About „Empathy“

Das Jahr 2017. In dem Du von O. mit wundervollen, gefühlsintensiven Chats verwöhnt wirst. Und DAS grosse, einzigartige, alles-in-den-Schatten-stellende Date mit ihm erlebst. Und Situationen tiefster Verbundenheit und wahrer Nähe. Auch dieses Jahr hält dennoch und trotz alledem Unsäglich-Unerträgliches für Dich bereit. Zum Beispiel Ende April. O. macht zu dieser Zeit ein weiteres Mal Ferien auf Lanzarote, zusammen mit Lolo. Und schickt Dir am dritten Abend seines Aufenthalts Bilder von einer jungen Frau mit langem, glattem, tiefschwarzem Haar. Irgendwo, zwischen Lavagestein und Sanddünen posiert sie für Erotik-Selfies. In einem semi-transparenten, cayenne-roten Off-Shoulder-Top, das ihre üppigen Brüste und eine Vielzahl von schwarz geränderten Pentagramm-Tattoos mehr ent- als verhüllt. „Mich hat hier ne Servicekraft angemacht“ schreibt O., während Du Dich am Küchentisch festhältst und mit Schnappatmung kämpfst. „Die spricht perfekt deutsch und hat mich von Anfang an dauernd angeschaut!“

„Oh. Sie ist viel schöner als ich“ antwortest Du. „Die ist noch total jung!“ fabuliert O. „Hat mir ihre Handynummer zugesteckt und auch schon ne Menge Bilder und sogar ein paar Videos für mich gemacht! Magst eins haben?“ – „Vielen Dank. Jetzt nicht!“ antwortest Du. „Schade. Hätte ja sein können das es dich scharf macht!“ schreibt O. „Im Moment nicht“ antwortest Du. „Wie soll es denn jetzt weitergehen?“ – „Ich chatte gerade total geil mit ihr!“ schreibt O. im Vollgefühl seiner Omnipotenz. „Werde sie aber nicht ficken! Nicht das die mich dann abzocken will! Wenn ich zurück bin besuche ich dich und lass es mir so richtig von dir besorgen!!!“ – „Ok“ schreibst Du und registrierst voller Qual, dass O. bereits wieder in ein anderes Chatfenster geswitcht ist. In DAS Chatfenster, in dem es gerade heiss und vulkaninselmässig zur Sache geht, während Du Dich frierend und fröstelnd auf Deiner Küchenbank zusammenkrümmst und Dir selbst als die letzte, die unattraktivste Frau auf Erden erscheinst …  CUT!!!

In der ersten Hälfte des Jahres 2017 erlebst Du ferner ein „Date“, bei dem O. Dich für genau 11 Minuten bei Dir zu Hause besucht, ratz-fatz das schwarze, neu gekaufte Netzminikleid auf Deinem Körper zu elend herabhängenden Garnresten zerwirkt und Dich auf dem Wohnzimmerteppich so hart von der Seite nimmt, dass Du schlussendlich wie ein frisch erlegtes, waidgerecht ausgenommenes Reh vor ihm liegst. Unfähig auf die Beine zu kommen, während er in seine Kleider schlüpft und wortlos geht. Als 30 Minuten später dein Handy piept, musst Du auf allen Vieren zu dem Korbstuhl kriechen, wo es landete, als O. ins Haus kam. Und mit Mückenschwärmen vor den Augen lesen: „Ursula, ich habe so ein schlechtes Gewissen und fühle mich schlecht gegenüber der Lolo!!!  Ich kann ihr das nicht mehr antun!!! Ich liebe dich und es ist unbeschreiblich schön mit dir! Aber ich schaff das nicht mehr! Ich zerbreche daran!!“ – „Ich versuche zu verstehen!“ tippst Du mit erstarrenden Fingern. Danach erfolgt ein zehntägiges Schweigen … CUT!!!

Ende Juni 2017, am Tag nach Deinem Geburtstag, zu dem O. Dir wie jedes Jahr NICHT gratuliert hat, verunglückst Du mit Deinem Fahrrad in einem Wäldchen am Flusshochufer nahe Deiner Stadt. Beim Versuch, einem Spaziergänger mit grossem Hund in letzter Sekunde auszuweichen, überschlägst Du Dich mit dem Rad und ziehst Dir im Schotter schwere Knieabschürfungen, Prellungen und eine leichte Gehirnerschütterung zu. Du musst ambulant versorgt und mit fremder Hilfe heimgebracht werden. Aber O. reagiert kalt und abweisend, als Du ihm abends, lädiert im Bett sitzend, Dein Leid klagst. „Tja. Da werden wir unsere Sexspielchen in nächster Zeit nicht durchziehen können!“ schreibt er. „Ich wäre gerne demnächst mal auf nen Fick bei dir vorbeigekommen. Aber so lange deine Knie SO aussehen … !“ – „Mit ein wenig Rücksicht würde es schon gehen“ antwortest Du in hemmungsloser Selbsterniedrigung. „Ursula es reicht mir jetzt aber mit deiner Spinnerei!“ schreibt O. „Hör sofort auf oder ich blocke dich für ein paar Tage!!!“ … CUT!!!  

O. ist eben zu Empathie nicht fähig, denkst Du Dir nach all solchen Erlebnissen. Er kann sowas wie Mitgefühl halt einfach nicht empfinden. Basta. Aber dann gibt es wieder diese ganz anderen Momente, die das Basta Lügen zu strafen scheinen. Zum Beispiel in den Faschingsferien 2017. Während Dein Mann und Dein Sohn miteinander im Skiurlaub sind, liegst Du über Tage hinweg mit hohem Fieber im Bett. Allein. Dir selbst überlassen. Unversorgt. Wäre, ja wäre da nicht O. Tatsächlich. O., der sich kümmert. O., der sich Sorgen um Dich macht. O., der alle zwei Stunden rund um die Uhr via Whatsapp nachfrägt, wie es Dir geht. O., der am vierten Deiner Fiebertage energisch dafür sorgt, dass ein Bereitschaftsarzt bei Dir vorbeikommt. O., der Dir nachts ein 50.- Euro-Kuvert in den Briefkasten wirft, damit Du Bargeld im Haus hast, für alle Fälle. O., der Dir schreibt: „Babe, ich habe solche Angst dich zu verlieren!!! Ich brauche dich einfach soooo sehr! Bitte bleibe im Bett bis du richtig gesund bist! Ich liebe dich!!!“ … NO CUT!!!  

Oder die Tage und Nächte im August 2017. Um Deinen mittlerweile fast 14-jährigen Sohn auf ein Outdoor-Survival-Projekt seiner Schule vorzubereiten, verbringst Du mit ihm eine Woche auf einer Zeltwiese an einem der grossen Seen im Umland Eurer Stadt. Ihr übt miteinander Fahrradtaschen zu packen, Routen ohne Navy zu finden, das Zelt windgeschützt aufzustellen, einen Gaskocher zu benutzen und manches mehr. Tagsüber streift Ihr mit den Fahrrädern durch Schilfgebiete und Moorland, nachts hört Ihr in Euren Schlafsäcken durch die dünnen Membranwände Eures kleinen Wigwams Frösche quaken und Grillen zirpen. Es ist für Dich eine wunderschöne, wertvolle Zeit. Du bist dankbar für jede gemeinsame Minute mit deinem Sohn. „Wurzeln, Flügel, Wakan-Tanka“ denkst Du, ganz glückliche Indianer-Mom. „Alles ist wunderbar“. Und, das liegt auch an O., der sämtliche Phasen deiner Visionssuche für Mutter und Sohn nicht nur teilnahmsvoll verfolgt, sondern sie regelrecht mitlebt. Fasziniert. Intensiv. Stets dicht dabei.

„Wie geht es euch denn? Ich drück euch die Daumen das alles gut läuft! Passt auf euch auf heute beim Radeln! Vom Wind könnten Äste auf euch runter kommen! Bitte melde dich wenn ihr am Zeltplatz zurück seid!“ So ähnlich schreibt O. fast jeden Morgen, während Du zusammen mit deinem Sohn beim Trekkingfrühstück im Gras warmen Hafermilch-Couscousbrei löffelst und dabei Radwanderkarten studierst. Anders als Dein Mann, der zu Hause ganz einfach sein Leben als Kurzzeit-Single geniesst, scheint O. getrieben von ständiger Sorge um Dein und Deines Sohnes Wohlergehen. Er wittert Gefahren. Ahnt dräuendes Unglück, bei fast allem, was Du tust. „Fahrt nach Hause!!! Das Wetter schlägt heute noch um!!! Lasst euch doch abholen! Ich glaube das alles ist viel zu heftig für euch!!“ – „Es geht uns aber wirklich gut!“ antwortest Du dann, stets mühsam begreifend, dass dies die dramatischen Gefühle desselben Mannes sind, der bisher nicht genug davon haben konnte, Dich zu quälen und leiden zu sehen. „Ich werde ihn niemals verstehen“ denkst Du.

Dass die Outdoor-Zeit mit Deinem Sohn ungeahnt tief an die Klüfte und Krater von O.s verwundbarem Inneren heranreicht, erweist sich ganz besonders in der Nacht vom 17. auf den 18. August 2017, als in den Frühmorgenstunden ein schweres Gewitter über der Region Deines Aufenthalts niedergeht. „Könnt ihr denn schlafen bei diesem Wetter?“ schreibt O. um 3.30h. „Es regnet doch dauernd und ist kalt! Ich bin schon ganz lange wach und denke an euch!!!“ – „Das ist total lieb von Dir!“ antwortest Du mit dem Handy unter dem Trekkingfleece. „Es donnert seit Stunden und Nässe kommt rein! Aber der Kleine schläft tief und fest!“ – „Wirklich?“ tippt O. „Ja. Wirklich!“ antwortest Du. „Herr des Himmels!“ schreibt O., und Du spürst, dass er enorm aufgewühlt ist. „Kinder sind um ihren Schlaf ja so sehr zu beneiden!!!“ „Das stimmt“ antwortest Du. „Und wenn einer so ne tolle Ma hat wie dein Kleiner“ eifert O. weiter, „dann hat er sowieso das ganz grosse Los im Leben gezogen! Glaub mir! Ich weiss von was ich rede!!!“ – „Das ist mir klar!“ antwortest Du.

„Ich kann das jetzt nicht so gut erklären!“ tippt O. aufgeregt weiter. „Aber dein Kind mit dir heute Nacht! Bin mir sicher auch wenn es grad schläft das wird es sich immer dran erinnern was das für ein Wetter war!!! Und wie du dich um ihn gekümmert hast! Das wird für ihn garantiert unvergessen bleiben!!!“ – „Entschuldige bitte. Mein Geschriebenes ist gerade wohl recht durcheinander!!!“ fügt er hinzu, ehe Du antworten kannst. „Ich meinte nur man vergisst nicht alles was man als Kind mal erlebt hat!“ – „Ja!“ antwortest Du. „Ich habe als Kind kein einziges Mal was mit meiner Mutter gemacht“ schreibt O. nach einer kleinen Pause, in der Du fühlst, wie sich Schmerz, Trauer und Schwermut in Deinem Sommerschlafsack um Deinen Körper herum ausbreiten. „Also keinen gemeinsamen Tag Abenteuer oder ähnliches. Und wenn ich die ganzen Kinder beim Baden so sehe… was die alles schon können und mit ihren Eltern unternehmen… da werd ich schon ganz schön wehmütig!“ – „Ich verstehe Dich!“ schreibst Du hinaus in das apokalyptische Donnergrollen, draussen über Deinem Zelt.

„Ich weiss dass Du eine sehr sehr schwere Kindheit hattest. Und ich bewundere es wie Du darüber hinweg gekommen bist. Sehr.“ – „Ja … aber auf das wollte ich nicht hinaus … “ antwortet O. „Eher wie schön ich es finde das es viele Kinder heute gibt die solche schönen Erlebnisse haben. So wie dein Sohn. Ich hatte viel Pech zum Start meines Lebens. Aber dann auch viel Glück. Und sich viel selber beizubringen und früh auf eigenen Beinen zu stehen ist auch ein „Erlebnis“!“ – „Das war Deine Stärke“ antwortest Du. „Ja“ schreibt O. „Aber jetzt versuch du noch bisserl zu schlafen!!! Ich stehe jetzt auf. Heute kommen zu uns Schreiner zum Schränke einbauen. Und da muss ich noch bisserl aufräumen!“ – „Ok mein Gebieter!“ antwortest Du, obwohl Du den Chat mit dieser so aussergewöhnlich offenen, berührbaren und mitteilungsbedürftigen Version von O. natürlich gerne noch fortsetzen würdest. „So gefällst du mir meine Sexgöttin!“ schreibt O. „Ich möchte das du für immer und ewig meine Schlampe und Sklavin bleibst und meine verrückten Wünsche erfüllst. Und wenn du wieder daheim bist besuche ich dich bald. Ich freue mich nämlich unglaublich darauf dich wiederzusehen!!“

„Ich freue mich auch!“ antwortest Du und horchst nach draussen. Das Unwetter ist weitergezogen. Es grummelt noch leise vom fernen, gegenüberliegenden Rande des Sees. Aber die bedrohliche Situation ist vorbei. Die ersten Vogelstimmchen erwachen. Du weisst: vor deinem Sohn und Dir liegt ein wunderschöner Tag. „Danke O.“ denkst Du, während Du Dich tief in all Deine Pullis und Decken vergräbst. „Danke“. Dann schläfst Du ein … NO CUT!!!

 

Incomplete

Mittwoch, 17.9.2014 23.30h. Während Dein Mann und Dein Sohn schlafen, sitzst Du in dem kleinen Arbeitszimmer im Dachgeschoss Eures Hauses vor dem PC. Du folgst dem Ratschlag Deines Freundes und befragst das Internet zum Thema Emotionale Instabilität. Tatsächlich, der Wikipedia-Eintrag ist sehr gut. Vor allem aber leitet er Dich weiter zu einem anderen, alarmierenden Begriff: Borderline-Syndrom beziehungsweise Borderline-Persönlichkeitsstörung. Bisher dachtest Du das sei ein Problem von sehr jungen Frauen, die sich die Unterarme mit Rasierklingen ritzen. Im Umfeld Deines Sohnes gab es einmal ein solches Mädchen … Nun aber lernst Du schnell dazu. Es gibt viele, sehr viele Informationen zu dem Thema. Ja, sehr oft sind Frauen betroffen. Aber männliche Erkrankte gibt es auch. Bei ihnen stellt sich die Störung anders dar. Sie ritzen sich nicht, sondern sind eher gewalttätig gegen Andere … Betreiben Extremsport … Rasen nachts mit dem Auto … ODER suchen spontanen, ungeschützten Sex, um sich selbst und ihren Körper zu spüren …

Ein quälendes, angstauslösendes Gefühl der inneren Leere scheint allen Betroffenen gemeinsam zu sein. Sie zu füllen, mit intensiven Erlebnissen und Emotionen, oder ihr zu entfliehen, in Abenteuer und Kicks, der Motor ihres Handelns. Es wird eine lange Nacht vor dem PC. Deine Recherche führt Dich zuerst in die Welt der tragisch verstorbenen Schauspieler und Rockstars. Amy. Kurt. Heath. Jim. Jimi. Janis. Aber auch: Maria Kwiatkofski. Jennifer Nitsch. Die Liste ist endlos. Ein Psychologe namens Borwin Bandelow hat ein Buch über ihrer aller Borderline-Syndrom geschrieben. Er nennt es „Wahn der Kreativen“. Aber Du gelangst auch auf weniger glamouröse, sehr fundierte Seiten zum Thema. Du lernst psychologische Spezialbegriffe kennen: Abwehrmechanismus. Spaltung. Projektion. Primitive Idealisierung. Grandiosität. Die Diagnose-Kriterien des DSM-IV. Und schließlich entdeckst Du die Blogs und Foren für Menschen, die jemanden lieben der vom Syndrom betroffen ist. Im weitesten Sinne also für jemanden wie Dich …

Typischerweise beginnend als spontaner Höhenflug wechselseitiger Inspiration und Verzückung. Oft auch als vorher nie gekannter Rausch erotischer Gesinnungsgleichheit. Abenteuerlich. Wild. Elektrisierend. Dann mündend in eine lange Achterbahnfahrt zwischen Traum und Alptraum, zwischen Vergötterung und Verdammnis. Belastet von symbiotischen Phantasien, Verlustängsten und Fluchtreaktionen. Irgendwann, nach einer typischen Halbwertszeit von 16 bis 18 Monaten dramatisch, schmerzvoll scheiternd. So berichtet das Internet. Es schildert eine spezielle „Borderline-Dynamik“, die derartige Liebesbeziehungen prägt, nämlich den Kreislauf von Idealisierung und Abwertung des erwählten Partners durch den vom Syndrom betroffenen Menschen. Und nennt auch Gründe für dessen chaotisches, verletzendes Verhalten. Gründe, die in der Kindheit liegen. Einer Kindheit, in der Vertrauen und Geborgenheit nicht erlebt wurden, in der Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung waren. Einer Kindheit … wie O. … sie vielleicht hatte?

Samstag, 20.9.2014. 9h. Ein regnerischer Samstagvormittag. Du machst Ordnung im Kleiderschrank Deines Sohnes. O. hat tagelang geschwiegen. Nun aber piept Dein Handy. „Würde gerne Deine Brüste berühren!!“ schreibt O. „Das wäre sehr schön!“ antwortest Du. Schweigen. Zwei Stunden später: „Du müsstest aber Schuhe, Strümpfe und deine schwarze Jet-Perlenkette dazu anhaben!“ schreibt O. „Kein Thema!“ antwortest Du. Erneut längeres Schweigen. Dann: „Es ist mir extrem wichtig dass Du diesmal nen richtig heftigen Orgasmus kriegst!“ schreibt O. „Wie lang glaubst Du dass es dauern würde?“ – „Wenn ich es mir auf Deinem Schoss selber machen darf während Du meine Titten küsst ca 4 Minuten“ antwortest Du. „Ok, Drecksau!“, schreibt O., „kannst Du um 19h da sein?“ – „Wo müsste ich denn da hin kommen?“ fragst Du. „Zum Haus“ schreibt O. „Den Weg wirst Du ja hoffentlich alleine finden!“ – „Doch“ schreibst Du. Erneutes Schweigen. Du schwebst in Ungewissheit. Suchst nach der Halskette. Legst Strümpfe bereit. Atmest durch …

Wieder piept Dein Handy. „Gehts bei Dir auch um 17 Uhr?“ fragt O. „Oder jetzt gleich in einer halben Stunde?“ – „Ja“ schreibst Du, während Du hektisch Halsschmuck und Strümpfe in Deine Tasche wirfst. „Dann dusch Dich schnell, dreckige Schlampe, und schreib mir wenn Du bei der Parkbank bist. Ich öffne die Garage.“ 16h30. Frisch gestylt und atemlos kommst Du mit dem Rad zur Parkbank. „Bn da“ simst Du mit zittrigen Händen. „Ok!“ schreibt O. Du nimmst mit dem Fahrrad die kurze Wegstrecke, die Du vor elf Tagen zu Fuss gegangen bist, im Polizeigriff von O. Findest das Haus. Fährst direkt in die Garage. Noch während Du das Fahrrad neben dem braunen Geländewagen abstellst, gleitet hinter Dir das Tor ins Schloss. Die Verbindungstür zum Haus wird einen Spalt weit aufgemacht. O., durchscheinend blass, mit tiefen Augenschatten, winkt Dich herein. Er ist barfuss, trägt glatte, cognacfarbene Chinos und einen braun-beige gestreiften Oversize-Pullover aus einem sehr, sehr weichen, federleichten Gewebe.

„Sooo verletzlich!“ denkst Du und empfindest eine seltsame Wehmut, als Du mit den Fingern flüchtig über den zarten, musselinartigen Stoff auf O.s Schulter streichst. „Lass uns hochgehen, Kleine“ flüstert O. und legt Dir seine Hand in den Nacken. Die Absätze Deiner Stiefeletten klacken auf den breiten Stufen der Treppe aus Eichenholz. Im Vorbeigehen versuchst Du einen Blick auf die Bilder im Treppenhaus zu erhaschen, aber O. bemerkt Deine Absicht und drückt Dir den Kopf so tief nach unten dass Du fast nichts wahrnehmen kannst. Dennoch erkennst Du auf einem Bild ein halb zerstörtes Haus, das auf einer Spiralfeder aus einer Schachtel springt. Andere zeigen Zungen, die aus aufgerissenen Rachen ragen und Gebisse, die aus Mündern fliegen. Im Besuchszimmer starren Dich einige der vielen Puppen, die in der Ecke auf dem Boden liegen, aus toten Augen unverwandt an, während andere leer zur Decke blicken. „Wo kann ich mich umziehen?“ fragst Du. O. weist Dir stumm den Weg zu einem Gästebadezimmer.

Hier ziehst Du Dein Volant-Top aus und wechselst von der Jeans in die halterlosen Strümpfe. Mit klackenden Absätzen und der Glasperlenkette in der Hand gehst Du zurück zu O. „Bitte mach sie mir rum“ sagst Du. O., nackt und erregt, tritt hinter Dich. Du erschauerst ein wenig, als Du seinen Schwanz hart und groß an Deinem Po spürst, während er sorgfältig den Collierverschluss in Deinem Nacken zusammenclipst und den Sitz der einzelnen Perlen rund um Deinen Hals herum kontrolliert. „So, Du Schlampe. Jetzt komm her und hols Dir!“ sagt er und lässt sich mit Dir zusammen auf das grellrote Sofa fallen. „Zeig mir endlich wie Du’s am Liebsten hast!“ „Ok“ sagst Du, kniest Dich über ihn und schiebst ihn mit Deinen Beinen sanft in eine halbsitzende Position. Küsst ihn auf den Mund. Presst Deine Knie von aussen gegen seine Hüften. Hältst Dich mit der linken Hand an der Sofalehne direkt neben O.s Kopf fest, greifst mit der rechten zwischen Deinen Beinen durch und tastest nach O.s Schwanz. Spürst wie er in Deiner Handinnenfläche pulsiert und größer wird.

„Halt meine Titten fest“ sagst Du und lässt die Spitze von O.s Schwanz langsam von hinten nach vorne durch Deine feuchten Schamlippen gleiten. „Halt sie fest und küss sie, dann siehst Du wie schnell es mir kommt!“ Du reibst Dich ein wenig schneller an O.s Schwanz, spielst mit seiner gekrümmten Spitze an Deiner Klit, nimmst ihn zur Hälfte in Dein Inneres hinein und reitest ihn dann wieder von außen. Es geht alles sehr gut. Deine Bewegungen verselbständigen sich. In den Tiefen Deines Körpers baut sich ein Orgasmus auf. Genau in dem Moment aber, in dem Du damit beginnen willst es alles aus Dir heraus zu lassen, beißt O. Dich mit voller Härte in die linke Brust. Ein unglaublicher Schmerz wandert von der Biß-Stelle aus wellenartig durch Dich hindurch. Irgendwie gelingt es Dir, den dazu gehörenden Schrei in einen vorgetäuschten Orgasmus umzuwandeln. Du legst Deine Stirn in O.s Halsbeuge und stöhnst. Laut und tief. Es gefällt ihm.

„Babe, das machen wir jetzt öfter so!“ sagt er und schiebt Dich von sich weg. „Danke für das geile Gestöhne! Zieh Dich an. Mehr will ich heute nicht von Dir.“ Schmerzbetäubt und fassungslos schaust Du ihn an. Aber bevor Du noch irgendetwas sagen oder tun kannst, steht er auf und geht hinaus. Dir bleibt nichts Anderes übrig, als Dich alleine wieder umzuziehen. In seinen Pullover gehüllt steht O. an der Verbindungstüre zur Garage, als Du die Treppe herunter kommst. Scheu, mit gesenktem Blick versuchst Du Dich an ihm vorbeizudrücken. Doch da fasst O. Dich bei den Schultern, schaut Dir in die Augen und küsst Dich auf den Mund. „Danke Kleine“ sagt er. „Komm gut heim“. „Mach ich“ sagst Du und gehst hinaus. Auf der Strasse erreicht Dich sehr bald eine Sms. „Du bist die Beste, Babe!!! Bin grade super gekommen!!“ schreibt O. „Freut mich“ antwortest Du, noch immer leicht benommen. Abends siehst Du im Badezimmerspiegel, dass O.s Zahnreihe sich um Deine linke Brustspitze herum abgedrückt hat. „Souvenir“ denkst Du und weinst NICHT.      

Strange Attractors

Dienstag, 12.8.2014 Du überlegst. Ein Mann der spontan ist. Der Risiko und Überraschung liebt. Der eine Frau zu nehmen weiss und den ein dunkles Mysterium umgibt – hast Du davon nicht immer geträumt? Wieder versuchst Du Dich an O.s Gesicht zu erinnern, das Du nachts im Auto im Schatten der Basecap leider auch letztes Mal nur schlecht erkennen konntest. Er hatte kein einziges Mal gelächelt. Blass hatte er ausgesehen, keineswegs wie jemand der fünf Tage unter südfranzösischer Sonne verbracht hat. Eher im Gegenteil. Wie jemand der in grosser Dunkelheit lebt. Abend. „Willst schnell genommen werden?“ schreibt er. Du aber bist auf dem Konzert der grossen Rock-Poetin Patti Smith die heute IN TOWN ist. Zusammen mit vielen Menschen stehst Du nahe bei der Bühne auf der SIE, die so viel mehr ist als ein Rockstar, nämlich eine grosse Schamanin, ihr langes, graues, schimmerndes Haar schüttelt und wie eine verletzte Wölfin den Mond anheult. Sie gibt Dir Kraft. Die Kraft einer wilden, spirituellen Frau. Genau das was Du brauchst.

Mittwoch, 13.8.2014 Feuchtschwüles, wolkenverhangenes Wetter. Der Sommer hat etwas von seinem Glanz verloren und die Zeit scheint zäh und langsam zu vergehen. Aber Du bist noch sehr erfüllt von Deiner Begegnung mit der Hohenpriesterin des Rock. Diese grosse, unfassbare Göttin! Wie sie auf die Bühne spuckte! Wie sie tanzte! Wie sie baritonal sang! Ein Mann, eine Frau, ein Tier? Alles zusammen? Wie sie Geister und Tote beschwor! Wie sie das Leben feierte! Wie sie die Saiten ihrer E-Gitarre zerriss! Du bist glücklich. Abends meldet sich ein gelangweilter O. Gern würdest Du Dein Erlebnis mit ihm teilen, ihn fragen, welche Rockstars ihn durchs Leben tragen, was der Soundtrack seiner Tage ist. Er aber will nur wissen ob Du erotische Slips hast die Du für ihn fotografieren kannst. Eilig holst Du Deinen einzigen Pearl-String aus seinem Versteck, wirfst ihn aufs Bett und machst ein paar Bilder. „Warum hast ihn nicht angezogen?“ fragt O. als Du die Bilder sendest. „Mach das bald Babe, sonst kann ich Dich nicht mehr ficken!!“

Donnerstag, 14.8.2014 Nachmittag. Sommerfest im Wald, im Ferienlager Deines Sohnes. Dein Handy piept. „Hallo meine sexy Kleine!“ schreibt O., „Ich will Dich!!!“ Du versprichst ihm Dich zu melden sobald Du von dem Fest zurück bist. 18h. „Wo bleibst Du?“ schreibt O. ungeduldig. „Ich schaff es heute nicht, gehts vielleicht morgen?“ antwortest Du. „Vergiss es, Schlampe!!!“ schreibt er zurück. „Für das was ich von Dir will brauch ich nur 20 Minuten!!! Wenn Du nicht mal das schaffst, dann lass es!!!“ Du bist empört. Es rauscht in Deinen Ohren als Du mit zitternden Händen schreibst: „Ok. Dann treff ich morgen eben jemand anderen der sich freut mehr Zeit als 20 Minuten mit mir zu verbringen!“ – „Dann lass es Dir nur schön besorgen, dreckige Nutte!!!“ kommt es zurück. „Du bist für mich sowieso nur eine mehr die billig hergeht! Glaub mir, es waren sehr sehr viele Frauen die ich in meinem Leben hatte! Affären, paar kurze Beziehungen und viele viele One Night Stands!!! Denk bloss nicht dass Du was Besonderes für mich bist!!!“

Freitag, 15.8.2014 Zeit zum Nachdenken. Viele Frauen hatte er also, Dein geheimnisvoller neuer Freund, dessen Nachnamen Du immer noch nicht weisst. Sehr viele Frauen. Nicht dass Dich das überraschen würde, im Gegenteil, Du hast es geahnt. Die Art in der es Dir mitgeteilt wurde war dennoch ein Schock für Dich. Kalt. Rücksichtslos. Schmerzhaft. Eigentlich sollte es das jetzt gewesen sein, denkst Du. In den Abendstunden greifst Du trotzdem zum Handy. Du schreibst: „Natürlich habe ich es mir heute von niemandem besorgen lassen. Obwohl ich sogar einen Prosecco danach bekommen hätte!“ Und siehe da, O. antwortet. Offen. Dankbar. „Brauchst Du Zärtlichkeit?“ fragt er. „Was würdest Du als liebevoll empfinden?“ „Schildere mir bitte Deine Traum-Nummer!“ Und er ist ehrlich. „Ich will dass Du mein Arschloch leckst wenn wir uns wiedersehen!!!“ schreibt er. „Du musst es ganz, ganz intensiv machen während ich über Dir knie! Ich brauche das ganz dringend! Ich werde es Dir nie vergessen wenn Du das für mich tust!!!“ Du versprichst es ihm. Dann ist Dein Handy-Guthaben zu Ende.

Samstag, 16.8.2014 In der Nacht hast Du tief und traumlos geschlafen. O.s Offenheit von gestern abend hat Dich sehr bewegt. Nie hat ein Mann Dir in so rührender Weise seine Verletzlichkeit offenbart und seine intimsten Wünsche anvertraut. Selig schaltest Du Dein Handy ein um die intensive Nähe des nächtlichen Chats noch einmal zu erleben. Vom Display ergiesst sich jedoch eine Flut von aggressiven Sms über Dich. Offensichtlich wurden sie tief nachts geschrieben. „Sag mal spinnst Du völlig!!!“ heisst es da. „Warum schreibst Du nicht zurück?“ „Ich hab keine Lust mehr auf Deinen Scheiss!!!“ Eiligst besorgst Du eine Guthabenkarte und versuchst dann mit immer neuen Worten zu erklären dass Du ein technisches Problem hattest und wie viel Dir Euer Chat bedeutet hat. Dass es Dir leid tut. Nie wieder vorkommen wird. Dass Du O.s Wünsche verstehst und erfüllen wirst. Gerne erfüllen. Den ganzen Tag über laufen Deine Sms ins Leere. Erst spät Abends bekommst Du eine Antwort: „Ich liebe Dich“. Mehr nicht. Aber Du atmest auf.

Sonntag, 17.8.2014 Du scrollst noch einmal durch den letzten Chat mit O. Verschaffst Dir einen Überblick über seine sexuellen Wünsche. Ein Rim-Job soll es also sein für ihn. Rimming, Anilingus, oder, wie er es in seiner direkten Art sagt: „Ich will dass Du mein Arschloch leckst!!“ Er hat genaue Vorstellungen: „Du musst Eier und Arschloch richtig mit Zunge und Lippen lecken! Keine halben Sachen!!!“ Du versuchst es Dir vorzustellen, schließlich hast Du so etwas noch nie gemacht. Wirst Du es können, so dass es ihm auch wirklich gefällt? Dann das andere Thema: „Ich will Dich hart von der Seite nehmen. Dich vollspritzen!!! Dann will ich aufstehen und gehen!!!“ Gehen, ohne Dich in den Arm zu nehmen. Gehen, ohne Dich zu küssen. Ohne Dich anzuschauen. Gehen ohne ein Wort. Gehen nach maximal zwanzig Minuten. Das ist es was er will. Gehen. Oder Dich rauswerfen, aus seinem Auto, seinem Haus. Dich wegschicken nach dem Sex, ohne Abschied, ohne Zärtlichkeit. Es tut Dir jetzt schon weh. Ob Du DAS können wirst? Du weisst es nicht.

Montag, 18.8.2014 Es arbeitet in Dir. Von allen Ideen, Forderungen und Phantasien die O. bisher vor Dir ausgebreitet hat ist dies die Härteste: stumm auseinander gehen nach dem Sex, ohne eine Geste der Anerkennung, ohne ein Zeichen der Verbundenheit. Warum ist gerade das so wichtig für ihn? Und: betrifft diese Phantasie nur Dich? Weil Du eine Nutte bist, in seinen Augen? Oder macht er es mit jeder Frau so? Du schreibst ihm. „Kann ich Dich was fragen, BITTE?“ – „Frag“ kommt es schroff zurück. „Wenn ich mal weinen muss nach einer harten Nummer mit Dir“ schreibst Du, „wenn es mir richtig schlecht geht, tröstest Du mich dann?“ – „Nein!!!“ schreibt er. Dein Herz klopft wild. „Und warum nicht?“ fragst Du. „Erklär mir Deine Härte!“ Aber O. antwortet Dir nicht. Mühsam begreifst Du: er wird Dir niemals entgegen kommen. Er wird niemals einen Kompromiss machen, niemals eine Brücke zu Dir bauen. Du wirst nichts von ihm bekommen ausser dieser radikalen, nackten Ehrlichkeit. Mit Deinen Fragen aber bist Du komplett allein.

Dienstag, 19.8.2014 Du sitzst mit nassen Haaren beim Friseur. Daheim sind Dein Mann und Dein Sohn dabei die Wände des Kinderzimmers frisch zu streichen. Sie warten auf Deine Unterstützung. Dein Handy piept. Mehrfach. Im Sekundentakt. O. will Dich treffen. Jetzt. Sofort. Ganz schnell. Unbedingt. Er braucht ES. Wenn nicht jetzt, dann später. Heute noch. Du erklärst ihm Deine Lage. Schickst am Nachmittag ein Selfie im Maler-Overall. Trügerische Ruhe. Abends. O. schreibt: „Wäre es schlimm für Dich wenn ich mir nachher im Auto von einer Anderen einen runterholen lass?“ – „Nein“ antwortest Du. „Aber die Dildo-Nummer mit mir kannst Du dann gern vergessen!“ – „Ist doch nur mit der Hand!“ schreibt O. „Warum bist jetzt so?“  Es folgt ein dramatisches Sms-Gefecht. O.s machthungriges Ego schillert in grellen Farben. Erpresserisch. Drohend. Einschüchternd. Heimtückisch. Beleidigend. Und am Ende? „Ist doch nur ein Spiel, Baby!“ schreibt er. „Das Streiten mit Dir hat mich geil gemacht!! Wann kann ich Dich morgen abholen?“ Du aber hast genug. „Leb wohl“ schreibst Du und meinst es ernst.

Mittwoch, 20.8.2014 Ein neuer Tag. Unnatürliche Stille ringsum. Die Ruhe nach dem Sturm. Du denkst an Hitchcock. Ein aggressiver Vogelschwarm zieht ab, Verwüstung hinterlassend. Wann wird er wieder kommen? Völlig offen. Auf Deinem Handy ging es gestern jedenfalls hoch her. Ein Machtkampf spielte sich ab. Ohne Regeln, ohne Grenzen. O. machte vor nichts halt. Er werde alle Deine Bilder ins Netz stellen wenn Du ihm den Dildo-Fick verweigerst, drohte er. Ausserdem seien Deine Tattoos hässlich, Du selbst natürlich auch. Er habe ES Frauen schon mit allem Möglichen besorgt. Du aber seist nichts weiter als eine hässliche Person mit der er ES einfach gemacht hätte weil sie eben da war, aber Du seist keine die jemals gut war. „Umso besser dass Du mich heute nicht mehr treffen musstest!“ schriebst Du zurück. „Es sind schon so viele Bilder von mir im Netz. Noch viel, viel wildere als die die Du hast!“ Du hattest keine Angst vor ihm. Aber er, das konntest Du spüren, er hatte grosse Angst vor Dir.

Donnerstag, 21.8.2014 Schweigen, weiterhin. Für immer, denkst Du. Erleichterung. Und auch: Schmerz. Trauer. Schweres Verlustgefühl. Du wolltest ihn so gerne näher kennenlernen. Du wolltest wissen wo er lebt und wie er heißt. Wissen wer er ist. Wie war er als Kind? Wie wurde er zu dem der er heute ist? Dieser Person der Extreme? Woher kommt seine Ungeduld, seine Getriebenheit? Woher sein tiefes Mistrauen? Was hat er gegen Zärtlichkeit? Warum scheint er Tag und Nacht an Sex zu denken? Woher kommt seine überbordende Euphorie, sekundenschnell gefolgt von Langeweile und tiefer Depression? Warum nennt er Dich manchmal „Engel“, „Süsse“, „Traumfrau“, und dann wieder „Schlampe“, „Nutte“, „dreckiges Stück“? Eigentlich ist es nicht Deine Art Menschen zu etikettieren. Du möchtest ihn einfach als jemanden sehen der geheimnisvoll und faszinierend anders ist. Dennoch gibst Du nun ein paar Suchwörter bei Google ein. Und landest schnell bei unschönen Begriffen: Sexsucht. Trauma. Misbrauch. Bindungsangst. PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG.

Freitag, 22.8.2014 7.30h Du schaltest Dein Handy ein wie immer. Jemand hat auf die Mailbox gesprochen. Tatsächlich. O. „Bitte melde Dich! Ciao!“ sagt er. Sonst nichts. Du hörst die Nachricht mehrmals an. Das „Bitte“ ist eigenartig betont. Es klingt flehend, geht Dir nahe. Du verbringst den Tag sehr ruhig. Spät abends aber greifst Du zum Handy und schreibst: „Ich liebe Dich noch immer obwohl ich weiss dass Du sehr gefährlich für mich bist. Du wirkst wie eine Droge auf mich!“ O. schreibt sofort zurück: „Ich bin Dir gegenüber zu weit gegangen und dafür möchte ich mich entschuldigen!“ Du hast ihm längst verziehen. Er verspricht, Dich nie wieder zu erpressen. Schwört, dass er Dich für eine einzigartige, wunderbare Frau hält, die er niemals verlieren will. „Du gibst mir den besten Sex den ich je hatte!!!“ schreibt er. „Ich hoffe dass Du mich nicht so schnell wieder verlässt“ – „Ich bleib bei Dir so lang Du es willst“ textest Du. „Willst Du meine Schlampe sein?“ fragt O. seltsam feierlich. Du antwortest mit „Ja“.