Thousandfold

O.s tausendfach stärker gewordene Liebe zu Dir zeigt sich am Mittwoch den 15. März 2016 zunächst einfach nur in einem besonders harten Beischlafprogramm. Ohne die wortreich im Chat beschworenen Zärtlichkeiten. Dafür mit Kratzspuren auf Deinem Rücken. Mit einer weissen Netzstrumpfhose, die sich bald nur noch in streifigen Fetzen um Deine Fussknöchel ringelt. Mit Schubsern. Mit Stössen. Mit unbarmherzigen Griffen. Mit heiser und fremd hervorgestöhnten Worten, die in einem verzerrten Lachen untergehen, während O. Dich frontal auf dem Wohnzimmersofa nimmt. „Es war so geil dich zu schlagen!!!“ hörst Du es aus ihm herausbrechen. „Ich hab beim Wichsen am nächsten Tag dauernd dran gedacht!!!“ Besonders deutlich zeigt sich O.s tausendfach stärker gewordene Liebe an diesem Tag jedoch in dem Geschenk, das er Dir eindringlich lächelnd überreicht, bevor er geht. Eine Design-Papiertüte mit signalroter Hochglanzbeschichtung. Darin: 50.- Euro. Sowie ein schneeweisses und ein pechschwarzes Marken-Herrenhemd.

Nur Stunden später, als Du in Deine Wolldecke gehüllt auf der Couch sitzst und versuchst, Dich von O.s Besuch ein wenig zu erholen, zeigt sich seine tausendfach stärker gewordene Liebe erneut. „Passen die Hemden?“ schreibt er um 17.43h. „Ich hab sie ganz ordentlich zusammengefaltet und versteckt!“ antwortest Du. Aufgestört von O.s Bruch mit seinen sonstigen postkoitalen Gepflogenheiten. „Ich zieh sie morgen an für Bilder. Sie passen bestimmt!“ O. schweigt. „Vielen vielen Dank dass Du hier warst!“ tippst Du mit zittrigen Fingern. O. antwortet nicht. Sein Schweigen reißt Dir das Herz auf. Und all Deine mühsam gebändigten Gefühle brechen daraus hervor. „Weisst Du eigentlich“ tippst Du, „dass es nur eine einzige Erfahrung für mich gibt die vergleichbar ist mit dem was ich durch Dich erlebe? Die Geburt von meinem Sohn. Dieser Moment in dem ich dachte dass ich sterbe – den fühle ich sehr oft mit Dir. Und deshalb brauche ich Dich so!“ O. antwortet um 21.47h. „Hey. Bin sprachlos!“ schreibt er.

Natürlich machst Du sehr viele Bilder für O. in den Tagen und Wochen nach diesem Date. Nahezu täglich kniest oder liegst Du im Schlafzimmer auf Deinem Bett, verdrehst und verrenkst Dich in immer neue Positionen, lächelst kokett oder blickst sehnsuchtsvoll in die Selfiekamera Deines Handys und fotografierst Deinen Körper in den Extremfarben Schwarz oder Weiss. Im Licht der Spaltung. Im Kolorit der Borderlinepersönlichkeit, das keine Schattierungen, keine Nuancen kennt. Im Reich der tiefsten Schwärze und der strahlendsten Helligkeit. Über das alleine O. gebietet und entscheidet, zu welcher Sphäre Du gerade gehörst. Zu O.s 47. Geburtstag Anfang April trägst Du das weisse Herrenhemd über dem schwarzen und fotografierst es zusammen mit weissen, halterlosen Strümpfen und schwarzen, perlenbesetzten Schuhen. O. ist begeistert als Du ihm die Bilder in den ganz frühen Morgenstunden sendest. „Danke mein wunderbares Goldstück!“ schreibt er. „Noch nie hat eine Frau mich so glücklich gemacht wie Du!“

Seine tausendfach stärker gewordene Liebe zu Dir via Whatsapp zu beschwören – dessen wird O. nicht müde in den Vorfrühlingswochen des Jahres 2016. Frühmorgens. Nachts. Tiefnachts. Und wieder frühmorgens besingt er die Intensität Eurer Verbindung. Mit ungebremstem Pathos. Hemmungslos. „Wir beide haben zueinander finden MÜSSEN!!! tippt er beispielsweise am 9. April 2016 um 3.55h. „Du und ich … das ist Perfektion!!!“ – „Ja!“ antwortest Du schlaftrunken mit dem Handy unter der Bettdecke. „Ich liebe dich über alles!!!“ schwelgt O. weiter. „Sowas geiles wie dich… hätte nie gedacht das es so etwas gibt!!!“ Du suchst nach Worten. „Bin wohl für Dich bestimmt!“ tippst Du dann. „Ja Babe!“ antwortet O. „Du bist einfach mit Worten nicht zu beschreiben!!! Und die zukünftigen gemeinsamen sexuellen Erlebnisse werden unsere intime Verbundenheit NOCH stärker werden lassen!!! Ich kann es jetzt schon kaum mehr erwarten das ich dir endlich deine Haare abrasieren darf!!!“ In diesem Ton geht es Nacht für Nacht …

So könntest Du also sehr glücklich sein in dieser Zeit im Frühjahr 2016. Könntest Dich geliebt und umsorgt fühlen. Gebadet in der immer wieder neu bekundeten tausendfach stärker gewordenen Liebe von O. Jedoch. Im Lauf der Wochen erlischt der magische Glanz von dem, was er Dir anbietet und schreibt. Und fühlt sich nur noch fadenscheinig und banal an. Unecht. Lieblos. Trotz aller Beteuerungen. Kurze Dates. Schnelle Ficks. Irgendwo zwischen Dunkel und Geröll. Rumfummeln in der Garage während Lolo schläft. Kurz Küssen im Auto. Unterm Mantel bei der Parkbank Deine Brüste spüren. Quicki-Modus. Auf nen Stoss vorbeikommen. Das ist die erotische Nomenklatur von O.s tausendfach stärker gewordener Liebe bei Tag. Genauso wie der Ton seiner Absagen wenn die Verabredung an Alltagswidrigkeiten scheitert. Leider kein Glück. Hätte Dich gerne von hinten genommen. Aber Lolo hat Lymphknotenmassage und will das ich sie begleite. Freunde kommen. Wir schauen fern. Schade. Ja wirklich, denkst Du. SEHR schade.

Du bestellst einen neuen Catsuit im Internet. Signalrot. Mit Spaghettiträgern. Gekreuzten Bändern über der Brust und Cut-Outs im Taillenbereich. Du trägst ihn zusammen mit den signalroten Highheels und dem Statement-Collier aus glitzernden Fake-Türkis-Steinen. Und machst am 12. April 2016 viele Bilder von diesem Outfit für O. Um den Grauschleier zu zerreissen, der seit Wochen über allem liegt, was Du fühlst und tust. Um gegen die Lähmung, das Gefühl der inneren Ausgehöhltheit vorzugehen, das Dich seit Tagen beherrscht. Vor allem seitdem Du bemerkt hast, dass O. rund um die Uhr online ist. Nahezu pausenlos jemandem schreibt. Während er Dich, die er bekanntlich mit tausendfach stärker gewordener Intensität liebt, floskelhaft abfertigt. Die heiteren, frühlingshaften Farben stehen Dir gut. Auf den Bildern ist nicht zu erkennen, wie blass und traurig Du in Wirklichkeit aussiehst. Gegen Abend schickst Du sie O. „Geil!“ antwortet er. Und setzt seine anderen Chats fort. Bis tief in die Nacht.

Du weisst, dass Du cool sein und einfach drüber stehen solltest. Dich abwenden. Andere Dinge tun. Aber Du bist viel zu sehr gefangen im Netz der Sehnsüchte und der trügerischen Hoffnungen, in das die nächtlichen Chats mit O. Dich eingewoben haben. Du kannst den ganzen Abend lang nichts anderes tun, als mit pochendem Herzen aufs Handy zu starren und O.s Online-Aktivität zu beobachten. Wie paralysiert. Wie ein dressiertes Tier. Stundenlang. Als der Online-Schriftzug weit nach Mitternacht endlich erlischt, schämst Du Dich vor Dir selbst für das erbärmliche Wesen was aus Dir geworden ist. Jedoch: Schlimmer geht immer. Nachdem Du nämlich ein wenig gewartet hast, um sicher zu sein, dass O. nicht nochmal auf Whatsapp zurückkehrt, nimmst Du dein Handy und schreibst: „Ich muss Dir was sagen. Es tut mir total weh wenn ich sehe dass Du mit wem anderen so viel chattest. Ich denke dann immer dass Du einer anderen Frau ganz tolle liebevolle Sachen mittteilst. Und dass ich nur ein Notnagel für Dich bin.“

Du schluckst. Atmest durch. Und, nachdem die Schleusentore nun einmal geöffnet sind, schreibst Du weiter. Von Deinen Gefühlen, Ängsten und Sorgen. Deiner Traurigkeit. Deinen Zweifeln an Dir selbst. Obwohl Du genau weisst, dass O. nichts anderes als einen Angriff sehen wird in dem, was Du verfasst hast. Und genauso ist es auch. Als Du gegen 5h morgens aus unruhigem Schlaf hochschreckst und aufs Handy schaust, siehst Du, dass O. Deine Nachrichten gelesen hat. Geantwortet hat er jedoch nicht. „Guten Morgen!“ tippst Du beklommen. „Es war bestimmt alles total dumm was ich vor ein paar Stunden geschrieben hab. Sorry!“ – „Was soll ich da drauf noch antworten?!?!?!“ schreibt O. „Ich weiss es nicht“ tippst Du. „Schreibst Du denn manchmal einer anderen Frau? Zum Beispiel gestern spätabends? Das ist doch eine ganz einfache Frage, oder? Mit einer ehrlichen Antwort könntest Du all meine Zweifel aus der Welt schaffen!“ Du wartest. Dann antwortet O. „Ganz ehrlich“ schreibt er. „Das geht dich NICHTS an!!!!“

„Und wenn dir das nicht passt“ schiebt er nach einigen Minuten hinterher, „dann brauchst auch keine Bilder mehr schicken! Hab eh vollauf genug davon!!!“ – „Das wollte ich jetzt auch nicht mehr!“ tippst Du, bevor imaginäre, gefühlte Dunkelheit über Dir zusammenschlägt. „Alles Liebe für den Tag!“ schaffst Du noch zu tippen. Um wenigstens einen Rest Coolness für Dich zu retten. Dann beeilst Du Dich, Whatsapp zu verlassen. Schiebst das Handy unter Deine Bettdecke. Verkriechst Dich in Deine Kissen. Möchtest versuchen, noch ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor es an der Zeit ist, Deinen Sohn zu wecken. Und diesen neuerlichen Beweis von O.s tausendfach stärker gewordener Liebe erstmal verkraften. Da piept das Handy erneut. „Schick mir sofort Bilder du Schlampe!“ schreibt O. „Ich bin gerade total geil und brauche das jetzt!!!!“ – „Ich hab keine neuen“ antwortest Du. „Dann geh ins Bad und mach welche!!!“ schreibt O. „Beeil dich!!! Du weisst hoffentlich was für dich auf dem Spiel steht!!!“

Nachdem Du, gehorsames Mädchen, das Du bist, im Licht der Morgendämmerung einige verschwommene Badezimmer-Selfies von deinem unausgeschlafenen Gesicht und Deinem bettwarmen Körper für O. gemacht und ihm geschickt hast, herrscht zunächst vollkommenes Schweigen. Erst gegen 10h, als Du Dich einigermassen im Tag zurecht gefunden hast und mit einer Tasse Tee am Küchentisch sitzst, piept Dein Handy erneut. „Danke für die geilen Bilder!“ schreibt O. „Bin super gekommen!!!!“ – „Das freut mich!“ antwortest Du. „Du bist einfach die geilste aller geilen Ladies!“ schreibt O.  „Und du bist auch nach wie vor die Einzige … Ich schreibe nur abends einer Mitpatientin von der Lolo! Sie hat sich mit ihr während der Chemotherapie angefreundet und ist ab und zu bei uns auf Besuch“ – „Schon gut!“ antwortest Du. Beschämt. Und gleichzeitig erleichtert. „Aber es ist total abgefahren … “ tippt O. weiter. „Sie hat auch einen Freund … Aber stell dir vor … sie will was von mir …“ Du erstarrst innerlich zu Eis.

„Da heisst es immer die Typen wären so schlimm“ schreibt O. und Du kannst fühlen, wie sehr er es geniesst, Dir diese Worte ins Handy zu träufeln. „Aber Junge Junge! DIE hat mir schon Angebote gemacht!!!“ – „Ist sie in Dich verknallt?“ fragst Du. Alarmiert. Krampfhaft bemüht, ruhig zu erscheinen. „Ich glaube ein bisschen“ antwortet O. „Mit ihrem Freund scheint es nicht so gut zu laufen! Und ich denke mir das sie wohl auch Bestätigung braucht. Sie möchte das ich sie unbedingt mal alleine am See draussen besuche! Und sie würde total gerne mit mir knuddeln und knutschen!“ Du ringst nach Luft. „Willst Foto von ihr haben?“ schreibt O. „Ok“ tippst Du mühsam und kneifst unwillkürlich die Augen zu. Als Du sie wieder aufreisst, erblickst Du im Display Deines Handys das Bild einer schlanken, etwa 50jährigen Frau mit sehr kurzen, grauen Haaren. Sie trägt grosse, eindrucksvoll schimmernde Perlohrhänger und lächelt schelmisch aus hellen, blauen Augen in die Handykamera ihres Gegenübers.

Gekleidet ist diese Frau, die ihre Chemofrisur trotzig und stolz dem Licht der Frühlingssonne darbietet, in eine zart gemusterte, langärmlige Bluse und eine hellbeige Trekkinghose. Sie sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen auf einem Steinmäuerchen. Und hat sich zum Schutz vor Kälte, eine dunkelblaue Steppdaunenjacke untergelegt. Eine dunkelblaue Herrendaunenjacke, die Dir nur allzu bekannt vorkommt. „Kein Zweifel“ denkst Du, nachdem Du das Bild hektisch gepincht und gezoomt hast. Das ist die tintenblaue Steppjacke von O. Die er trug, als er Dich zuletzt besuchte. Um Dich herum scheint sich alles zu drehen. Unter Deinem Solarplexus beginnt etwas zu zucken. Mit allergrösster Mühe kämpfst Du das Gefühl nieder, zur Toilette rennen und Dich im Schwall übergeben zu müssen. Minutenlang sitzst du mit tränenden Augen am Küchentisch. „Und, magst Du mit ihr kuscheln?“ tippst Du, nachdem Du Dich ein wenig beruhigt hast. „Ich weiss es nicht!“ antwortet O. „Aber natürlich … es wäre für mich …“

„Tja, es wäre auch für mich nochmal ne Bestätigung!!! Und du weisst ja selber am besten wie gern man das ab und zu hat!“ – „Würdest Du mit ihr dann länger als nur so 20 Minuten zusammen sein?“ tippst Du mit angehaltenem Atem. „Paar Stunden oder über Nacht?“ – „Paar Stunden!“ antwortet O. „Wegen 20 Minuten über die Autobahn raus zum See würd sich nicht lohnen. Und sie will ja auch nicht sofort kuscheln. Sondern auch reden und mit mir zusammen sein!“ – „Könntest Du zu ihr besser zärtlich sein als zu mir?“ tippst Du, während Du fühlst, dass die Nausea zurückkehrt. „Ja!“ antwortet O. „Du bist meine Schlampe!!!“ -„Und das bedeutet?“ tippst Du. „Das was es halt bedeutet!“ antwortet O. „Härtere Sachen. Schlagen. Gleich wieder gehen. Meinen Trieb befriedigen. Mich an dir aufgeilen. All sowas.“ – „Und Zärtlichkeit lebst Du mit anderen?“ tippst Du. „Wer weiss wie das bei ihr wird?“ schreibt O. „Vielleicht braucht sie es mal in den Arm genommen zu werden. Oder das Gefühl das sie noch begehrenswert ist!“

„Ich glaube die will gar nicht ficken. Nur mal wieder Geborgenheit und Zärtlichkeit. Und ich gebe ihr das gerne denn sie stirbt vielleicht!!! Heilungschancen sind sehr schlecht bei ihr!“ – „Oje“ tippst Du mit der rechten Hand ins Handy während Du Dir mit der linken Mund und Nase zuhältst. „Ich denke das ich ihr gut gefalle!“ schreibt O. derweil eifrig weiter. „Sie mag meine Augen und meine Art! Und ich möchte ihr gerne ein bisschen helfen! Denn ich bin zwar nicht in sie verliebt aber sie tut mir sehr sehr leid! So ein lebensfroher Mensch und dann diese Scheiss Krankheit!“ – „Ok“ antwortest Du. „Ich bin Dir sehr dankbar für Deine Offenheit!“ – „Und ich dafür das du bei mir bleibst!“ schreibt O. „Denn ich brauche dich! Und deinen Körper! Deine Geilheit! Deine Art wie du fickst! Alles an dir ist einfach perfekt zum aufgeilen! Du bist eine Sexgöttin!!!“ – „Ich kann gar nicht anders als bei Dir zu bleiben!“ antwortest Du. Dann stehst Du auf und rennst zum Besucher-WC im Vorraum deines Hauses.

Du kniest Dich vor die Toilettenschüssel. Umklammerst sie mit beiden Armen. Und würgst alles, was Du in Dir hast, aus Dir heraus. All deine Gefühle für O. Mit jedem Schwall Frühstückstee, der deinen Magen durch Mund und Nase verlässt, empfindest Du weniger und weniger für ihn. Dein Körper zuckt. Tränen und Spuckefäden rinnen Dir übers Gesicht. Aber nachdem Du Dich vollkommen leer gekotzt hast geht es Dir besser. Du rappelst Dich hoch und weisst: Deine Passion für O. ist mit dem heutigen Tag vorbei. Du hasst O. ab jetzt. Er soll mit seinem SUV an einer Mauer zerschellen, wenn er zum See fährt um die krebskranke Frau zu besuchen. Und sie. Diese Frau. Sie soll auch sterben. Sechs Wochen, nachdem O. Dich in seinem Haus nahezu krankenhausreif schlug und heute von seinem Mitleid für diese Frau schrieb, empfindest Du so. Wann, fragst Du Dich den ganzen Nachmittag über, WANN hatte O. jemals Mitleid mit DIR???? Am Abend nimmst Du dein Handy. Lächelst. Und blockst. Blockierst die tausendfach stärker gewordene Liebe von O.

 

 

Vêtements

Natürlich kommt am 8. Januar 2016 kein O. zu Dir zu Besuch, um sich in irgendeiner Weise von Dir glücklich machen zu lassen. Und den ganzen restlichen Monat hindurch auch nicht. Ebensowenig im Februar. Du verbringst die gesamte Hochwinterzeit allein. Allein mit dem Selfiestick. Allein mit den Leggings aus schwarz schimmerndem Lederimitat. Allein mit einem Paar signalroter Plateauheels, die Du im Online-Schuhandel noch bestellst. Und allein mit den vielen Fragen, Sorgen und Ungewissheiten, die sich Dir stellen im Bezug auf O. Wie krank ist seine Freundin wirklich? Deine Fantasien schwanken, während Du Tag für Tag in der Stille Deines Schlafzimmers auf dem Bett kniest und die Leggings immer wieder neu fotografierst. Mal glaubst Du, O. bereits an Lolos Sterbebett wachen zu sehen, von Infusionsschläuchen umgeben, totenbleich. Dann wieder befallen Dich Zweifel, ob die behauptete Krebserkrankung tatsächlich existiert. So flüchtig und ungreifbar ist alles, was O. dazu schreibt.

Dass O. unter erheblichen Belastungen steht, kannst Du nur indirekt, am Rande, durch Rückschlüsse erahnen. Erzählt wird Dir nichts. Aber am 11. Januar 2016 zeigt O. sich ungewöhnlich erschüttert vom Tode David Bowies. Dessen Gepflogenheit, zwischen verschiedenen Kunstfiguren und Alter Egos zu changieren, scheint DAS Role Model gewesen zu sein für O. Und eine Welt ohne das schillernde Chamäleon des Pop dunkel und leer. „David Bowie ist tod!!! I will miss him forever!“ schreibt er in seinen Whatsapp-Status. Dann verfällt er für zwei Tage in Schweigen. „Tut mir leid!!!“ antwortet er, als Du ihn am 14.1. zur Mittagszeit schüchtern kontaktierst. „Mir geht’s ziemlich schlecht. Hab starke Tabletten genommen und bin dadurch ziemlich weggetreten!!!“ – „Werd schnell wieder gesund mein Prinz!!!“ schreibst Du. Ohne nachzufragen, welche Medikamente zur Heilung welchen Leidens zum Einsatz kamen. Aber Du bist sicher: für den Fall einer seelischen Irritation werden Bedarfspsychopharmaka gehortet,  im Hause O. …

Einige Tage später sprüht O. wieder vor Energie und Tatendrang. „Babe“ schreibt er am 18.1. kurz vor 16 Uhr. „Ich sortiere gerade Jeans und Pullover bei mir aus!!! Kannst du oder dein Sohn was davon gebrauchen?“ – „Ja! Oh ja!“ antwortest Du, während tausend Erinnerungen an O.s luxuriöse Marken-Outfits Dein emotionales Gedächtnis fluten. „Ich fand alles was ich bisher an Dir gesehen habe wunderschön! Die Farben, der Look, das Material, alles! Ich wäre glücklich etwas davon hier bei mir zu haben!“ – „Meine Sachen sind gar nicht so besonders!!!“ schreibt O. „Aber es ist eine schwarze Strickjacke dabei die vielleicht was für dich wäre!!! Und wenns nur für Fotos und zum Ficken anziehen ist!!!“ – „Ich werde sie lieben!“ antwortest Du. „Dann bring ich dir die Sachen diese Woche noch vorbei!!!!“ schreibt O. „Danke!“ antwortest Du tief beseelt. Jedoch. Etwas in Deinem Inneren hält Dich davon ab, Dich allzusehr zu freuen. Und richtig. Am 21. 1., dem Tag an dem er Dich eigentlich besuchen wollte, schreibt O.:

„Braucht Dein Sohn wirklich Klamotten von mir? Kumpel fährt nach Polen in ein kleines armes Dorf und verteilt dort Sachen!!! Ich würde ne Strickjacke für dich zum Fotografieren aufheben!!! Kann ich ihm die Sachen mitgeben oder willst du was für deinen Sohn? Gute schwarze Schuhe heb ich auch noch für dich auf ok?“ – „Natürlich, Liebster. Mach es so wie Du es für richtig hältst!“ antwortest Du tapfer, während unangenehme, beschämende Gefühle sich in Deinem Inneren ausbreiten. Enttäuschung. Eifersucht. Das Empfinden um etwas gebracht, betrogen worden zu sein. „Bitte heb mir was auf. BITTE!!!“ schiebst Du verzweifelt hinterher. „Ich möchte mich so gern in ein Hemd oder einen Pulli von Dir kuscheln!“ – „Du bekommst was!“ antwortet O. nach ein paar Minuten. Gnädig. Huldvoll. Fühlbar berauscht von der Macht, die er über Dich hat. „Ich gebe dir ein weisses Anzug Hemd!!! Das ist bisschen länger und vom Stoff her feiner!!! Das sieht sicher super sexy an dir aus, ok?“ – „Oh Mann! Danke!“ antwortest Du. 

Am 26. 1. 2016 endet die Chemotherapie von O.s Freundin. Was Du nur deshalb erfährst, weil Dich am Abend dieses sehr nasskalten und leeren Tages eine besonders aufwühlende Melange aus Verlorenheit, Sehnsucht und Zukunftsangst umtreibt. So dass Du schließlich Dein Handy nimmst und schreibst: „Heute war für mich ein schwieriger Tag. Ich denke dauernd an Dich und hoffe so sehr dass die Chemo-Zeit jetzt bald rum ist. Es kommt mir brutal lang vor, ehrlich gesagt.“ – „Ich will dass Du eines weisst, für immer“ schiebst Du nach einer Weile, gebeutelt von Melodrama und Pathos hinterher. „Dich getroffen zu haben, O., war neben der Geburt meines Sohnes das wichtigste, prägendste Ereignis meines Lebens. Ich kann mir mein Leben ohne Dich nicht mehr vorstellen und ich liebe Dich. Und das wird immer so sein, egal was passiert.“ – „Heute war die letzte Chemo“ antwortet O. nach zwei Minuten. „Das freut mich!“ textest Du. „Ich wünsch Dir dass es nur noch aufwärts geht jetzt!“ O. schreibt nicht mehr zurück. 

Tags darauf holst Du eine schwarze Netzstrumpfhose, die Du vor längerer Zeit gekauft hast, aus der Mille-Fleur-Schachtel in Deinem Schrank. Stellst fest, dass Du sie Dir bis auf Achselhöhe über Deine Brust ziehen kannst. Machst Dir ein schwarzes Samthalsband um. Schlüpfst in die Leggings und die schwarzen Peeptoes mit Jetperlen am Rand. Kniest Dich aufs Bett und fotografierst Dich selbst mit ernstem, besorgtem, suchenden Blick. „Welch geiles Nuttenoutfit!!!“ schreibt O. begeistert, als Du ihm gegen 16h ein paar von den Bildern schickst. „Du hast ein unglaubliches Händchen für erotische Kleidung!!! Egal was du anziehst, es schaut immer super sexy an dir aus!!! Ich bin schon so gespannt wie mein weisses Hemd dir passen wird!!! Welche Schuhe willst du denn eigentlich dazu tragen?“ – „Entweder die schwarzen Peeptoes oder die roten“ antwortest Du. „Diejenigen die DIR lieber sind“ – „Dann fotografiere bitte nochmal die roten Schuhe für mich!!!“ schreibt O. „Damit ich eine Entscheidung treffen kann!“

Das Schreiben über stimulierende Kleidung. Über Strümpfe. Catsuits. Schuhe. Über getragene Herrenhemden. Zerrissene Jeans. Und wieder über Schuhe. Deren Farben. Und darüber, wie es alles zueinander passt. Wie es sich trägt und anfühlt bei Körperkontakt. Ob es zerreißbar ist oder aufgeschnitten werden muss, falls O. Deine darunter entblößten Brüste ertasten oder im Schritt einer Feinstrumpfhose oder Legging in Dich eindringen will. Kurz: die Fetischisierung Deines Körpers auf vielen, vielen Bildern. Das Entstehen eines immer subtileren Codes für die flackernden Gefühle zwischen Dir und O. Die Erschaffung einer Parallelwelt zu dem sinistren Raum der Eure Beziehung ohnehin längst ist. In hunderten von Chats. Dies alles wird Anfang des Jahres 2016 zum immer dichteren Netz unter den verbalen Drahtseilakten, die Du zusammen mit O. oder für ihn via Smartphone vollführst. Wenn es nichts mehr zu texten gibt. Wenn O. zu verschwinden, wegzugleiten droht. So kannst Du immer noch schreiben über Highheels und schrittoffene Slips.

Indessen treibt der Überlebenskampf von O.s Freundin gegen den Krebs in ihrer Brust einem weiteren dramatischen Höhepunkt entgegen. Am 24. 2.2016 ist eine umfassende OP geplant. Und O. hat natürlich ganz eigene Vorstellungen von dieser Zeit. „Du könntest zu mir kommen an den Tagen wenn sie im Krankenhaus ist!“ schreibt er eines Abends Anfang Februar. „Oder nachts!!! Du müsstest Anziehsachen mitbringen!!! Dann kann ich mich mal richtig an dir aufgeilen!!! Dich festbinden … und dann wieder rausschmeissen!!! Auf das freue ich mich total!!!“ – „Ok. Wir könnten aber auch einfach nur reden und uns sehen“ bringst Du schüchtern vor. „Wenn ich dich sehe will ich dich auch ficken!!!“ antwortet O. „Und dir weh tun!!!! Das weisst du genau! Ich habe es dir tausendmal geschrieben!!! Und jetzt ist es endlich soweit!!!“ O.s hyperbolische Sprache verfehlt auch diesmal nicht ihre Wirkung auf Dich. „Ok“ antwortest Du. Und siehst, dass ein sehr, sehr bleicher, krankhaft fahler Mond aufgegangen ist über den Häusern Deiner Stadt …

 

The Starry, Starry Nights

Mit dem Verklingen der festlichen Lieder am Ende der Weihnachtsfeiertage 2015 ist O. plötzlich wieder ANDERS. Nicht mehr eingemauert, unerreichbar und kalt so wie in den finsteren Stunden des Advent. Sondern offen und voller Berührbarkeit. Jedenfalls kommt es Dir so vor, als Du am 26.12. um 9h Dein Handy einschaltest und siehst, dass O. Dir um 5.34h schrieb. „Guten Morgen mein süßer Schatz!!!“ textete er. „Ich habe sehr starke Sehnsucht nach dir und bin sehr froh wenn wir uns wiedersehen!!!“ – „Oh Liebster!!! Es geht mir ganz genauso!!!“ schreibst Du dankbar zurück und eilst ins Badezimmer um Bilder von Deiner nackten Brust zu machen. „Ich bin so froh wenn die Ferien vorbei sind und ich Dir endlich wieder richtig dienen kann!“ Dass Du in diesem Moment Deinen Mann, Deinen Sohn und grosse Teile Deiner eigenen inneren Wertordnung verrätst, stört Dich nicht. Ebensowenig wie die Tatsache, dass O. Dir nichts erwidert. Das Glücksversprechen seiner Worte trägt Dich durch den ganzen langen Wintertag.

In der folgenden Nacht hält ein nahezu kristallin scheinender Sternenhimmel Dich davon ab, schlafen zu gehen. Stunde um Stunde bleibst Du im Wohnzimmer sitzen, hütest das Kaminofenfeuer und verlierst Dich im Anblick der glitzernden Asteroiden am mondhellen Firmament über Deinem Haus. Um 3.32h nimmst Du schließlich Dein Handy, öffnest Deine Chats mit O. und schreibst: „Guten Morgen! Ich bin gerade wach und denke an Dich. Es sind wunder- wunderschöne sternklare Vollmondnächte im Moment und ich würde mich so gerne mit Dir treffen!“ – „Ich weiss dass es nicht geht“ fügst Du nach einer kleinen Pause hinzu. „Aber Du sollst wissen dass ich es mir wünsche!“ Dann kuschelst Du Dich unter der Patchworkdecke auf der Couch zurecht. Gerade als Du dabei bist, Dich doch noch in einen leichten Dämmerzustand gleiten zu lassen, vibriert das leise gestellte Smartphone in Deiner Hand. „Guten Morgen Babe!“ schreibt O. „Weisst du wie du mich glücklich machen könntest?“ – „Wie denn?“ fragst Du erwartungsvoll.

„Du könntest dir im Internet eine enge Leggings aus schwarzem Lederimitatstoff bestellen!!!“ schreibt O.  „Eine die glänzt und schimmert!!! Am Besten gleich mehrere denn ich werde sie dir dann im Schritt aufschneiden!!! Würdest du das für mich tun?“ – „Na klar“ antwortest Du. „Ich mach mir nur Sorgen dass die dann gar nicht so toll an mir ausschaut!“ – „Babe, sie wird absolut perfekt an dir aussehen!“ schreibt O. „Du hast nen hammergeilen Körper und ich kann es kaum erwarten Sie an dir zu sehen!!!“ – „Dann mache ich das nachher“ antwortest Du. „Und sobald sie hier ist schreib ich es Dir und versuche auch Bilder zu machen, ok?“ – „Babe ich liebe dich!!!“ textet O. voller Leidenschaft. „Bitte bestelle sie!!! Ich gebe dir auch ganz sicher das Geld dafür!!! Wenn du willst dann gleich morgen!!!“ – „So eilig ist es jetzt nicht“ antwortest Du. „Dann gebe ich es dir gleich nach den Ferien!!!“ schreibt O. Eifrig. Voller Überschwang. „Ich bin gerade sehr glücklich!!! Davon träume ich schon  seit ewigen Zeiten!!! Danke!!!“

„Süsser!“ schreibst Du. „Ich wusste ja gar nicht dass Du da so drauf stehst! Ich dachte immer Catsuits sind das Heisseste für Dich!“ – „Mir hat das schon immer sehr gut gefallen – enge Hose und Highheels!!!“ antwortet O.  „Catsuits und Strümpfe bleiben natürlich meine Lieblingssachen!!!! Ich habe aber auch das mit dem Jeans-Aufreissen bei dir extrem geil gefunden!!! Es ist einfach unbeschreiblich für mich dass ich nun alle meine Wünsche von dir erfüllt bekomme!!!“ – „Ich liebe es Sachen für Dich anzuziehen und Bilder davon zu machen und zu hoffen dass es Dir gefällt!“ antwortest Du. „Jedes Bild von dir gefällt mir!!!“ fabuliert O. „Du bist wunderschön und unbeschreiblich erotisch!!! Noch nie hat eine Frau mich so erregt und glücklich gemacht wie du!!! Ich würde dir sehr gerne wieder was schenken. Hast du einen Wunsch? Dann gebe ich dir das Geld dafür!!!“ Du überlegst. Draußen scheint ein Schwarm flimmernder Sternschnuppen über den Nachthimmel zu gleiten. „Mein größtes Geschenk ist dass es Dich gibt“ antwortest Du dann.

Nachdem Euer Chat beendet und die arktische Sternennacht einem trüben Altjahresmorgen gewichen ist, begleitet ein Gefühl der Benommenheit Dich durch den ganzen restlichen Tag. O.s überbordende Begeisterung für Dich und alles was Du tust, kam genauso unvermutet und abrupt wie sein kaltes Schweigen in der Zeit davor. Und hinterlässt in Dir deshalb vor allem: Schock. Verwirrung. Unsicherheit. Und Angst, die neu erworbene Zuneigung gleich wieder zu verlieren. Deshalb wendest Du besonders viel Sorgfalt auf, die Online-Shops im Internet mit Deinem Smartphone nach schwarz glänzenden Leggings zu durchstöbern. Du suchst und sichtest. Wischst und zoomst. Bemühst Dich, Stoffbeschaffenheiten und Texturen zu erkennen. Bis Deine Augen schmerzen. Gelangst endlich, als es draußen bereits dunkelt, zu einer Kaufentscheidung. Schließt den elektronischen Bestellvorgang ab. Atmest auf. Hältst inne. Informierst O. Glücklich. Stolz. „Leggings geordert!“ Jedoch. Leider. O. antwortet nicht. O. schweigt.

Erst spätnachmittags am 30.12.2015 hörst Du wieder von O. „Ich liebe dich. Schick mir Bilder!!!“ schreibt er während Du gerade mit Deinem Mann und Deinem Sohn bei Tee und Lebkuchen zusammen in der Küche sitzst. „Ich konnte keine neuen machen!“ tippst Du mit dem Handy unter dem Tisch. „Dann schick mir alte!!!!“ schreibt O. „Irgendwelche!!! Ich brauche das jetzt!!!“ – „War heute Chemo?“ fragst Du ahnend. „Ja!!!“ antwortet O. „Und der Lolo geht’s schon wieder so schlecht dass sie morgen ne Bluttransfusion bekommt!!!“ – „Oh nein!“ schreibst Du, bemüht, Deine Bestürzung vor Deinem Mann und Deinem Sohn zu verbergen. „Ist super scheisse!“ schreibt O. „Und jetzt schick mir endlich Fotos. Ich will gleich noch wichsen und sie mir dabei anschauen!!!!“ Du zögerst. Denn Du würdest O. so gern auf andere Art helfen. Aber Du weisst dass das nicht geht. Also tust Du was er verlangt. Schickst Bilder von Deinem Körper in der zerrissenen Jeans. „Danke!!! Du bist einfach megageil!!!!“ schreibt O. nachdem er sie bekommen hat.

Am 2. Januar 2016 kommen die von O. so sehr ersehnten Leggings mit der Post bei Dir zu Hause an. Und O. ist vollkommen elektrisiert, als er erfährt, dass Du das Paket erfolgreich abgefangen hast. „Babe!!!“ schreibt er und hängt seiner Nachricht vier flehende Whatsapp-Hände an, „BITTE pack sie aus und zieh sie an!!! – „Ich bin nicht allein zu Hause!“ antwortest Du. „Bitte versuche es trotzdem!!!“ schreibt O. „Ich muss dich unbedingt in dieser Hose sehen!!!“ – „Ok“ antwortest Du, eilst ins Schlafzimmer, holst die schwarzen Peeptoes aus ihrem Versteck, hastest ins Badezimmer, sperrst Dich ein, zerrst Dir die Alltagskleider vom Körper, schneidest das Päckchen mit der Nagelschere auf, reisst die Leggings heraus, schlüpfst hinein, steigst in die Highheels, nimmst das Smartphone und machst Bilder, Bilder, Bilder für O. Rittlings auf dem Rand der Badewanne sitzend. In Hockstellung auf dem dunklen Fliesenboden. Lasziv an die Duschkabine gelehnt. Bis Dein Sohn an die Tür klopft und fragt ob alles ok ist im Bad …

„Ja, mein Zarewitsch!!!“ flötest Du nach draußen. Dann nimmst Du Dein Smartphone und schreibst: „Ich hab die Leggings jetzt fotografiert! Ich schick die Bilder, ok?“ – „Nein!!!“ antwortet O. „Ich möchte dich das erste Mal live in den Sachen sehen!!! KEIN Foto jetzt!!!“ – „Aber es war Dir doch so wichtig!!“ protestierst Du fassungslos während alle Energie aus Deinem Körper weicht. „Das war ein Test!!!“ antwortet O. Kalt. Unerbittlich. Vollkommen kontrolliert. „Ich wollte wissen ob du mir noch gehorchst!!!“ – “ Und? Weisst Du es jetzt??“ schreibst Du. „Ja Babe!“ antwortet O. „Wann sind die Ferien vorbei?“ – „Am 8. Januar bin ich wieder alleine hier“ schreibst Du. „Dann komme ich am 8. Januar zu dir!!“ antwortet O. „Gegen 9 Uhr. Würdest du dich dann bitte im Gesicht stark schminken? Mit richtig viel rotem Lippenstift?“ – „Ja ok“ schreibst Du und starrst vor Dich hin. Resigniert. Traurig. Leer. Weil Du plötzlich weisst: Egal, was passiert. Egal, was Du tust. SO werden O.s Spiele mit Dir immer weiter gehen …

Zum Ende der Weihnachtszeit, vom 5. auf den 6. Januar 2016 ereignet sich nochmals eine spektakulär fluoreszierende Winternacht. So erleuchtet, so lukulent, dass man fast glauben könnte, das sagenumwobene Nordlicht zu sehen. Wieder bleibst Du lange wach und beobachtest bizarr geformte Wolkenfelder, die mit rasender Geschwindigkeit über den funkelnden Sternenhimmel treiben. Und tatsächlich schreibt O. Dich in der Morgenfrühe, kurz vor Helligkeitsbeginn an. „Guten Morgen meine Mega sexy Lady!!!“ textet er. „Ich wünsche dir einen wunderschönen Feiertag!!! Ich denke die letzten Tage sehr sehr viel an dich!!! Meine Sehnsucht nach dir wird immer unerträglicher!!! Ich liebe dich!!!“ – „Oh Süsser! Es geht mir ganz genauso!“ schreibst Du beglückt zurück. „Ich freue mich schon so sehr darauf Dir endlich die schwarzen Leggings zu zeigen!“ – „Ich kann es jetzt wirklich kaum mehr erwarten dich darin zu sehen!!!“ antwortet O. „Und ich muss dir ehrlich gestehen dass ich Riesenlust darauf habe dich dann etwas härter ranzunehmen!!!“

„Wow!!“ antwortest Du. „Ich sehne mich so danach Dich zu spüren!“ – „Babe“ textet O. schwelgerisch, „es wird geradezu unglaublich werden wenn du in Highheels und Leggings vor mir stehst!!! Es wird mich wegtragen!!!“ Du antwortest nicht gleich. „Erstmal werde ich dich zärtlich küssen!!!“ schwärmt O. weiter. „Und dann werde ich in die Leggings mit meinem Taschenmesser einen kleinen Schlitz reinmachen bevor ich sie dann aufreisse!!! Das wird der absolute Wahnsinn für mich!!!“ – „Für mich auch!“ antwortest Du. „Babe“, schreibt O. wieder, „ich halte es nicht mehr aus!!! Schick mir bitte sofort die Bilder die du von der Leggings gemacht hast. Ich brauche das jetzt!!!“ – „Ok“ antwortest Du. Dann klickst Du Dich gehorsam in die Galerie von Deinem Smartphone, wählst 22 Bilder aus und sendest sie. „Ursula ich liebe dich!!!“ schreibt O. nach einer kleinen Weile zurück. „Ich hatte nie eine unglaublichere Frau als dich!!! Übermorgen kannst du mich glücklich machen!!!“ – „Das werde ich mein Gebieter!!!“ antwortest Du ….