Samstag, 23.8.2014 9h. O. hat geschrieben, um 4h morgens: „Ich will Dich wissen lassen dass Du es heute in einem Haus mit mir machen könntest!“ „Oh gerne!“ schreibst Du rasch zurück. „Zu spät!!“ antwortet O. „Ich habs mir heute schon zweimal gemacht und bin jetzt nicht mehr geil!“ Mittags. „Wenn wir uns heute sehen, würdest Du dann Deinen Dildo mitbringen?“ fragt O. „Natürlich!“ schreibst Du. „Und was würdest Du anziehen?“ – „Jeans, weisses Top, schwarze Stiefeletten“ schreibst Du. „Babe, das ist mir aber nicht geil genug!“ antwortet O. Längeres Schweigen. Du resignierst. Da, eine neue Sms. „Kannst jetzt gleich kommen?“ – „Ich muss noch duschen!“ schreibst Du. „Beeil Dich, Schlampe!“ schreibt O., „Du solltest längst hier sein!!!“ 16h. O. erwartet Dich bei einer Parkbank ganz in der Nähe Eures bisherigen Treffpunkts. Blass, mit unbewegtem Gesicht schaut er zu, wie Du Dein Fahrrad absperrst, ohne Begrüßungskuss schiebt er Dich in den bereitstehenden Geländewagen. Es ist nur eine kurze Fahrt. Dann seid Ihr da.

O. parkt in der gleichen Garage, in der er Dich vor zwei Wochen im Auto so hart genommen hat. Diesmal aber lässt er Dich aussteigen und öffnet die Verbindungstür zum Haus. Du betrittst den Flur und empfindest ein diffuses, unerklärliches Gefühl von Fremdheit und Überwältigung. Der Einrichtungsstil ist von kalter Modernität. Geradlinige Formen, Monochrome Farbgebung. Gediegenste Materialien. Das Treppenhaus dominiert von breiten Stufen aus massivem Eichenholz, an den Wänden bis unters Dach dekoriert mit Bildern: Street Style. Urban Art. Dunkle Motive. Comics. Fratzen. Verletzte Gesichter. Augen, aus denen grellfarbige Tränen rinnen. „Ein Wahnsinnshaus!“ flüsterst Du und schlingst schutzsuchend die Arme um O.s Hals. „Leider nicht meins!“ antwortet er während er sich losmacht und Dich zu einer grossen, schwarzen Couch-Landschaft im Wohnzimmer schiebt, von der ein Teil mit einem weissen Leintuch abgedeckt ist.

„Jeans runter, Schlampe, und hinlegen!“ kommandiert O., während er sich auszieht und Dich seinen grossen, breiten Schwanz sehen lässt. Halb liegend zerrst Du Dir Deine Kleider vom Körper und spreizst gehorsam die Beine. O. spuckt präzise dazwischen und dringt direkt in Dich ein ohne Dich sonst irgendwie zu berühren. Wieder stösst er nur wenige Male heftig zu. Dann lässt er unvermittelt von Dir ab und geht aus dem Raum. Du bleibst reglos mit geöffneten Beinen liegen und horchst. Es ist totenstill um Dich herum, die Zeit scheint anzuhalten. Du beginnst zu frösteln. Ist er ganz gegangen? Lässt er Dich allein hier in dem fremden Haus? Was sollst Du tun? Gerade als Du Dich aufrichten willst kommt er zurück. „Bleib liegen, Schlampe! Zieh das an!“ sagt er und wirft Dir mit einer verächtlichen Handbewegung ein schwarzes Netz-Top in den Schoss. „Wo hast Deinen Dildo?“ fragt er, während Du Dir das Top überstreifst. „In meiner Tasche“ sagst Du und fängst an, hektisch darin herumzusuchen. „Steck ihn Dir rein! Machs Dir selber!“ herrscht O. Dich an. Du gehorchst. Legst Dich auf den Rücken, öffnest wieder die Beine, bewegst den Glasdildo so dass O. es gut sehen kann. „Du bist so eine geile Drecksau!“ sagt er während er sich über Dein Gesicht kniet.

Du siehst sein helles Gesäss, seine grossen Eier ganz nah über Dir. „So, und jetzt leck mein Arschloch, Du Schlampe!“ sagt O. Du lässt den Dildo los, greifst vorsichtig mit den Armen unter O.s Oberschenkeln hindurch um  sein Gesäss berühren zu können, ziehst seine Pobacken ein wenig auseinander, küsst und beisst sie ganz leicht links und rechts und arbeitest Dich dann mit der Zunge zum Rektum vor. Es fällt Dir sehr leicht. O. ist perfekt rasiert. Du leckst und küsst ihn hingebungsvoll, mit all der Liebe die Du für ihn in Dir hast. Es fühlt sich hell, glatt, zart und weich an. O. besorgt es sich mit einer Hand und bewegt mit der anderen den Glasdildo in Dir auf und ab. Du spürst wie er beginnt über Dir zu zucken, beschleunigst ein wenig die Bewegungen von Deiner Zunge und fühlst Sekunden später sein warmes Sperma auf Deinen Bauch klatschen. Du bist sehr, sehr glücklich. O. vertieft sich für einen Moment in den Anblick dessen was er auf Deinem Tattoo hinterlassen hat bevor er es sorgsam mit einem Kleenex abwischt. Dann mahnt er zur Eile.

Schnell raffst Du Deine Sachen zusammen, schlüpfst in Deine Kleider während er das Leintuch zusammen legt und mit konzentriertem Blick die Couch in die richtige Position zurück schiebt. Ohne weiteren Wortwechsel verlasst Ihr das Haus. O. bringt Dich im Auto zurück zu Deinem Fahrrad und entschwindet grusslos, noch bevor Du es entsperrt hast. Du stehst allein bei der Parkbank. Für Sekunden fühlt sich alles unwirklich an, wie nur geträumt. Existiert O.? Hast Du das alles gerade tatsächlich erlebt? Du schaust auf Dein Handy. 23 Minuten hat es gedauert. Es übersteigt Dein Fassungsvermögen. Innerlich zitternd, mit wackligen Knien steigst Du auf Dein Fahrrad und fährst heim. Spätabends erreicht Dich eine Sms: „Danke Kleine!!!! Es war wirklich ein unglaubliches Gefühl Deine weiche Zunge an meinem Arschloch zu spüren!!! Küsse!!“ – „Ich hab es sehr gern gemacht!“ antwortest Du. Doch O. schreibt nicht mehr zurück.

Donnerstag, 28.8.2014 10h. Du verbringst eine ruhige Ferienwoche zusammen mit Deinem Sohn. Dein Mann ist verreist. Du hast O. geschrieben dass Du nachts oder frühmorgens problemlos für eine schnelle Nummer im Auto zu ihm herauskommen könntest, so wie er es ja schon ein paarmal gern von Dir gewollt hätte. Auch um vier Uhr morgens, der Tageszeit zu der er Deinem Eindruck nach besonders gerne chattet oder Sex hat. Aber das schien ihn nicht weiter zu interessieren, jedenfalls hast Du seit Deinem Rim-Job nichts mehr von ihm gehört. Nun schreibst Du einem Freund, den Du seit Deiner Schulzeit sehr gut kennst. Er ist Diplom-Psychologe, Suchtberater, und als solcher bestens bekannt mit Junkies, Trinkern und PC Spiel-Opfern. Ihm vertraust Du Deine jüngsten Erlebnisse an. „Du liebe Zeit!“ schreibt er, als er vom Blitz-Sex ohne Zärtlichkeit erfährt. „Der Typ muss ja eine absolute Scheiss-Kindheit gehabt haben! Den würd ich zu gern mal klinisch testen!“ Und dann: „Pass auf Dich auf Mädel! Ich denk der ist nicht ungefährlich!!“

Freitag, 29.8.2014 3h45. Du schläfst nackt unter Deiner leichten Sommerdecke. Wie in allen Nächten seitdem Dein Mann verreist ist, hast Du Dein Handy eingeschaltet ganz nah bei Dir, um erreichbar zu sein für O. Bisher hat er Dich noch nie geweckt. Nun aber piept es. „Guten Morgen Kleine“ schreibt O. „Bist Du wach?“ – „Sollbich rauskommen tu einem Autofick?“ schreibst Du und wühlst Dich in den Kissen zurecht. „Nein!“ antwortet er. „Schade“ schreibst Du. „Es wüdeso gut gehen grade!“ – „Ich hoffe Du bist nicht zu enttäuscht von mir!“ schreibt O. „Aber meine Ma hat Krebs!!!! Es sind jetzt ihre letzten Tage und dann hat sie es hoffentlich bald geschafft! Es betrifft Dich ja nicht aber ich wollte dass Du es weisst!“ Eine Vielzahl von Gefühlen flutet Dein verschlafenes Gehirn. Schock. Rührung. Mitleid. Tiefe Scham. Wie konntest Du ihn mit Deinen albernen Wünschen behelligen wenn er ein so schweres Problem zu meistern hat! „Vielen vielen Dank für Deine Offenheit!“ schreibst Du. „Ich versteh Dich jetzt viel besser. Bitte sag bescheid wenn ich was helfen kann!“ – „Danke, Kleine!“ schreibt O. Mehr nicht.

8h. Du bist wieder eingeschlafen nach dem Chat mit O., halb sitzend, das Kissen im Rücken, mit dem Handy im Schoss. Es war ein unruhiger Schlaf mit wirren Träumen von Krankenhausbetten und Infusionen. Nun, beim Aufstehen fühlst Du Dich auf eigenartige Weise angestrengt, zerschlagen, irgendwie ausgelaugt, als hätte ein dunkles Fabelwesen Dich besucht, ein Nachtmahr oder ein Vampir. Dabei bist Du ja eigentlich sehr glücklich. Denn, was O. heute Nacht geschrieben hat, ist es nicht ein wunderbarer Vertrauensbeweis? Heisst es nicht, dass er Dich einbezieht in diesen gerade besonders schwierigen Teil seines Lebens? Und dass er ein Mensch ist, sensibel, mit sehr tiefen Gefühlen? Aufgewühlt vom Sterben seiner Mutter? Du empfindest es als eine Art düsterer Auszeichnung ihm gerade jetzt begegnet zu sein. Und willst Dich dessen würdig erweisen. Unbedingt.

Sonntag, 31.8.2014 Nachmittag. Du sitzst im Garten. Buchs und Hecke sind gestern von einem hübschen jungen Mann mit braunen Locken zurück geschnitten worden. Während der Kaffeepause auf der Terasse erzählte er von seinem Beruf, vom Klettern auf Bäume und von extravaganten Gartenideen vermögender Kunden. Voller Interesse hattest Du ihm zugehört und dachtest dabei natürlich die ganze Zeit an O. Stelltest Dir vor wie es wäre wenn ER her käme um bei Dir im Garten zu arbeiten oder Du ihn irgendwo besuchen könntest, in einem verwilderten, verwunschenen Park. Du würdest mit dem Rad hinfahren, in einem leichten Sommerkleid und er würde in Arbeitshosen und mit nacktem Oberkörper von einer Leiter zu Dir herabsteigen um Liebe mit Dir zu machen, im Schatten irgendeines Buschs. Wunderschön wäre das, denkst Du. Natürlich würdest Du danach sofort aufstehen und gehen, ihn nicht behelligen mit dummen Fragen oder romantischen Ideen. Du würdest nur einfach seine Konkubine sein und hoffen dass Du damit sein Herz bewegst.

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin