wirklich!“ antwortest Du. „Babe!“ schreibt O. „Ich danke Dir!!!“

„Kein Ding“ schreibst Du, bewegt von O.s Offenheit. „Und ich kann Dir was sagen, zum Trost“ fügst Du hinzu. „Ich konnte nicht besonders gut sitzen gestern!“ – „Das ist gut Babe!!!“ antwortet O. „Ich werde Dich nämlich schon bald noch härter behandeln!!! – „Ok“ schreibst Du und suchst nach einer frivolen Antwort. Plötzlich aber fühlst Du, wie ein lang in Dir aufgestautes Wissenwollen unhaltbar aus Dir herausdrängt. „Kann ich Dich was fragen?“ schreibst Du und ziehst die Wolldecke enger um Deine Schultern. „Frag“ schreibt O. „Das Haus“ tippst Du, und Dein Herz klopft wild, „in dem Du Dich immer mit mir triffst, das ist aber nicht Dein Zuhause, oder?“ – „Doch“ antwortet O. Du hast den Eindruck, daß der Raum um Dich herum sich dreht. Ziemlich schnell, sogar. Und auf dem Fußboden direkt vor dem Sofa bilden sich wieder Risse. „Oh nein. Hilfe.“ schreibst Du. „Warum?“ fragt O. „Das ist ja so ein wahnsinnig edles cooles Haus!!“ antwortest Du. „Mein Zuhause ist eine Köhlerhütte im Vergleich dazu!“

„Jetzt übertreib mal nicht!“ schreibt O. „Aber dieser ganze Luxus der da ist!“ schreibst Du, „gehört das alles Dir? Und was ist mit den Kindersachen die da immer herumliegen?“ – „Der Luxus gehört ein Teil mir und ein Teil meiner Freundin“ antwortet O. „Und die Kindersachen sind von zwei Neffen von uns. Die sind öfter bei uns zu Besuch!“ – „Ach so“ schreibst Du. „Und das wunderschöne kleine Zimmer? Wo das mit den Blutflecken passiert ist? Ist das dann Dein Zimmer?“ – „Ja! Das ist mein Zimmer“ antwortet O. „Und ausgerechnet da mußte das passieren“ schreibst Du, während Du überlegst, Dich in eine der offenen Fugen unter Dir fallen zu lassen. „Und das Haus ist noch lange nicht fertig!“ schreibt O. „Was fehlt denn noch?“ fragst Du und fühlst plötzlich etwas wahnhaft Besitzstrebendes durch das Handy zu Dir dringen. „Ich brauche Platz für eine neue Stereoanlage!! Neue Regale!! Und vor allem viel viel mehr Bilder!!!“ schreibt O. „Es wird wahrscheinlich niemals wirklich fertig sein!!!“

„Ein Palast für einen Prinzen wie Dich kann wohl auch nie wirklich fertig sein“ textest Du. „Da könntest Du recht haben, Kleine!“ antwortet O. “ Und ich liebe es wenn Du mir so schöne Sachen schreibst!!!“ – „Es ist einfach die Wahrheit!“ antwortest Du. „Dann Gute Nacht, Babe!“ schreibt O. „Dir auch!“ antwortest Du. „Ich muß es jetzt erstmal verkraften was Du mir heute alles erzählt hast!“ Lange, sehr lange nach diesem Chat sitzst Du immer noch reglos auf der Couch, mit angezogenen Beinen, in die Wolldecke gehüllt, das Smartphone in der Hand. Erst als das Feuer im Kaminofen ganz heruntergebrannt ist und Dein Mann und Dein Sohn, die oben zusammen ferngesehen haben, längst schlafen gegangen sind, löst Du Dich aus Deiner Erstarrung. Das Haus mit den vielen Bildern. Wo Dir der Atem stockt, sobald Du es betrittst. In dem die Wände von stummen Schmerzensschreien widerhallen. Und Du in die Abgründe einer verlorenen Seele blicken kannst. Es ist nicht irgendein Ort. Es ist O.s innerstes Reich.

Dienstag, 6. Januar 2015. Dreikönigstag. Die Zeit der entfesselten stürmischen Mächte geht zu Ende. Dein Sohn ist zusammen mit zwei Freunden als Sternsinger unterwegs. Dein Mann zu Besuch bei seinen Eltern. Und Du kannst Dich, vier Tage nach der verstörenden Erkenntnis, längst Teil von O.s innerster Welt gewesen zu sein ohne es zu wissen, vor den PC setzen und etwas ganz Einfaches tun: Du gibst das, was Dir seit Neuestem als O.s Wohnadresse bekannt ist, in die Google-Suchzeile ein. Den klangvollen Strassennamen. Die gerade, zweistellige Hausnummer. Den Namen Eurer Stadt. Und drückst die Enter-Taste. Augenblicklich erscheint die angefragte Adresse bei Google-Streetview. Im zugehörigen Foto ist das Haus mit den vielen Bildern nur schemenhaft erkennbar. Dennoch überläuft es Dich kalt, als Du es siehst. Die Namen von vier Immobilienfirmen ploppen auf. Geschäftssitz: das Zuhause von O. Du recherchierst die Unternehmen. Homepages gibt es keine. Aber ihre Einträge ins Handelsregister sind abrufbar, bei North Data und Moneyhouse.

Plötzlich gibt das Internet so Vieles preis. Die Firmen wurden vor 6 Jahren gegründet. Als geschäftsführend werden jeweils drei Frauen mit dem gleichen Familiennamen samt ihren Geburtsdaten genannt. Eine Dame im Alter von 68 Jahren und ihre beiden Töchter. Die Erstgeborene ist wohnhaft im Haus mit den vielen Bildern. Ihren Vornamen kanntest Du schon. Aus der Traueranzeige für O.s Mutter. O.s Lebensgefährtin, also. Ihr Vater ist Gründer eines bedeutenden mittelständischen Bauunternehmens, stellst Du fest. Ihre Mutter entstammt einer wichtigen deutschen Verlegerfamilie. Zusammen mit weiteren Angehörigen dieser Sippe verfügt sie über ein Netzwerk aus Firmen- und Wohnsitzen an den vornehmsten Adressen im Westen der Stadt. Auch die alte Villa, in der O. Dich zum ersten Mal nahm, scheint Teil des Familienbesitzes zu sein. Und ins Kennzeichen des SUV den O. fährt, sind die ersten beiden Buchstaben des illustren Clan-Namens integriert. Ihre gesellschaftlichen Verbindungen reichen bis in die höchsten Kreise Deiner Stadt.

So sehr Du auch suchst, Bilder sind von keiner der drei gut situierten Frauen im Netz zu finden. Zwar kannst Du sehen, daß sie sich karitativ engagieren, bei Children for a Better World und ähnlichen Organisationen. Die Matriarchin sitzt außerdem im Festkomitee eines sehr beliebten Wohltätigkeitsballes Deiner Stadt. Ihre Gesichter halten die Damen im Raum des weltweiten Netzes jedoch konsequent verborgen. So erfährst Du leider nicht, wie O.s Freundin aussieht. Natürlich nimmst Du an, daß sie schlank und attraktiv ist, beneidenswert stilvoll und teuer gekleidet, von Männern umschwärmt, kurz, das Pendant zu O. Bestimmt bist Du nur ein Aschenputtel im Vergleich zu ihr. Du fühlst Dich tief unterlegen, beim Blick auf all die Infos im Netz. Und dennoch empfindest Du auch etwas wie Mitleid, wenn Du ihren Namen liest. Ein eigenartiges Verbundensein mit den seelischen Narben und Verletzungen einer anderen, zu O. gehörenden Frau. Zu dessen Person selbst weiterhin nichts, absolut nichts aufscheint. Auch nicht im virtuellen Umfeld des von ihm bewohnten Hauses.