Thousandfold

O.s tausendfach stärker gewordene Liebe zu Dir zeigt sich am Mittwoch den 15. März 2016 zunächst einfach nur in einem besonders harten Beischlafprogramm. Ohne die wortreich im Chat beschworenen Zärtlichkeiten. Dafür mit Kratzspuren auf Deinem Rücken. Mit einer weissen Netzstrumpfhose, die sich bald nur noch in streifigen Fetzen um Deine Fussknöchel ringelt. Mit Schubsern. Mit Stössen. Mit unbarmherzigen Griffen. Mit heiser und fremd hervorgestöhnten Worten, die in einem verzerrten Lachen untergehen, während O. Dich frontal auf dem Wohnzimmersofa nimmt. „Es war so geil dich zu schlagen!!!“ hörst Du es aus ihm herausbrechen. „Ich hab beim Wichsen am nächsten Tag dauernd dran gedacht!!!“ Besonders deutlich zeigt sich O.s tausendfach stärker gewordene Liebe an diesem Tag jedoch in dem Geschenk, das er Dir eindringlich lächelnd überreicht, bevor er geht. Eine Design-Papiertüte mit signalroter Hochglanzbeschichtung. Darin: 50.- Euro. Sowie ein schneeweisses und ein pechschwarzes Marken-Herrenhemd.

Nur Stunden später, als Du in Deine Wolldecke gehüllt auf der Couch sitzst und versuchst, Dich von O.s Besuch ein wenig zu erholen, zeigt sich seine tausendfach stärker gewordene Liebe erneut. „Passen die Hemden?“ schreibt er um 17.43h. „Ich hab sie ganz ordentlich zusammengefaltet und versteckt!“ antwortest Du. Aufgestört von O.s Bruch mit seinen sonstigen postkoitalen Gepflogenheiten. „Ich zieh sie morgen an für Bilder. Sie passen bestimmt!“ O. schweigt. „Vielen vielen Dank dass Du hier warst!“ tippst Du mit zittrigen Fingern. O. antwortet nicht. Sein Schweigen reißt Dir das Herz auf. Und all Deine mühsam gebändigten Gefühle brechen daraus hervor. „Weisst Du eigentlich“ tippst Du, „dass es nur eine einzige Erfahrung für mich gibt die vergleichbar ist mit dem was ich durch Dich erlebe? Die Geburt von meinem Sohn. Dieser Moment in dem ich dachte dass ich sterbe – den fühle ich sehr oft mit Dir. Und deshalb brauche ich Dich so!“ O. antwortet um 21.47h. „Hey. Bin sprachlos!“ schreibt er.

Natürlich machst Du sehr viele Bilder für O. in den Tagen und Wochen nach diesem Date. Nahezu täglich kniest oder liegst Du im Schlafzimmer auf Deinem Bett, verdrehst und verrenkst Dich in immer neue Positionen, lächelst kokett oder blickst sehnsuchtsvoll in die Selfiekamera Deines Handys und fotografierst Deinen Körper in den Extremfarben Schwarz oder Weiss. Im Licht der Spaltung. Im Kolorit der Borderlinepersönlichkeit, das keine Schattierungen, keine Nuancen kennt. Im Reich der tiefsten Schwärze und der strahlendsten Helligkeit. Über das alleine O. gebietet und entscheidet, zu welcher Sphäre Du gerade gehörst. Zu O.s 47. Geburtstag Anfang April trägst Du das weisse Herrenhemd über dem schwarzen und fotografierst es zusammen mit weissen, halterlosen Strümpfen und schwarzen, perlenbesetzten Schuhen. O. ist begeistert als Du ihm die Bilder in den ganz frühen Morgenstunden sendest. „Danke mein wunderbares Goldstück!“ schreibt er. „Noch nie hat eine Frau mich so glücklich gemacht wie Du!“

Seine tausendfach stärker gewordene Liebe zu Dir via Whatsapp zu beschwören – dessen wird O. nicht müde in den Vorfrühlingswochen des Jahres 2016. Frühmorgens. Nachts. Tiefnachts. Und wieder frühmorgens besingt er die Intensität Eurer Verbindung. Mit ungebremstem Pathos. Hemmungslos. „Wir beide haben zueinander finden MÜSSEN!!! tippt er beispielsweise am 9. April 2016 um 3.55h. „Du und ich … das ist Perfektion!!!“ – „Ja!“ antwortest Du schlaftrunken mit dem Handy unter der Bettdecke. „Ich liebe dich über alles!!!“ schwelgt O. weiter. „Sowas geiles wie dich… hätte nie gedacht das es so etwas gibt!!!“ Du suchst nach Worten. „Bin wohl für Dich bestimmt!“ tippst Du dann. „Ja Babe!“ antwortet O. „Du bist einfach mit Worten nicht zu beschreiben!!! Und die zukünftigen gemeinsamen sexuellen Erlebnisse werden unsere intime Verbundenheit NOCH stärker werden lassen!!! Ich kann es jetzt schon kaum mehr erwarten das ich dir endlich deine Haare abrasieren darf!!!“ In diesem Ton geht es Nacht für Nacht …

So könntest Du also sehr glücklich sein in dieser Zeit im Frühjahr 2016. Könntest Dich geliebt und umsorgt fühlen. Gebadet in der immer wieder neu bekundeten tausendfach stärker gewordenen Liebe von O. Jedoch. Im Lauf der Wochen erlischt der magische Glanz von dem, was er Dir anbietet und schreibt. Und fühlt sich nur noch fadenscheinig und banal an. Unecht. Lieblos. Trotz aller Beteuerungen. Kurze Dates. Schnelle Ficks. Irgendwo zwischen Dunkel und Geröll. Rumfummeln in der Garage während Lolo schläft. Kurz Küssen im Auto. Unterm Mantel bei der Parkbank Deine Brüste spüren. Quicki-Modus. Auf nen Stoss vorbeikommen. Das ist die erotische Nomenklatur von O.s tausendfach stärker gewordener Liebe bei Tag. Genauso wie der Ton seiner Absagen wenn die Verabredung an Alltagswidrigkeiten scheitert. Leider kein Glück. Hätte Dich gerne von hinten genommen. Aber Lolo hat Lymphknotenmassage und will das ich sie begleite. Freunde kommen. Wir schauen fern. Schade. Ja wirklich, denkst Du. SEHR schade.

Du bestellst einen neuen Catsuit im Internet. Signalrot. Mit Spaghettiträgern. Gekreuzten Bändern über der Brust und Cut-Outs im Taillenbereich. Du trägst ihn zusammen mit den signalroten Highheels und dem Statement-Collier aus glitzernden Fake-Türkis-Steinen. Und machst am 12. April 2016 viele Bilder von diesem Outfit für O. Um den Grauschleier zu zerreissen, der seit Wochen über allem liegt, was Du fühlst und tust. Um gegen die Lähmung, das Gefühl der inneren Ausgehöhltheit vorzugehen, das Dich seit Tagen beherrscht. Vor allem seitdem Du bemerkt hast, dass O. rund um die Uhr online ist. Nahezu pausenlos jemandem schreibt. Während er Dich, die er bekanntlich mit tausendfach stärker gewordener Intensität liebt, floskelhaft abfertigt. Die heiteren, frühlingshaften Farben stehen Dir gut. Auf den Bildern ist nicht zu erkennen, wie blass und traurig Du in Wirklichkeit aussiehst. Gegen Abend schickst Du sie O. „Geil!“ antwortet er. Und setzt seine anderen Chats fort. Bis tief in die Nacht.

Du weisst, dass Du cool sein und einfach drüber stehen solltest. Dich abwenden. Andere Dinge tun. Aber Du bist viel zu sehr gefangen im Netz der Sehnsüchte und der trügerischen Hoffnungen, in das die nächtlichen Chats mit O. Dich eingewoben haben. Du kannst den ganzen Abend lang nichts anderes tun, als mit pochendem Herzen aufs Handy zu starren und O.s Online-Aktivität zu beobachten. Wie paralysiert. Wie ein dressiertes Tier. Stundenlang. Als der Online-Schriftzug weit nach Mitternacht endlich erlischt, schämst Du Dich vor Dir selbst für das erbärmliche Wesen was aus Dir geworden ist. Jedoch: Schlimmer geht immer. Nachdem Du nämlich ein wenig gewartet hast, um sicher zu sein, dass O. nicht nochmal auf Whatsapp zurückkehrt, nimmst Du dein Handy und schreibst: „Ich muss Dir was sagen. Es tut mir total weh wenn ich sehe dass Du mit wem anderen so viel chattest. Ich denke dann immer dass Du einer anderen Frau ganz tolle liebevolle Sachen mitteilst. Und dass ich nur ein Notnagel für Dich bin.“

Du schluckst. Atmest durch. Und, nachdem die Schleusentore nun einmal geöffnet sind, schreibst Du weiter. Von Deinen Gefühlen, Ängsten und Sorgen. Deiner Traurigkeit. Deinen Zweifeln an Dir selbst. Obwohl Du genau weisst, dass O. nichts anderes als einen Angriff sehen wird in dem, was Du verfasst hast. Und genauso ist es auch. Als Du gegen 5h morgens aus unruhigem Schlaf hochschreckst und aufs Handy schaust, siehst Du, dass O. Deine Nachrichten gelesen hat. Geantwortet hat er jedoch nicht. „Guten Morgen!“ tippst Du beklommen. „Es war bestimmt alles total dumm was ich vor ein paar Stunden geschrieben hab. Sorry!“ – „Was soll ich da drauf noch antworten?!?!?!“ schreibt O. „Ich weiss es nicht“ tippst Du. „Schreibst Du denn manchmal einer anderen Frau? Zum Beispiel gestern spätabends? Das ist doch eine ganz einfache Frage, oder? Mit einer ehrlichen Antwort könntest Du all meine Zweifel aus der Welt schaffen!“ Du wartest. Dann antwortet O. „Ganz ehrlich“ schreibt er. „Das geht dich NICHTS an!!!!“

„Und wenn dir das nicht passt“ schiebt er nach einigen Minuten hinterher, „dann brauchst auch keine Bilder mehr schicken! Hab eh vollauf genug davon!!!“ – „Das wollte ich jetzt auch nicht mehr!“ tippst Du, bevor imaginäre, gefühlte Dunkelheit über Dir zusammenschlägt. „Alles Liebe für den Tag!“ schaffst Du noch zu tippen. Um wenigstens einen Rest Coolness für Dich zu retten. Dann beeilst Du Dich, Whatsapp zu verlassen. Schiebst das Handy unter Deine Bettdecke. Verkriechst Dich in Deine Kissen. Möchtest versuchen, noch ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor es an der Zeit ist, Deinen Sohn zu wecken. Und diesen neuerlichen Beweis von O.s tausendfach stärker gewordener Liebe erstmal verkraften. Da piept das Handy erneut. „Schick mir sofort Bilder du Schlampe!“ schreibt O. „Ich bin gerade total geil und brauche das jetzt!!!!“ – „Ich hab keine neuen“ antwortest Du. „Dann geh ins Bad und mach welche!!!“ schreibt O. „Beeil dich!!! Du weisst hoffentlich was für dich auf dem Spiel steht!!!“

Nachdem Du, gehorsames Mädchen, das Du bist, im Licht der Morgendämmerung einige verschwommene Badezimmer-Selfies von deinem unausgeschlafenen Gesicht und Deinem bettwarmen Körper für O. gemacht und ihm geschickt hast, herrscht zunächst vollkommenes Schweigen. Erst gegen 10h, als Du Dich einigermassen im Tag zurecht gefunden hast und mit einer Tasse Tee am Küchentisch sitzst, piept Dein Handy erneut. „Danke für die geilen Bilder!“ schreibt O. „Bin super gekommen!!!!“ – „Das freut mich!“ antwortest Du. „Du bist einfach die geilste aller geilen Ladies!“ schreibt O.  „Und du bist auch nach wie vor die Einzige … Ich schreibe nur abends einer Mitpatientin von der Lolo! Sie hat sich mit ihr während der Chemotherapie angefreundet und ist ab und zu bei uns auf Besuch“ – „Schon gut!“ antwortest Du. Beschämt. Und gleichzeitig erleichtert. „Aber es ist total abgefahren … “ tippt O. weiter. „Sie hat auch einen Freund … Aber stell dir vor … sie will was von mir …“ Du erstarrst innerlich zu Eis.

„Da heisst es immer die Typen wären so schlimm“ schreibt O. und Du kannst fühlen, wie sehr er es geniesst, Dir diese Worte ins Handy zu träufeln. „Aber Junge Junge! DIE hat mir schon Angebote gemacht!!!“ – „Ist sie in Dich verknallt?“ fragst Du. Alarmiert. Krampfhaft bemüht, ruhig zu erscheinen. „Ich glaube ein bisschen“ antwortet O. „Mit ihrem Freund scheint es nicht so gut zu laufen! Und ich denke mir das sie wohl auch Bestätigung braucht. Sie möchte das ich sie unbedingt mal alleine am See draussen besuche! Und sie würde total gerne mit mir knuddeln und knutschen!“ Du ringst nach Luft. „Willst Foto von ihr haben?“ schreibt O. „Ok“ tippst Du mühsam und kneifst unwillkürlich die Augen zu. Als Du sie wieder aufreisst, erblickst Du im Display Deines Handys das Bild einer schlanken, etwa 50jährigen Frau mit sehr kurzen, grauen Haaren. Sie trägt grosse, eindrucksvoll schimmernde Perlohrhänger und lächelt schelmisch aus hellen, blauen Augen in die Handykamera ihres Gegenübers.

Gekleidet ist diese Frau, die ihre Chemofrisur trotzig und stolz dem Licht der Frühlingssonne darbietet, in eine zart gemusterte, langärmlige Bluse und eine hellbeige Trekkinghose. Sie sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem Steinmäuerchen. Und hat sich zum Schutz vor Kälte, eine dunkelblaue Steppdaunenjacke untergelegt. Eine dunkelblaue Herrendaunenjacke, die Dir nur allzu bekannt vorkommt. „Kein Zweifel“ denkst Du, nachdem Du das Bild hektisch gepincht und gezoomt hast. Das ist die tintenblaue Steppjacke von O. Die er trug, als er Dich zuletzt besuchte. Um Dich herum scheint sich alles zu drehen. Unter Deinem Solarplexus beginnt etwas zu zucken. Mit allergrösster Mühe kämpfst Du das Gefühl nieder, zur Toilette rennen und Dich im Schwall übergeben zu müssen. Minutenlang sitzst du mit tränenden Augen am Küchentisch. „Und, magst Du mit ihr kuscheln?“ tippst Du, nachdem Du Dich ein wenig beruhigt hast. „Ich weiss es nicht!“ antwortet O. „Aber natürlich … es wäre für mich …“

„Tja, es wäre auch für mich nochmal ne Bestätigung!!! Und du weisst ja selber am besten wie gern man das ab und zu hat!“ – „Würdest Du mit ihr dann länger als nur so 20 Minuten zusammen sein?“ tippst Du mit angehaltenem Atem. „Paar Stunden oder über Nacht?“ – „Paar Stunden!“ antwortet O. „Wegen 20 Minuten über die Autobahn raus zum See würd sich nicht lohnen. Und sie will ja auch nicht sofort kuscheln. Sondern auch reden und mit mir zusammen sein!“ – „Könntest Du zu ihr besser zärtlich sein als zu mir?“ tippst Du, während Du fühlst, dass die Nausea zurückkehrt. „Ja!“ antwortet O. „Du bist meine Schlampe!!!“ -„Und das bedeutet?“ tippst Du. „Das was es halt bedeutet!“ antwortet O. „Härtere Sachen. Schlagen. Gleich wieder gehen. Meinen Trieb befriedigen. Mich an dir aufgeilen. All sowas.“ – „Und Zärtlichkeit lebst Du mit anderen?“ tippst Du. „Wer weiss wie das bei ihr wird?“ schreibt O. „Vielleicht braucht sie es mal in den Arm genommen zu werden. Oder das Gefühl das sie noch begehrenswert ist!“

„Ich glaube die will gar nicht ficken. Nur mal wieder Geborgenheit und Zärtlichkeit. Und ich gebe ihr das gerne denn sie stirbt vielleicht!!! Heilungschancen sind sehr schlecht bei ihr!“ – „Oje“ tippst Du mit der rechten Hand ins Handy während Du Dir mit der linken Mund und Nase zuhältst. „Ich denke das ich ihr gut gefalle!“ schreibt O. derweil eifrig weiter. „Sie mag meine Augen und meine Art! Und ich möchte ihr gerne ein bisschen helfen! Denn ich bin zwar nicht in sie verliebt aber sie tut mir sehr sehr leid! So ein lebensfroher Mensch und dann diese Scheiss Krankheit!“ – „Ok“ antwortest Du. „Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Offenheit!“ – „Und ich dafür das du bei mir bleibst!“ schreibt O. „Denn ich brauche dich! Und deinen Körper! Deine Geilheit! Deine Art wie du fickst! Alles an dir ist einfach perfekt zum aufgeilen! Du bist eine Sexgöttin!!!“ – „Ich kann gar nicht anders als bei Dir zu bleiben!“ antwortest Du. Dann stehst Du auf und rennst zum Besucher-WC im Vorraum deines Hauses.

Du kniest Dich vor die Toilettenschüssel. Umklammerst sie mit beiden Armen. Und würgst alles, was Du in Dir hast, aus Dir heraus. All deine Gefühle für O. Mit jedem Schwall Frühstückstee, der deinen Magen durch Mund und Nase verlässt, empfindest Du weniger und weniger für ihn. Dein Körper zuckt. Tränen und Spuckefäden rinnen Dir übers Gesicht. Aber nachdem Du Dich vollkommen leer gekotzt hast geht es Dir besser. Du rappelst Dich hoch und weisst: Deine Passion für O. ist mit dem heutigen Tag vorbei. Du hasst O. ab jetzt. Er soll mit seinem SUV an einer Mauer zerschellen, wenn er zum See fährt um die krebskranke Frau zu besuchen. Und sie. Diese Frau. Sie soll auch sterben. Sechs Wochen, nachdem O. Dich in seinem Haus nahezu krankenhausreif schlug und heute von seinem Mitleid für diese Frau schrieb, empfindest Du so. Wann, fragst Du Dich den ganzen Nachmittag über, WANN hatte O. jemals Mitleid mit DIR???? Am Abend nimmst Du dein Handy. Lächelst. Und blockst. Blockierst die tausendfach stärker gewordene Liebe von O.

 

 

Confessions

Erleichtert. Dankbar. Zutiefst erschöpft. So verbringst Du den restlichen Tag nach Deiner wagemutigen, ja, eigentlich wahnwitzigen Kontaktaufnahme mit O. NICHT abgelehnt, zurückgewiesen und ignoriert. NICHT aufs Neue beleidigt. Stattdessen sehnsuchtsvoll erhofft. Von einem O., der Fehler eingesteht. Der Ängste formuliert und Gefühle zeigt. Der seine innere Brüchigkeit nicht mehr kaschiert. Sondern sie, im Gegenteil, radikal ehrlich, fast schonungslos selbstentblößend offenlegt. Anders, ganz anders als das narzisstische Lehrbuch es hätte erwarten lassen. Anders auch, als Dein Freund, der Suchtberater es prophezeihte. Das ist viel mehr als Du erwarten konntest. Und es berührt Dich auch zutiefst. Zu erfahren, dass O. sich Sorgen um Dich machte. Dass er Deinetwegen litt. Dies stellt, seltsamerweise, das was Du selber durchgemacht hast, vollkommen in den Schatten. Läßt es irrelevant erscheinen. Du fühlst keinen Schmerz mehr in Dir. Nur noch überbordende Liebe zu O.

Kurz vor dem Ende dieses Tages, als Dein Mann und Dein Sohn längst schlafen und Du, wie so oft, noch ein wenig in der Küche sitzst, piept Dein Handy mit dem Klingelton von O. „Babe ich bin überglücklich das du dich wieder bei mir gemeldet hast!!!“ textet er. „Aber was hättest du eigentlich gemacht wenn ich dich nicht mehr gewollt hätte?“ – „Davor hatte ich grosse Angst“ antwortest Du. „Ich hätte jedoch versucht mich damit abzufinden.“ – „Das hättest du nicht geschafft!“ schreibt O. „Es geht mir jedenfalls sehr schlecht ohne Dich und ohne Verbindung zu Dir“ antwortest Du. „Das ist bei mir genauso“ schreibt O. „Und deshalb wäre ich wohl in den nächsten Wochen mal zu dir gekommen und hätte in Arbeitskleidung geläutet um nachzufragen ob ich die Hecke wieder schneiden soll. Das wäre dann hoffentlich nicht schlimm gewesen auch wenn dein Mann oder dein Sohn geöffnet hätte!!! Hätte gesagt das ich eine neue Handynummer habe!!!“ – „Das hätte ich nie zu hoffen gewagt dass Du so etwas machst!“ antwortest Du.

„Hätte ich ganz sicher gemacht“ schreibt O. „Hab ja alles von dir gelöscht. Aber dann nach ein paar Tagen gemerkt wie sehr du mir fehlst! Und auch wenn ich dabei erschrocken bin … wie geil ich es fand dich so heftig zu schlagen und dir die Strumpfhose runterzureissen! Nachdem du weg warst hab ich ein paar Tage gebraucht um von diesem Adrenalinrausch wieder nüchtern zu werden. Es war extrem heftig für uns beide!!! Aber als ich wieder klar denken konnte hat sich zu dieser Angst in mir und diesem schlechten Gewissen dir gegenüber diese unglaublich starke Liebe für dich in mir ausgebreitet!!!! Ich habe dich vom ersten Augenblick an in mein Herz geschlossen und dich auch geliebt!!! Aber seit diesem Abend ist meine Liebe tausendfach stärker geworden!!!“ – „Und wenn es nicht so schmerzhaft für dich wäre“ fügt er fieberhaft hinzu, „und ich mich nicht so dafür schämen würde dann würde ich dich am liebsten öfter so übel schlagen und erniedrigen!!!“ – „Du brauchst Dich dafür nicht zu schämen“ antwortest Du.

„“Oh doch!!! Ich schäme mich sogar sehr für das was ich dir angetan habe!!!“ eifert O. während das Smartphone in Deiner Hand zittert und eine Art inneres Vibrieren von deinem ganzen Körper Besitz ergreift. „Denn du hättest ja auch schlimmer verletzt werden können!!! Umso unbegreiflicher ist es deshalb für mich das du mir verziehen hast – UND das ich es wieder tun möchte!!!“ – „Vielleicht ist das gar nicht so unbegreiflich“ antwortest Du. „Vielleicht lieben wir uns einfach nur auf eine sehr besondere Weise? Ich war am Tag nach unserer Begegnung total kaputt, absolut alles tat mir weh. Aber stell Dir vor, ein Teil von mir hat sich gedacht: hoffentlich dauert es lang bis alles verheilt ist denn die Schmerzen sind mein letztes Souvenir von Dir!“ – „Du bist so eine unglaubliche Frau!!!“ textet O. „Ich glaube wenn wir zwei ein richtiges Paar wären dann würde es ganz schön abgehen!!!“ – „Das stimmt“ antwortest Du und kicherst ein wenig in Dich hinein während neue Bekenntnisse von O. dein Handy fluten.

„Ich war wie in Trance als du bei mir warst!!!“ schreibt er. „So etwas Heftiges und Geiles wie an diesem Abend habe ich noch nie zuvor erlebt!!!“ – „Es war wie ein düsterer Traum“ sekundierst Du. „Ja!!!“ schreibt O. „Seit diesem Abend weiss ich das wir uns gegenseitig brauchen!!! Deshalb werde ich dich jetzt nicht mehr so vernachlässigen!!! Werde öfter zu dir kommen! Und im Sommer geht die Lolo ja für drei Wochen auf Kur. Dann kannst du mich besuchen!!!“ – „Hoffentlich geht es aufwärts mit ihr!!!“ tippst Du. „In meinem Kopf spielt dauernd dieser Film“ schreibt O. „Welcher Film?“ fragst Du. Erwartungsvoll. Geflutet von romantischen Phantasien. „Das du bei mir bist und ich dir Schmerzen zufüge!!!“ schreibt O. „Natürlich nicht so heftig wie an diesem Abend!!! Ich werde aufpassen das es nicht zu schlimm für dich wird!!! Aber ich brauche es dieses unglaubliche Machtgefühl über Dich noch einmal zu erleben!!!“ – „Der Suchtberater hatte recht!“ denkst Du während Du mit verschleiertem Blick aufs Handy schaust.

„Und ich möchte dir noch einen Vorschlag machen“ schreibt O. „Was denn?“ tippst Du. „Du bekommst von mir als Entschuldigung 100.- Euro!“ schreibt O. „Und davon bestellst du dir dann wieder sexy Anziehsachen ok?“- „Ok“ tippst Du. „Ich möchte das du jetzt wieder so richtig meine Schlampe bist mit allem was dazu gehört!!!“ schreibt O. „Und ich brauche es so dermassen dich sexy gekleidet auf Bildern zu sehen! Deine Bilder sind ein Lebenselixir für mich!!! Ich könnte ohne dich und deine Bilder nicht mehr sein!!!“ Die Worte auf dem Display deines Handys scheinen wie von weit her zu Dir zu dringen. 100.- Euro Schmerzensgeld? 100.- Euro für mittelschwere Körperverletzung? 100.- Euro Nuttenlohn? „Wie schäbig ist das denn?“ denkst Du. Aber bevor Dein Inneres beginnt, gegen O.s Ansinnen zu rebellieren, tippt er weiter. Dass er es kaum erwarten kann, Dich bald, ganz bald, nächste Woche zu treffen und dass er sehr zärtlich zu Dir sein wird. Und Du spürst: O. KANN nicht anders als so zu handeln, wie er es tut.

Du schläfst tief und traumlos in der Nacht nach diesem Chat. Obwohl Dir klar ist, dass O.s romantisch erscheinendes Vorhaben, im Gärtner-Outfit an deiner Haustür zu klingeln, nichts weiter als das Musterbeispiel einer schulbuchmässig ausgeführten Hoover-Attacke gewesen wäre. Obwohl Du wahrnehmen kannst, dass die von O. so intensiv beschworenen Gefühle Dir gegenüber weit entfernt sind von dem, was man im landläufigen Sinne versteht unter echtem Bedauern, Reue, Mitleid, Scham oder dem Eingeständnis von Schuld. Obwohl ganz offensichtlich ein Diskurs von Hörigkeit und Macht, von Aneignung und Gewalt geführt wird – anstatt einer Sprache der Liebe. Was Dich anfasst und bewegt ist die fast kindhafte Offenheit, mit der O. zu dieser Stunde Einblick in sein inneres Funktionieren gibt – rührend naiv, vertrauensvoll und unverstellt. So kommt es Dir jedenfalls vor. So bindet es Dich. So weckt es Deinen Beschützerinstinkt, Deinen Mutter-Reflex. So schläfert es Deine Selbstverteidigungsimpulse ein …

Natürlich muss es ein Versöhnungsdate geben für Dich und O. Ein Date mit wundervollem, atemraubendem Sex. Nichts scheint O. auf der Welt dringender zu brauchen. Tagelang wird Dein Handy mit kurzfristigen Anfragen, Terminvorschlägen, Ideen, Fantasien, neuen Fragen, neuen Ideen und neuen Fantasien bombardiert. „Was machst du heute vormittag? Vielleicht könnte ich kommen!! Aber leider nur ganz kurz!“ „Ich brauche es soooo sehr dich bald zu spüren!!! Könntest du am Sonntag ganz früh rauskommen wenn’s noch dunkel ist? Und was ziehst du dann an?“ „Magst du vielleicht mal versuchen mir mit Hautöl einen runter zu holen?“ „Oh Babe, ich bitte dich, leck mich in die Glückseligkeit wenn wir uns wiedersehen!!!“ „Ich versuche nachher gegen 10 Uhr bei dir zu sein! Kann es aber nicht versprechen!“ „Magst du mir bitte noch eine schöne Sprachnachricht schicken?“ „Ich weiss jetzt das du für mich bestimmt bist!!! Nächste Woche komme ich zu dir! Am Dienstag werde ich dich ganz zärtlich berühren!!! Ich liebe dich!!!“

Der 15. März 2016 dämmert herauf. Der Termin Deines avisierten Wiedersehens mit O. Wie so oft an solchen Tagen erwachst Du früh. Und spürst: der Hype ist vorbei. Etwas Anderes hat begonnen. „Guten Morgen meine Sklavin!“ schreibt O. um 6.46h. „Wie geht es dir?“ – „Guten Morgen mein Gebieter!“ antwortest Du. „Ich lieg schon lange wach und denk an Deine Hände!“ – „Du willst mich, stimmts?“ schreibt O. „Ja!“ antwortest Du. „Du willst mich mehr als alles andere, stimmts?“ schreibt O. „Ja!“ antwortest Du. „Ich habe ehrlich gesagt Angst davor dich wiederzusehen!“ schreibt O. nach einer kleinen Pause. „Ein wenig Angst habe ich auch!“ antwortest Du. „Aber mein Wunsch Dich zu sehen ist grösser als meine Angst!!“ – „Vielleicht sollten wir noch warten!“ bemerkt O. Kühl. Irgendwie lauernd. Dein Herz pocht. „Ich habe Angst das ich dich wieder schlagen möchte und das ich nichts mehr für dich empfinde!“ schreibt O. „Aber du hast heute doch keinen Grund mich zu schlagen!“ wendest Du ein. „Genau davor habe ich ja Angst“ schreibt O. „Das ich keinen Grund mehr dazu brauche!!!“

„Ich glaube nicht dass es so schlimm ist“ tippst Du nach einer Schockpause. „Bitte besuche mich! Ich könnte Dir doch wirklich einfach nur meine Schuhe zeigen! Es sind so viele die Du noch nie gesehen hast!“ O. schweigt. „Bitte lass es uns versuchen!“ tippst Du mit wachsender Verzweiflung. „Ich weiss einfach nicht was ich machen soll!“ schreibt O. „Ich verstehe Dich!“ antwortest Du. „Aber ich könnte Dir ja einfach nur die Tür aufmachen damit wir uns kurz sehen! Und vielleicht magst Du mir ein Hemd mitbringen?“ – „Ich weiss es nicht“ schreibt O. Du resignierst. „Ich bin sehr beeindruckt von Deiner Ehrlichkeit“ schreibst Du dann, um dem Chat eine Art friedfertigen Abschluss zu geben. Fest entschlossen, Deine schwere Enttäuschung diesmal ganz mit Dir alleine abzumachen. Da meldet O. sich erneut. „Es tut mir leid! Ich liebe dich sehr!“ schreibt er. „Aber ich befürchte ich habe mit dem Schlagen eine Grenze überschritten!!!“ – „Wir haben die zusammen überschritten“ antwortest Du. „Und nun?“

„Ich weiss es einfach nicht!“ schreibt O. „Wie lang bist du heute allein zu Hause?“ – „Bis spätnachmittags“ antwortest Du. „Hast du was Weisses zum Anziehen?“ fragt O. „Etwas das sexy ist?“ – „Ich hätte eine schrittoffene weisse Netzstrumpfhose“ schreibst Du. „Perfekt Babe!“ antwortet O. „Zieh sie an und schick mir ein Video von dir!!! Jetzt gleich!“ – „Das kann ich aber jetzt innerlich grade nicht so gut“ antwortest Du. „Und im Moment zittern  meine Hände auch sehr!“ – „Mach!!!“ schreibt O. „Mach es jetzt!!!“ Woher Du die Energie nimmst, weisst Du nicht. Aber irgendwie schaffst Du es, Deine Kreislaufschwäche zu überwinden, im Eiltempo zu duschen, eine antrazithfarbige Tagesdecke über dem Doppelbett in Deinem Schlafzimmer auszubreiten und Dich selbst in erotischer Pose darauf zu filmen. In strahlend weisser Netzstrumpfhose und signalroten Highheels. Es wird sogar eines der besten Videos, die Du bisher für O. gemacht hast. „Geil“ schreibt er, als Du es ihm um 9.34h schickst. „Echt geil!“

„Kommst Du mich jetzt dann vielleicht besuchen?“ tippst Du hoffnungsvoll. „Nein“ antwortet O. „Ok“ schreibst Du. „Dann sag mir bitte nur Eins. Es ist wichtig für mich. Wenn Du mich siehst auf dem Video – hast Du dann immer noch den Wunsch mich zu schlagen?“ -„Ja!!!“ antwortet O. „Und ich würde dich ehrlich gesagt gerne wo festbinden und dazu zwingen das du starken Alkohol trinkst!!!“ – „Ups“ schreibst Du. „Vielleicht wehrst du dich dadurch dann mehr gegen das was ich mit dir mache!!!“ fiebert O. „Vielleicht würdest du versuchen auch mich zu schlagen! Oder du kotzt! Wer weiss was alles passieren würde!!! Ich habe Angst das ich komplett ausraste! Denn diese Phantasien machen mich unglaublich geil!!“ – „Löse nur ich solche Gefühle bei Dir aus?“ tippst Du. „Ja! Nur du!!“ schreibt O. „Was an mir?“ tippst Du. „Kann ich nicht sagen!“ antwortet O. „Du bist einfach der Wahnsinn für mich! Leider kann ich gerade nicht weg! Eine Mitpatientin von der Lolo kommt zu Besuch!!! Sonst würde ich zu dir kommen!!!“

„Schon ok!“ antwortest Du. „Es ist sehr wichtig was du mir gerade geschrieben hast. Vielleicht wichtiger als sich zu sehen!“ – „Und das Wetter ist leider auch so schlecht!“ schreibt O. „Sonst hättest du kurz zum Park kommen können und ich hätte dir die Hemden von mir gegeben!“ – „Es ist alles gut jetzt“ antwortest Du. „Ich ziehe mich jetzt um. Vielen Dank dass Du so offen zu mir warst!“ Du erhebst Dich vom Bett. Da piept Dein Handy erneut. „Ich hätte dir wenigstens gerne die Hemden gegeben!“ schreibt O. „Das kannst Du ja irgendwann noch machen“ antwortest Du. „In ein paar Wochen ist Frühling!“ – „Würdest du die Hemden abholen?“ schreibt O. „Beim Park? Klar!“ antwortest Du. „Du würdest wirklich fast alles für mich tun oder?“ fragt O. „Ja, O. Das würde ich!“ antwortest Du. „Denn ich liebe Dich. Soll ich zum Park kommen?“ – „Nein!“ schreibt O. „Ich fahre jetzt zum Bio-Supermarkt. Behalte die Strumpfhose an!!! Ich komme kurz zu dir und bringe die Hemden. Kann aber nicht bleiben!“ – „Ok“ schreibst Du.

Etwa eine halbe Stunde lang sitzst Du einfach nur mit nacktem Oberkörper und übereinander geschlagenen Beinen auf dem Vintage-Stuhl in der Küche Deines Hauses und starrst hinaus in das Schneetreiben vor dem Fenster. Versuchst, Dir einen O. vorzustellen, der im Naturkostladen einkauft. Einen O., der sich ritterlich um zwei von Chemotherapie gezeichnete Frauen kümmert, die in seinem Domizil zusammen Kaffee trinken. Das alles sind neue Aspekte für Dich. Leider ertappst Du Dich selbst beim Gefühl einer tiefen Eifersucht gegenüber dieser anderen Brustkrebs-Betroffenen, die einfach so, als Gast, im Haus mit den vielen Bildern zu Besuch sein kann. Dort, wo Du geschlagen wurdest. Und nur als Sex-Arbeiterin geduldet bist. Du schämst Dich sehr für diese Gefühle. Aber beiseite wischen kannst Du sie nicht. Dann, um 12.02h, klingelt es an Deiner Haustür. Als Du öffnest, steht O. in einer dunkelblauen Daunenjacke vor Dir und blickt Dich koboldhaft aus seinen schwarz umrandeten Augen an. Und alle Dinge nehmen ihren Lauf.

 

 

The Starry, Starry Nights

Mit dem Verklingen der festlichen Lieder am Ende der Weihnachtsfeiertage 2015 ist O. plötzlich wieder ANDERS. Nicht mehr eingemauert, unerreichbar und kalt so wie in den finsteren Stunden des Advent. Sondern offen und voller Berührbarkeit. Jedenfalls kommt es Dir so vor, als Du am 26.12. um 9h Dein Handy einschaltest und siehst, dass O. Dir um 5.34h schrieb. „Guten Morgen mein süßer Schatz!!!“ textete er. „Ich habe sehr starke Sehnsucht nach dir und bin sehr froh wenn wir uns wiedersehen!!!“ – „Oh Liebster!!! Es geht mir ganz genauso!!!“ schreibst Du dankbar zurück und eilst ins Badezimmer um Bilder von Deiner nackten Brust zu machen. „Ich bin so froh wenn die Ferien vorbei sind und ich Dir endlich wieder richtig dienen kann!“ Dass Du in diesem Moment Deinen Mann, Deinen Sohn und grosse Teile Deiner eigenen inneren Wertordnung verrätst, stört Dich nicht. Ebensowenig wie die Tatsache, dass O. Dir nichts erwidert. Das Glücksversprechen seiner Worte trägt Dich durch den ganzen langen Wintertag.

In der folgenden Nacht hält ein nahezu kristallin scheinender Sternenhimmel Dich davon ab, schlafen zu gehen. Stunde um Stunde bleibst Du im Wohnzimmer sitzen, hütest das Kaminofenfeuer und verlierst Dich im Anblick der glitzernden Asteroiden am mondhellen Firmament über Deinem Haus. Um 3.32h nimmst Du schließlich Dein Handy, öffnest Deine Chats mit O. und schreibst: „Guten Morgen! Ich bin gerade wach und denke an Dich. Es sind wunder- wunderschöne sternklare Vollmondnächte im Moment und ich würde mich so gerne mit Dir treffen!“ – „Ich weiss dass es nicht geht“ fügst Du nach einer kleinen Pause hinzu. „Aber Du sollst wissen dass ich es mir wünsche!“ Dann kuschelst Du Dich unter der Patchworkdecke auf der Couch zurecht. Gerade als Du dabei bist, Dich doch noch in einen leichten Dämmerzustand gleiten zu lassen, vibriert das leise gestellte Smartphone in Deiner Hand. „Guten Morgen Babe!“ schreibt O. „Weisst du wie du mich glücklich machen könntest?“ – „Wie denn?“ fragst Du erwartungsvoll.

„Du könntest dir im Internet eine enge Leggings aus schwarzem Lederimitatstoff bestellen!!!“ schreibt O.  „Eine die glänzt und schimmert!!! Am Besten gleich mehrere denn ich werde sie dir dann im Schritt aufschneiden!!! Würdest du das für mich tun?“ – „Na klar“ antwortest Du. „Ich mach mir nur Sorgen dass die dann gar nicht so toll an mir ausschaut!“ – „Babe, sie wird absolut perfekt an dir aussehen!“ schreibt O. „Du hast nen hammergeilen Körper und ich kann es kaum erwarten Sie an dir zu sehen!!!“ – „Dann mache ich das nachher“ antwortest Du. „Und sobald sie hier ist schreib ich es Dir und versuche auch Bilder zu machen, ok?“ – „Babe ich liebe dich!!!“ textet O. voller Leidenschaft. „Bitte bestelle sie!!! Ich gebe dir auch ganz sicher das Geld dafür!!! Wenn du willst dann gleich morgen!!!“ – „So eilig ist es jetzt nicht“ antwortest Du. „Dann gebe ich es dir gleich nach den Ferien!!!“ schreibt O. Eifrig. Voller Überschwang. „Ich bin gerade sehr glücklich!!! Davon träume ich schon  seit ewigen Zeiten!!! Danke!!!“

„Süsser!“ schreibst Du. „Ich wusste ja gar nicht dass Du da so drauf stehst! Ich dachte immer Catsuits sind das Heisseste für Dich!“ – „Mir hat das schon immer sehr gut gefallen – enge Hose und Highheels!!!“ antwortet O.  „Catsuits und Strümpfe bleiben natürlich meine Lieblingssachen!!!! Ich habe aber auch das mit dem Jeans-Aufreissen bei dir extrem geil gefunden!!! Es ist einfach unbeschreiblich für mich dass ich nun alle meine Wünsche von dir erfüllt bekomme!!!“ – „Ich liebe es Sachen für Dich anzuziehen und Bilder davon zu machen und zu hoffen dass es Dir gefällt!“ antwortest Du. „Jedes Bild von dir gefällt mir!!!“ fabuliert O. „Du bist wunderschön und unbeschreiblich erotisch!!! Noch nie hat eine Frau mich so erregt und glücklich gemacht wie du!!! Ich würde dir sehr gerne wieder was schenken. Hast du einen Wunsch? Dann gebe ich dir das Geld dafür!!!“ Du überlegst. Draußen scheint ein Schwarm flimmernder Sternschnuppen über den Nachthimmel zu gleiten. „Mein größtes Geschenk ist dass es Dich gibt“ antwortest Du dann.

Nachdem Euer Chat beendet und die arktische Sternennacht einem trüben Altjahresmorgen gewichen ist, begleitet ein Gefühl der Benommenheit Dich durch den ganzen restlichen Tag. O.s überbordende Begeisterung für Dich und alles was Du tust, kam genauso unvermutet und abrupt wie sein kaltes Schweigen in der Zeit davor. Und hinterlässt in Dir deshalb vor allem: Schock. Verwirrung. Unsicherheit. Und Angst, die neu erworbene Zuneigung gleich wieder zu verlieren. Deshalb wendest Du besonders viel Sorgfalt auf, die Online-Shops im Internet mit Deinem Smartphone nach schwarz glänzenden Leggings zu durchstöbern. Du suchst und sichtest. Wischst und zoomst. Bemühst Dich, Stoffbeschaffenheiten und Texturen zu erkennen. Bis Deine Augen schmerzen. Gelangst endlich, als es draußen bereits dunkelt, zu einer Kaufentscheidung. Schließt den elektronischen Bestellvorgang ab. Atmest auf. Hältst inne. Informierst O. Glücklich. Stolz. „Leggings geordert!“ Jedoch. Leider. O. antwortet nicht. O. schweigt.

Erst spätnachmittags am 30.12.2015 hörst Du wieder von O. „Ich liebe dich. Schick mir Bilder!!!“ schreibt er während Du gerade mit Deinem Mann und Deinem Sohn bei Tee und Lebkuchen zusammen in der Küche sitzst. „Ich konnte keine neuen machen!“ tippst Du mit dem Handy unter dem Tisch. „Dann schick mir alte!!!!“ schreibt O. „Irgendwelche!!! Ich brauche das jetzt!!!“ – „War heute Chemo?“ fragst Du ahnend. „Ja!!!“ antwortet O. „Und der Lolo geht’s schon wieder so schlecht dass sie morgen ne Bluttransfusion bekommt!!!“ – „Oh nein!“ schreibst Du, bemüht, Deine Bestürzung vor Deinem Mann und Deinem Sohn zu verbergen. „Ist super scheisse!“ schreibt O. „Und jetzt schick mir endlich Fotos. Ich will gleich noch wichsen und sie mir dabei anschauen!!!!“ Du zögerst. Denn Du würdest O. so gern auf andere Art helfen. Aber Du weisst dass das nicht geht. Also tust Du was er verlangt. Schickst Bilder von Deinem Körper in der zerrissenen Jeans. „Danke!!! Du bist einfach megageil!!!!“ schreibt O. nachdem er sie bekommen hat.

Am 2. Januar 2016 kommen die von O. so sehr ersehnten Leggings mit der Post bei Dir zu Hause an. Und O. ist vollkommen elektrisiert, als er erfährt, dass Du das Paket erfolgreich abgefangen hast. „Babe!!!“ schreibt er und hängt seiner Nachricht vier flehende Whatsapp-Hände an, „BITTE pack sie aus und zieh sie an!!! – „Ich bin nicht allein zu Hause!“ antwortest Du. „Bitte versuche es trotzdem!!!“ schreibt O. „Ich muss dich unbedingt in dieser Hose sehen!!!“ – „Ok“ antwortest Du, eilst ins Schlafzimmer, holst die schwarzen Peeptoes aus ihrem Versteck, hastest ins Badezimmer, sperrst Dich ein, zerrst Dir die Alltagskleider vom Körper, schneidest das Päckchen mit der Nagelschere auf, reisst die Leggings heraus, schlüpfst hinein, steigst in die Highheels, nimmst das Smartphone und machst Bilder, Bilder, Bilder für O. Rittlings auf dem Rand der Badewanne sitzend. In Hockstellung auf dem dunklen Fliesenboden. Lasziv an die Duschkabine gelehnt. Bis Dein Sohn an die Tür klopft und fragt ob alles ok ist im Bad …

„Ja, mein Zarewitsch!!!“ flötest Du nach draußen. Dann nimmst Du Dein Smartphone und schreibst: „Ich hab die Leggings jetzt fotografiert! Ich schick die Bilder, ok?“ – „Nein!!!“ antwortet O. „Ich möchte dich das erste Mal live in den Sachen sehen!!! KEIN Foto jetzt!!!“ – „Aber es war Dir doch so wichtig!!“ protestierst Du fassungslos während alle Energie aus Deinem Körper weicht. „Das war ein Test!!!“ antwortet O. Kalt. Unerbittlich. Vollkommen kontrolliert. „Ich wollte wissen ob du mir noch gehorchst!!!“ – “ Und? Weisst Du es jetzt??“ schreibst Du. „Ja Babe!“ antwortet O. „Wann sind die Ferien vorbei?“ – „Am 8. Januar bin ich wieder alleine hier“ schreibst Du. „Dann komme ich am 8. Januar zu dir!!“ antwortet O. „Gegen 9 Uhr. Würdest du dich dann bitte im Gesicht stark schminken? Mit richtig viel rotem Lippenstift?“ – „Ja ok“ schreibst Du und starrst vor Dich hin. Resigniert. Traurig. Leer. Weil Du plötzlich weisst: Egal, was passiert. Egal, was Du tust. SO werden O.s Spiele mit Dir immer weiter gehen …

Zum Ende der Weihnachtszeit, vom 5. auf den 6. Januar 2016 ereignet sich nochmals eine spektakulär fluoreszierende Winternacht. So erleuchtet, so lukulent, dass man fast glauben könnte, das sagenumwobene Nordlicht zu sehen. Wieder bleibst Du lange wach und beobachtest bizarr geformte Wolkenfelder, die mit rasender Geschwindigkeit über den funkelnden Sternenhimmel treiben. Und tatsächlich schreibt O. Dich in der Morgenfrühe, kurz vor Helligkeitsbeginn an. „Guten Morgen meine Mega sexy Lady!!!“ textet er. „Ich wünsche dir einen wunderschönen Feiertag!!! Ich denke die letzten Tage sehr sehr viel an dich!!! Meine Sehnsucht nach dir wird immer unerträglicher!!! Ich liebe dich!!!“ – „Oh Süsser! Es geht mir ganz genauso!“ schreibst Du beglückt zurück. „Ich freue mich schon so sehr darauf Dir endlich die schwarzen Leggings zu zeigen!“ – „Ich kann es jetzt wirklich kaum mehr erwarten dich darin zu sehen!!!“ antwortet O. „Und ich muss dir ehrlich gestehen dass ich Riesenlust darauf habe dich dann etwas härter ranzunehmen!!!“

„Wow!!“ antwortest Du. „Ich sehne mich so danach Dich zu spüren!“ – „Babe“ textet O. schwelgerisch, „es wird geradezu unglaublich werden wenn du in Highheels und Leggings vor mir stehst!!! Es wird mich wegtragen!!!“ Du antwortest nicht gleich. „Erstmal werde ich dich zärtlich küssen!!!“ schwärmt O. weiter. „Und dann werde ich in die Leggings mit meinem Taschenmesser einen kleinen Schlitz reinmachen bevor ich sie dann aufreisse!!! Das wird der absolute Wahnsinn für mich!!!“ – „Für mich auch!“ antwortest Du. „Babe“, schreibt O. wieder, „ich halte es nicht mehr aus!!! Schick mir bitte sofort die Bilder die du von der Leggings gemacht hast. Ich brauche das jetzt!!!“ – „Ok“ antwortest Du. Dann klickst Du Dich gehorsam in die Galerie von Deinem Smartphone, wählst 22 Bilder aus und sendest sie. „Ursula ich liebe dich!!!“ schreibt O. nach einer kleinen Weile zurück. „Ich hatte nie eine unglaublichere Frau als dich!!! Übermorgen kannst du mich glücklich machen!!!“ – „Das werde ich mein Gebieter!!!“ antwortest Du ….

Insomnia

Nach dem 28. August 2015 vergehen knapp drei schwierige Jahre. Eine Ära des Duldens und Dienens. Äonen, in denen Du gemeinsam mit O. auf den Spuren seiner traumatischen Kindheit wanderst. Die Abgründe seiner verwüsteten Seelenwelt durchschreitest. Verlorensein, Krankheit und Lebensferne mit ihm teilst, trägst,  ja: statt seiner lebst. Dich von ihm belügen, betrügen, vergewaltigen und schlagen läßt. Konfontiert und gedemütigt wirst mit anderen Frauen. Mehrfach. Oft. Immer wieder. Und dennoch festhältst an Deiner Idee von O. als einem sensiblen, gemarterten Traumprinzen, den es zu erlösen gilt. Aus der kalten, dunklen Burg seiner schweren Vergangenheit. Zu der allein Du den magischen Schlüssel finden kannst, wenn Du nur lange genug suchst. Bis Du endlich begreifst, dass es auch Dir, trotz all der vielen Liebe die Du für O. in Dir trägst, nicht gelingen wird, die schwere narzisstische Wunde in seinem Inneren zu heilen. Und Du allmählich beginnst, Dich aus seinem dunklen Kosmos zu lösen.

Der Spätsommer 2015 beschert Dir eine rasche Initiation in die morbide Lebenswirklichkeit von O. Am 31.8. erfährst Du, dass der Brustkrebs seiner Freundin das reine Anfangsstadium bereits verlassen hat. „Heute hat der arzt anrufen!!!“ schreibt O. fühlbar konsterniert um 18.08h. „Lymphknoten sind befallen!!!“ Im anschließenden Chat entwickelt er wilde Verschwörungstheorien über die Ursache von Lolos Erkrankung. Schuld seien vor allem ihre Schwester, die vielen Streitigkeiten wegen des familieneigenen Firmengeflechts, die Sehnsucht nach ihren Neffen und, natürlich, die Ungerechtigkeit des Lebens überhaupt. „Es trifft so oft die Falschen!!!“ schreibt O. „Ich wüßte auf der Stelle mindestens zehn Leute die es verdient hätten!!! Aber sie nicht!! Sie kann einem wirklich leid tun!!!“ Etwaige Anteile seiner selbst oder gar eigene Verhaltensmuster blendet O. bei dieser abenteuerlichen extrinsischen Krankheitsbegründung natürlich konsequent aus. Und Du? Du hütest Dich, dazu etwas zu sagen.

Zwei Wochen später, in den frühen Morgenstunden des 15.9.2015 kommt es zwischen O. und Dir zu einem bahnbrechenden Chat, den Du noch Jahre danach als legendär einstufen wirst. Du erwachst an diesem Tag mit dem zwingenden Gefühl, von O. gebraucht, ja, regelrecht gerufen zu werden. Nachdem Du Dich mit Deinem Handy ins Wohnzimmer geschlichen und auf dem Sofa in eine Wolldecke gehüllt hast, begegnest Du via Whatsapp einem unmaskierten, einem wirklichkeitsnahen O. von luzider Authentizität. „Guten Morgen“ antwortet er, direkt nachdem Du ihn angeschrieben hast. „Auch schon wach?“ – „Ja“ antwortest Du. „Warum? Schlecht geträumt?“ fragt O. „Einfach nur so“ antwortest Du. „Und Du? Konntest Du ein bisschen schlafen?“ – „Leider nicht!“ antwortet O. „Ich habe immer so schlimme Träume!“ – „Oje!“ schreibst Du, während das Gefühl einer eigenartigen Schwere von Dir Besitz ergreift. „Was träumst Du?“ – „Alles mögliche!“ antwortet O. „Aber meistens sind es unangenehme Träume und sie sind sehr intensiv!“

Du erfährst, dass O. sehr oft davon träumt, verfolgt zu werden und flüchten zu müssen. Anscheinend durchstreift er in seinen Parasomnien häufig atomar verwüstete Landstriche. Und wird, als einziger Überlebender der noch wenige Habseligkeiten retten konnte, von obdachlosen Ausgestossenen belästigt und umstellt. Du kannst das Grauen dieser Traumgesichte spüren, als er davon schreibt. Und würdest gerne etwas tun um sie von ihm zu nehmen. „Du Armer. Wann schläfst Du denn überhaupt mal?“ schreibst Du, um von Deiner Hilflosigkeit abzulenken. „Paar Stunden bring ich schon zusammen“ antwortet O. „Und wenn Du wach bist? Was machst Du dann?“ fragst Du weiter. „Bisschen rumräumen, Musik hören, lesen“ antwortet O. „Ok. Ich wollte Dich nicht stören gerade!“ schreibst Du. „Ich bin nur vorhin wach geworden und habe an Dich gedacht!“ – „Das ist sehr lieb von dir Kleine“ antwortet O. „Du störst doch nicht. Hast Du eigentlich im Moment was an oder bist Du nackt?“ – „Ich hab ein T-Shirt an“ antwortest Du.

„Dann streichel doch ein bisschen Deine Brüste!“ schreibt O. „Du weißt ja dass mich das scharf macht!“ – „Ok“ antwortest Du. „Würdest Du mal gerne mit mir kuscheln?“ fragt O. „Oder engumschlungen im Bett mit mir liegen? Oder magst Du sowas gar nicht?“ – „Doch, O.! Zärtlichkeiten mag ich sehr!“ antwortest Du. „Nackt mit Dir unter einer Decke wäre schön! Einfach nur spüren dass Du in der Nähe bist. Das würde mir schon genügen!“ – „Dann lass uns das doch machen!“ schreibt O. „Möchtest Du so etwas denn?“ fragst Du. „Es wäre traumhaft!“ antwortet O. „Mit Dir möchte ich alles!“ – „Wirklich?“ fragst Du ungläubig, nach allem was Du über O. und seine Präferenzen weißt. „Babe“ antwortet O. „Ich kann es zwar selber kaum glauben dass ich mit Dir Dinge machen kann die ich nie für möglich gehalten hätte. Aber es ist so!“ – „Wahrscheinlich ist das so weil ich Dich liebe!“ antwortest Du. „Und weil wir super zusammen passen!“ – „Ja Babe!“ textet O. „Es war absolutes Schiksal dass wir uns begegnet sind.

Bevor Du antworten kannst, schreibt O. weiter. „Ich weiß dass ich Dich oft sehr quäle!“ textet er. „Dabei hättest Du eigentlich nur Gutes verdient!!! Ich weiß dass Du gern kuschelst und es zärtlich magst! Aber ich WILL Dich schlecht behandeln!!“ – „Das ist schon ok“ antwortest Du. „Es ist wirklich einfach unglaublich was ich im sexuellen Bereich alles mit Dir machen kann!!!“ schreibt O. „Nicht nur dass Du mich hinten küßt und Dich anpissen läßt – ich könnte Dich auch schlagen, fesseln, Dir nen Gürtel um den Hals legen und dich damit würgen und hinter mir herziehen!!! Sogar anspucken könnte ich Dich!!!“ – „Das stimmt“ antwortest Du. „Ich kann das aber nur mit Dir. Mit jemand anderem ginge es nicht. Du hast eine so charmante Art all diese Dinge zu machen. Es ist nichts Abstossendes für mich daran – im Gegenteil! Alles was von Dir kommt ist für mich wunderschön und wertvoll!“ Eine Pause entsteht. Das fahle Licht im Raum hellt sich allmählich auf. Die ersten Vogelstimmen erklingen im Garten.

Du aber wirst, ungeachtet des bevorstehenden Tagesanbruchs, jählings von einer fast narkoleptischen Schlafattacke übermannt. Dein Kopf sinkt in den Nacken, das Handy gleitet Dir aus der Hand, unter Deinen flatternden Lidern gewahrst Du Wolkenfetzen, Lichtkegel und das bleiche Gesicht von O. Als sein Nachrichten-Ton Dich aus den Halluzinationen reisst, siehst Du, dass er einen beispiellosen Text verfasst hat. „Du bist schön und gebildet!“ schrieb er, während Du weggedämmert warst. „Bist Mutter eines Sohnes und hältst ein Haus in Schuss! Darum fand ich es so überraschend dass Du all diese Dinge mit Dir machen lässt!!! Ok, wenn Du so eine gammlige Tussi wärst … Aber Du bist auch total gepflegt und feinfühlig! Es ist einfach unfassbar was ich durch Dich erlebe!!! Und was so alles in mir selbst steckt!!! Du hast das in mir erweckt!!! Ich verdanke Dir die aufregendsten körperlichen Erlebnisse in meinem Leben!!!“ – „Ja?“ schreibst Du benommen. „Ich dachte Du hast all sowas schon immer gemacht!“

„Nein!!!“ antwortet O. mit einer Vehemenz, die durch das Handy zu Dir dringt. „Du bist die Erste die mich hinten leckt!! Die Erste die ich anpisse!!! Die Erste die sich dreckiger und strenger behandeln lässt!! Aber Du! Du hast das schon öfter mit anderen Männern gemacht, oder?“ – „Nein!“ antwortest jetzt Du. „Ich kann das nur mit Dir. Aber ich wollte schon als Mädchen immer Sklavin spielen, zusammen mit einem Freund!“ – „Du warst eben schon immer eine geile Sau!“ schreibt O. „Und jetzt erzähl mir wie oft Du Deinen Mann schon betrogen hast!!!“ – „Ich hatte wirklich nicht so viele Männer wie Du denkst!“ antwortest Du. „Bei den meisten hat es schon gereicht was sie Dummes erzählen und dann kam es gar nicht mehr zu einem Date. Du hingegen warst unvergleichlich in Deiner Art mich aufzureißen! Das war damals ein Moment den ich nie vergessen werde. Ich war sofort total hin und weg von Dir!“ – „Babe, ich bin absolut glücklich dass Du mich ein bisschen magst und mir mein Leben so versüsst!“ textet O.

„Ich versuche es so gut ich kann denn ich mag Dich mehr als nur ein bisschen!“ antwortest Du. „Für mich ist es eine Art Märchen was ich mit Dir erlebe. Ich kann manchmal gar nicht glauben dass es wahr ist!“ – „Da geht es mir wie Dir!“ textet O. „Es ist ein Märchen!“ – „Ein dunkles Märchen“ schreibst Du. „Oh ja, ein sehr dunkles!!!“ echot O. Du würdest gerne wissen, ob O. wirklich ahnt, welche archetypischen Feengeschichten er um sich herum lebt und inszeniert. Doch bevor Du ihn dazu etwas fragen kannst, schreibt er erneut. „Das Chatten mit Dir hat mich mal wieder total aufgeheizt! Und darum werde ich es mir jetzt schnell machen und dabei an Dich denken!“ – „Tu das mein geheimnisvoller Prinz“ antwortest Du. „Ich liebe es wenn Du in mich eindringst!“ – „Und ich liebe es wenn ich über Deinem Gesicht knie und Du mich hinten küsst! Ich dabei Deine Muschi und Deine Beine sehe! Und Du Dich selber streichelst und stöhnst!“ antwortet O. Dann fällt die Sonne ins Zimmer. Euer Nacht-Chat ist zu Ende.

Zwei Stunden später aber meldet O. sich nochmals bei Dir. „Welche Schuhgröße hast Du?“ fragt er. „39“ antwortest Du. „Ich habe jetzt Highheels für Dich ausgesucht!“ schreibt O. nach einer kurzen Pause. „Hab fünf Paar bestellt und bezahlt. Ich konnte nicht anders. Hier ist die Tracking-Nummer. Sie kommen zu Dir!!!“ Am 17.9.2015 bekommst Du spätnachmittags tatsächlich ein riesiges Paket. Es enthält Ankle-Boots mit Leopardenmuster und dunkelrotem Stiletto-Absatz. Plateau-Pumps aus schwarzem Lederimitat, mit Nieten auf der Sohle. 14mm hohe Brautschuhe, bezogen mit elfenbeinfarbigem Satin. Hochhakige Peeptoes aus schwarzem Netzstoff, mit Strassperlen am Rand. Und rosé-golden schimmernde Glitzerheels. „Aschenputtel war gestern“ denkst Du, während Du Seidenpapier und Kartonagen im Altpapiercontainer eines benachbarten Wohngebäudes entsorgst. Dann beginnst Du damit, das erste Paar Schuhe an Deinen nackten Füssen zu fotografieren. Und bist Dir sicher, dass eine vollkommen neue Zeitrechnung begonnen hat zwischen Dir und O.

Out of the Blue …

Mittwoch, 23.7.2014, 14h. Es ist ein sonniger Nachmittag im Süden Deiner Stadt. Du bist unterwegs auf Deinem hellblauen Nostalgie-Fahrrad zur Schule Deines Sohnes. Du trägst Jeans, Sandalen und das blassrosa Empire-Top, in dem Du Dich so mädchenhaft und verletzlich fühlst. Die Rückenschleife aus braunem Rips flattert im Wind. Dein Handy piept. Sms. Du steigst ab und kauerst Dich in den Schatten der Hausfassade vor Dir um das Display zu lesen. Plötzlich ist jemand hinter Dir. Ein kahlgeschorener, jung aussehender, kräftiger Mann. Mit einem pechschwarzen Trekking-Rad. In blendend weißer Radsportkleidung. Er hat klare, schön geschnittene Gesichtszüge und streift Dich mit einem kühlen Blick aus grauen Augen. Er will mit Dir Kaffeetrinken, sagt er, in weicher, regionaler Sprachfärbung. Und verlangt Deine Handynummer. Du fühlst Dich auf eigenartige Weise gebannt. Und gibst sie ihm. Zwei Stunden später. Du bist wieder zu Hause. Er schreibt. Dein Empire-Top hat ihm gefallen, Dein tätowierter Rücken. „Du hast das gewisse Etwas, Babe!!!“ schreibt er und dass er Dich am Liebsten sofort jetzt treffen und ES mit Dir tun will. Er stellt Dir eigenartige Fragen. Ob Du Dir die Fingernägel lackierst. Ob Du erotische Dessous hast. Vor allem Catsuits. Nein, antwortest Du. Schließlich befiehlt er Dir, Dich in Dein Bett zu setzen und es Dir selbst zu machen. Du gehorchst, zu Deinem eigenen Erstaunen. Kommst heftig. Und weisst: Alles ist plötzlich anders als es gerade noch war.

Donnerstag, 24.7.2014 Vormittag. Dein neuer Bekannter schreibt. Er ist in der Stadt unterwegs und fragt nach Deiner Kleidergröße, um einen Rock und eine weisse Bluse für Dich zu kaufen. „Ich will schließlich dass Du geil ausschaust wenn ich es zum ersten Mal mit Dir mache!!! schreibt er. Du antwortest, dass Du ein schönes weites Sommerkleid hast, das sehr geeignet wäre für eine Nummer im Auto, so wie er sie momentan mit Dir plant. „Na gut, dann kaufe ich Dir eben nichts!“ schreibt er, spürbar enttäuscht. Wenige Minuten später jedoch voller Begeisterung: „Oh Babe, könntest Du dann morgen bitte gleich im Auto Dein Kleid hochtun damit ich Deine schönen Brüste berühren kann?“ Nachmittag. Weitere Fragen. Ob Du bereit bist es ohne Gummi mit ihm zu machen? Ob er auch IN Dir kommen darf? „Nicht so gern“ antwortest Du. „Oh Babe!!!“ schreibt er zurück, „Ich bin aber garantiert clean und Du doch auch!!“ Abend. Er plant, ES im leerstehenden Haus eines Freundes im Westen der Stadt mit Dir zu machen. „Ich will Dich endlich ficken!!!“ schreibt er. „Ich werde ganz vorsichtig in Dich eindringen und das wird ein unglaubliches Erlebnis für mich!!“ – „Ok!“ antwortest Du und gehst erschöpft zu Bett …

Freitag, 25.7.2014 10h. Dein neuer Bekannter und Du seid verabredet in der Nähe einer U-Bahnstation im Südwesten der Stadt. Nur zehn Minuten von Deinem Zuhause entfernt. Ihr seid beide pünktlich. O. , wie er heisst, trägt schneeweisse Chucks, hellbeige Bermudas und begrüßt Dich mit einem fordernden Kuss. Er schmeckt nach einem sehr starken Kaugummi und riecht nach einem erlesenen Herrenparfum. Mit einer Art Polizeigriff führt er Dich zu einem metallicbraunen Geländewagen und schubst Dich hinein. In der alten Villa geht alles sehr schnell. Schon im Treppenhaus fallt Ihr übereinander her. Er reisst Dir Dein Top herunter. Halbnackt schiebt er Dich nach oben, zu einem Klappbett in einem leeren Zimmer. Er beisst und leckt Deine Brustspitzen und küsst Dich zwischen den Beinen. Mit aller Kraft stemmst Du Dich gegen seine Zunge und kommst nach wenigen Sekunden. Dann zwingt er Deine Beine auseinander und dringt in Dich ein. ER, mit dem er in Dich eindringt ist sehr groß. Und vorne gekrümmt. O. stösst mehrmals heftig zu. Heftiger als alle Männer die Du vor ihm kanntest. Plötzlich aber hält er inne, steht auf und verlässt den Raum. Ein Geräusch hat ihn irritiert. Nach seltsam langgedehnten Minuten kehrt er wortlos zurück, kniet sich von hinten auf Dich, macht es sich mit wenigen Handbewegungen selber und entlädt sich stöhnend auf Deinen Rücken.

Samstag, 26.7.2014 Du erwachst früh, Bilder vor Augen. Der helle Körper. Genauso groß wie Du, aber muskulös und perfekt trainiert. Das Oberarmtattoo, ein Armreif mit Haken. Der kahlrasierte, schön geformte Hinterkopf. Die langen Wimpern, die umschatteten Augen. Der blasse Mund. Die schmerzverzerrt klingende Stimme die Dinge sagte wie „Ja, gibs mir, Du Drecksau!“ Gestern Abend schrieb er noch. Dass es wunderschön war und Du gut schlafen sollst. Du könntest nicht glücklicher sein. Früher Abend. Wetterwechsel. O. schreibt. Aber die Stimmung hat sich geändert. Er war offensichtlich nicht zufrieden mit der Begegnung von gestern. Fast so als ob er auf einem anderen Date gewesen wäre als Du. Du hättest ihn „nichts machen“ lassen, schreibt er, und einiges von dem, was Du im Auto über Dich erzählt hast, käme ihm erfunden vor. Du versuchst die Misverständnisse zu klären. Umsonst. „Ich denke es ist besser wenn wir uns nicht wiedersehen!!“ textet er. Zutiefst getroffen formulierst Du eine Abschieds-Sms. Sie bleibt ohne Antwort. Geschockt gehst Du zu Bett.

Sonntag, 27.7.2014 Du verbringst eine unruhige Nacht. Kämpfst mit wilden, widerstreitenden Gefühlen. Hier noch Reste der Euphorie über das Sex-Abenteuer vom Freitag, die erotischste, aufregendste Begegnung Deines Lebens die es zweifellos war. Dort die Sehnsucht nach dem Körper, der Stimme, der Person, die Dich so im Sturm erobert, so gefangen genommen und gefesselt hat wie nie jemand zuvor. Und da der Schmerz über die kalte Ablehnung, ja Verachtung, die Dir plötzlich von seiner Seite so brutal entgegenschlug. Nie hat jemand Dich so absolut gewollt, so vollkommen begehrt wie er – aber auch nie hat jemand Dich so fallen gelassen. Innerhalb von drei Tagen. Es schüttelt Dich, Du frierst. Frühmorgens. Dein Handy piept. Ungläubig starrst Du drauf.  „Willst dass ich Dich nochmal ficke?“ schreibt er. „Ja!!“ antwortest Du, ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen. Und so beginnt sie, Deine Sucht.

Montag, 28.7.2014 Du bist glücklich über O.s Sinneswandel. Was immer auch ihn dazu gebracht hat, Dich so kurz nach Eurem aufregenden Zusammensein  beinahe zu verstossen – Du bist entschlossen, ihm nie wieder Grund zu geben an Dir, Deiner Ehrlichkeit, der Tiefe Deiner Gefühle zu zweifeln. Er soll spüren dass Du seines Vertrauens würdig bist. Und so beantwortest Du all die vielen Fragen, die er Dir auch heute wieder per Sms stellt, sehr ausführlich, detailliert und wahrheitsgetreu, fast so, als ob Du Dich im Kreuzverhör eines amerikanischen Gerichts befändest. Er möchte alles von Dir wissen. Mit wie vielen Männern hast Du bisher in Deinem Leben geschlafen? Wie oft, auf welche Weise? Wie haben sie ausgesehen, wie groß war ihr Schwanz und was haben sie alles mit Dir machen dürfen? Hast Du auch mal mit mehreren gleichzeitig? Wie bist Du am Besten zum Orgasmus gekommen? Durch Lecken, Reiten oder durch was sonst? „Schreib es mir, Babe!“ fordert er, schreib es ganz genau!! Ich weiss ja eh dass Du eine Nutte bist!!“

Dienstag, 29.7.2014 Die Befragungen gehen weiter. Heute möchte O. wissen wozu Du mit ihm bereit wärst, wie weit er mit Dir gehen könnte, sexuell. Ob Du bereit wärst, Dich fesseln, knebeln oder schlagen zu lassen? Ob er Dich filmen darf, während Du es Dir selbst machst? Ob Du ES mit einem anderen Mann tun würdest, während er zuschaut? Vielleicht sogar mit mehreren?  Ja, er habe einige Freunde, die sofort bei so etwas mitmachen würden, schreibt er. „Und sie würden Dir mit Sicherheit auch jeder 60 Euro geben!!“ Die Fragen quälen Dich, sie tun Dir weh, die letzte ganz besonders. Du wünschst Dir ja eigentlich nichts sehnlicher, als ihn wiederzusehen, Dich an ihn zu klammern, während er tief, tief in Dir drinnen kommt. Ein neues Date, so wie das Erste war. Um das zu erreichen, beantwortest Du all seine Fragen mit „Ja“. „Oh Babe“, schreibt er, „sowas wie Dich hab ich schon lange gesucht!! Du wirst mein Sex-Spielzeug sein!! Ich werde Dir weh tun und Dich erniedrigen dass Du Deine wahre Freude dran hast!!!“.

Mittwoch, 30.7.2014 Vormittags keine Nachricht von O. Die Stille fühlt sich sehr ungewohnt an. Einerseits bist Du dankbar für eine kleine Atempause, eine Chance zum Nachdenken. Andererseits machen sich Unsicherheit und Verlustangst breit. Hast Du ihm etwas Verletzendes geschrieben? Ist er enttäuscht von Dir? Begehrt er Dich nicht mehr,  jetzt wo er so viel von Dir weiss? Die Fragen kreisen unaufhörlich in Deinem Kopf, verhindern Erholung und klares Denken. Du willst ihn nicht verlieren … Nachmittag. Lastende Schwüle. Diffuses, schmutziges Licht. Du bist müde. Alles in Dir und um Dich herum fühlt sich leer und bedeutungslos an, auf eine Art, die Du bisher nicht kanntest. Du versucht Dich an den Gedanken zu gewöhnen dass es einfach ein verrückter Sommer-ONS war, nicht mehr, nicht weniger. Da piept Dein Handy.  „Schick mir ein Bild von Deinem Gesicht!!“ schreibt O. „Ich will es mir heute noch machen und Dein Gesicht dabei anschauen!“ Du gehorchst. Antwort kommt keine mehr zurück.

Donnerstag, 31.7.2014 O. meldet sich am Vormittag. Teilt mit, dass er Dich morgen gegen 10h treffen möchte. Du freust Dich, obwohl die Sms in sehr kühlem Ton gehalten ist. Bestimmt wird alles gut wenn Ihr Euch wiederseht und direkt miteinander sprechen könnt, denkst Du. Am Nachmittag kommt unvermutet ein einzelnder Satz: „Du musst wissen dass ich Gefühle für Dich habe!!!“ schreibt er. „Das ist doch schön, ich für Dich auch!“ antwortest Du. Schweigen. Abends. O. entwirft verschiedene Szenarien für gemeinsame „Ficks“. Es ist ihm wichtig Dein Stöhnen zu hören und zu sehen wie es Dir kommt, während er Dich nimmt. Du versprichst, dass Du ihm nichts vorenthalten wirst. Aber das genügt ihm nicht. Du bietest im an, ES Dir irgendwann mal vor seinen Augen mit Deinem Glasdildo zu besorgen. Die Idee gefällt ihm. „Mach es jetzt gleich und schick mir Bilder davon, Baby!!“ schreibt er. „Ich will es sehen!!“ Dazu seist Du jetzt aber nicht bereit, antwortest Du. Und er? „Babe, wenn schon das zuviel für Dich ist dann müssen wir es beenden!! Ich kann keine Schlampe brauchen die zickt!!!“

Freitag, 1.8.2014 Regenwetter. Du erwachst früh, nervös und beklommen. Du versuchst Dir vorzustellen wie es sein wird, wenn Du O. in zwei Stunden wiedersiehst, ihn, den Mann der Dich nun seit Tagen in Atem hält, fordert und beschäftigt wie keiner zuvor. Du hast Mühe seine Gesichtszüge genau zu erinnern. Gut dass Du ihn gleich treffen wirst! Da piept Dein Handy. „Ich komm nicht rechtzeitig von der Arbeit weg!“ schreibt er. Sonst nichts. Du sinkst in Dich zusammen. Enttäuschung mischt sich mit einer gewissen Erleichterung. Abend: O. schreibt. Er wird für ein paar Tage verreisen, teilt er Dir in kühlen Worten mit. Dann, im Nachsatz: „Der Grund warum ich fahre bist Du!! Bin dabei mich total in Dich zu verlieben, drehe durch!!!“ – „Bitte tu es mir nicht an dass ich Dich niemals wiedersehe!“ schreibst Du, während sich etwas in Dir zusammenkrampft. „Das werde ich nicht tun!“ antwortet er. „Mit Dir machen will ich es noch ganz ganz oft! Aber ich muss erst mein Herz prüfen wie tief meine Gefühle für Dich wirklich sind!!!“