Gift

Freitag, 30.1.2015 Getauft. Entlohnt. Initiiert. Und dennoch tief beschämt. Umgeworfen. Aufgewühlt. So fühlst Du Dich nach Deiner jüngsten Begegnung mit O. Die Galanterien die er Dir erwies, schmerzen fast mehr, seltsamerweise, als die Willkürakte, die Du sonst von ihm erfuhrst. Nachts scheint sein pikareskes Lächeln über Dir zu schweben, während seine irritierend warme Pisse über Deine nackte Haut fließt. Tagsüber nimmst Du oft das Geschenkpäckchen, das Du von ihm bekamst, in Deine Hände. Betastest es. Schnupperst daran. Spürst Sehnsucht und Verlustschmerz aufsteigen und legst es wieder weg. Am vierten Tag nach O.s Besuch kannst Du Dich endlich überwinden es zu öffnen. Ziehst einen schwarz glänzenden Stringbody mit aufgenähten Silberketten heraus. Und zierliche Handschellen aus weichem, dunklem Stoff. Der Body paßt perfekt, als Du ihn anprobierst. Macht Dich zu einer attraktiven, mustergültigen Sub. O. kennt Deinen Körper. Viel besser als Du selbst. Danke, O. Ich verwandle mich. Danke, flüsterst Du.

O.s Geschenk macht Dich sehr glücklich. Nicht daß Du wirklich einen Stringbody bräuchtest. Aber: Du kannst Bilder davon machen. Und sie O. schicken, bei Bedarf. Zum ersten Mal seit Beginn Eurer einsturzgefährdeten Beziehung hast Du das Gefühl, daß O. mitwirkt am Bau einer Hängebrücke die über den Abgrund zwischen Dir und seinem Herzen hinwegführt. Oder daß er Dir zumindest ein Seil zuwirft, das Dich absichert und an dem Du Dich festhalten kannst. Der Stringbody wird wunderbar aussehen, zusammen mit der Netztstrumpfhose und den fingerlosen Handschuhen, denkst Du. Aber auch mit halterlosen Strümpfen oder kombiniert mit Jeans. Und den Highheels natürlich. Du wirst viele, viele Bilder machen können für O. Viele verschiedene, vor allem. Denn Menschen wie er langweilen sich schnell und brauchen immer neue Eindrücke und Sensationen. O. bei Laune zu halten. Ihn nicht zu ennuyieren. In seiner Aufmerksamkeit zu bleiben. Zum ersten Mal hast Du eine Chance. Am Abend nimmst Du Dein Handy und schreibst:

„Ich hoff ich stör Dich grade nicht. Ich will Dir nur sagen daß ich immer noch überwältigt bin von dem was am Montag war. Es ist mit Sicherheit das schönste Sex-Erlebnis das ich jemals hatte! Du hast eine so tolle Körperbeherrschung! Ich bewundere Dich. Und es war ein unvergleichliches Gefühl in Deiner warmen Pisse zu baden. Ich werde Dir nie vergessen was Du an diesem Tag für mich getan hast!“ Kaum hast Du zu Ende psalmodiert schreibt O. zurück. „Das war wirklich unglaublich schön, Kleine!!!“ textet er. „Noch nie habe ich so etwas mit einer Frau erlebt!!“ – „Wirklich?“ fragst Du. „Ja, wirklich!“ antwortet O. Ihr chattet lange. Tauscht Ideen. Schmiedet Pläne. Offener, schrankenloser als je zuvor. O. hat Epochales mit Dir vor. Er wird Dich ausstatten, mit Kleidern und Schuhen. Der Stringbody ist erst der Anfang. Viele, viele aufreizende Gewänder sollst Du dereinst für ihn tragen, mehr als je eine Kurtisane vor Dir besaß. Und dann will er Dich vorführen: als SEIN Eigentum …!

„Wärst Du denn bereit es mal mit Freunden von mir zu machen?“ fragt O. nämlich kurz vor Mitternacht. „Sind die auch so drauf wie Du?“ fragst Du zurück. „Ja!“ schreibt O. „Die sind so drauf wie ich!!! Und wir haben einmal im Monat Männertreff!! Da könntest Du mitkommen!“ – „Aber nur wenn auch Du es dann mit mir machst!“ schreibst Du und kämpfst mit einem leichten Drehschwindel. „Klar!!!“ antwortet O. „Erst fick Dich ich und dann die Anderen!!! Du wirst auch Geld dafür bekommen! Aber ich will daß Du es nicht wegen dem Geld sondern aus Geilheit machst!! Denn ich liebe es an Dir daß Du so eine heiße Lady sein kannst!!!“ – „Ich mache es weder aus Geilheit, noch wegen Geld“ antwortest Du, „sondern einfach nur weil ich Dich liebe!“ – „Ich liebe Dich auch Babe!!!“ echot O. „Im Moment würde ich gerne noch mit Dir alleine sein“ fügst Du scheu hinzu. „Aber im Frühsommer könntest Du mich dann vielleicht ausleihen.“ – „Wann immer Du möchtest!!!“ schreibt O. „Ich kann es kaum erwarten bis es soweit ist!!!“

In der Nacht träumst Du von einer Rotte gesichtsloser Barbaren, die Dich auf einem Bett niederhalten und der Reihe nach vergewaltigen. Brutale Marodeure. Hasardspieler. Demi-Monde. Die Soldateska von O. Einem Gang-Bang mit ihnen wärst Du niemals gewachsen. Nicht auf körperlicher Ebene. Und auf seelischer schon gar nicht. Und dennoch bist Du glücklich. Du fühlst Dich geadelt durch O.s Idee, Dich seinen Kumpanen auszuliefern. Er ist stolz darauf, Dich sein Eigentum zu nennen. Er versteckt Dich nicht. Er zeigt Dich her. Du würdest ihn außerdem gern kennenlernen, diesen verschworenen Männerzirkel auf der Schattenseite der Stadt. Um dadurch so viel Neues zu erfahren über O. Du gehörst nun zu den Eingeweihten, den privilegierten Personen im erotischen Umfeld von O., denkst Du. Scheinst angekommen zu sein bei ihm, als seine Lieblingsmaitresse. Blickst einer abenteuerlichen, ausschweifenden Zukunft entgegen. Und ahnst nicht, daß in Wirklichkeit eine ganz andere Zeit begonnen hat, zwischen Dir und O.

 

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

The Golden Shower

Montag, 12. Januar 2015. Die Januartage reihen sich kalt und ereignislos aneinander. Grau, leer und stumm liegt das neue Jahr vor Dir. Von O. hörst Du nichts. Du lässt Dir Deine Haare noch kürzer schneiden als bisher, so daß nicht einmal mehr seine großen Hände sich darin festkrallen könnten. Und Du absolvierst ein Probetraining in einem Fitneßstudio nur für Frauen. Ein wenig Muskelaufbau kann nicht schaden, denkst Du, während Du Dich auf dem Crosstrainer verausgabst. Ein gut trainierter Körper steckt Schläge und Stöße vielleicht besser weg… Jeden Morgen macht Dein Sohn sich blaßgesichtig und in winterfester Kleidung auf den Schulweg und Du winkst ihm vom Küchenfenster aus zu. Eines Tages piept um diese Zeit Dein Handy. „Hallo Kleine! Ich hoffe Dir gehts gut!!!“ schreibt O. „Vielen Dank! Ich hoffe Dir auch!“ antwortest Du. Dein Herz schlägt schneller. Die winterstarre Welt vor Deinem Fenster scheint sich um ein paar Farbnuancen aufzuhellen. Es geht wieder los, denkst Du. Doch O. schreibt nicht mehr zurück.

Donnerstag, 22. Januar 2015. Du bist in der Innenstadt unterwegs. Streifst ziellos durch Einkaufspassagen und Shopping Hot-Spots. Suchst hinter den Schaufenstern der Luxusklasse nach irgendetwas. Einem Symbolgegenstand. Einem Zeichen. Nach etwas, was Dich wieder in Verbindung bringen könnte mit O. Ihr habt Euch lang nicht mehr geschrieben. Du vermißt sie sehr, die anarchistischen, kompromißlosen Sms wie sie nur O. Dir senden kann. Die schmerzhaften Fragen, die sie aufreißen. Die Wunden, die sie schlagen. Und die Hoffnungen, die sie wecken. Noch mehr vermißt Du ihn. Du willst, Du mußt das eisige Schweigen durchbrechen das wieder einmal eintrat zwischen Euch, ganz ohne Grund. Es ist ja Karneval, fällt Dir plötzlich ein. Die Zeit der Masken. In der Kostümabteilung eines großen Kaufhauses entdeckst Du sie schließlich, die Kultgegenstände die Du brauchst, um einen kleinen Liebeszauber auszuführen: fingerlose Handschuhe und eine Strumpfhose aus schwarzem Netzgarn. Du weißt was Du zu tun hast. Erleichtert fährst Du heim.

Freitag, 23. Januar 2015. 10h. Im Raureif des neuen Jahres eingefroren. So liegt sie da, die Welt hinter den weißen Spitzengardinen in Deinem Schlafzimmer. Mit ihr: Deine Verbindung zu O. Du fühlst Dich kleinlaut und bedrückt während Du Dir die neuen Netzhandschuhe überstreifst und das schwarze Top, das O. Dir im Sommer lässig zuwarf, über Deiner Brust zurecht rückst. Gar nicht wie die coole, verführerische Frau als die Du gerne rüberkommen willst. Bestimmt hat er längst eine Andere, denkst Du und richtest die Selfie-Kamera auf Dein Gesicht. Bestimmt will er mich nicht mehr. Die Bilder werden trotzdem gut. Du fotografierst Deine Finger, die mit dunkelrot lackierten Nägeln elegant und schmal aus dem Netzstoff ragen. Deine Tattoos, die durch das schwarze Garn hindurchschimmern. Deine Brustspitzen hinter halbtransparentem Stoff. Es gelingt Dir, all Deine Sehnsucht, Deine Bedürftigkeit, Dein Wollen in einen unverwandten Blick, ein mysteriöses Lächeln zu legen, von dem Du hoffst, daß es O. erreicht. Inständig hoffst.

Samstag, 24. Januar 2015. 22h. Am Ende eines langen, dunkelgrau verhangenen Wintertages sitzst Du wieder einmal allein mit gekreuzten Beinen auf der Wohnzimmercouch und bewachst das Kaminofenfeuer. Und wie so oft scrollst Du Dich durch Deine Chats mit O. für die Du extra eine Sicherungsapp auf Deinem Handy installiert hast. Du liest Liebesschwüre und Hasstiraden. Durchlebst die Sms-Gewitter die während der wechselnden Phasen Deiner Vergötterung und Deiner Verdammnis auf Dich einhagelten. Fühlst die Stille, die danach stets eintrat. Du siehst das Verletzende an O.s Rhetorik. Die Absolutheit seiner Ansprüche. Den Mangel an Zwischentönen. Das Fehlen der Mitte. Da wo sie normalerweise spürbar sein sollte, klafft in der Kommunikation mit O. ein großes Loch. Das Loch, in das Du regelmäßig fällst, bei Deinen Versuchen auf einem aus Sms geflochtenen Drahtseil hinüber zu balancieren zum Herzen von O. Wie oft bist Du schon gefallen, in den knapp sechs Monaten Eures Zusammenseins? Wie oft wirst Du es noch tun? So oft es geht, denkst Du.

Du klickst in die Bildergalerie Deines Smartphones. Sie besteht fast nur noch aus Erotik-Selfies, die Du für O. gemacht hast. Über 500 sind es inzwischen, auch wenn nur wenige davon auf seinem Handy gelandet sind. Du hast Dich sehr verändert, seitdem Du ihn trafst, stellst Du fest. Hast gelernt, Deinen Körper ins richtige Licht zu rücken, Dein asymetrisches Gesicht interessant wirken zu lassen und Dich selbst als erfahrene Frau zu inszenieren. Hast ein neues Bewußtsein für den Appeal Deines Äußeren bekommen, das nie gängigen Idealen entsprach. Dafür wirst Du O. immer dankbar sein. So weh Dir auch sonst Manches tat. Zeit für einen neuen Versuch, denkst Du und schreibst: „Ich habe gestern Bilder für Dich gemacht. Von dem Netz-Top zusammen mit neuen Netz-Handschuhen. Sag bescheid wenn Du sie sehen willst“. Wieder einmal lehnst Du Dich im Sofa zurück. Erwartest keine Antwort von O. Und wieder einmal kommt sie erstaunlich schnell. „Schick sie!!!“ schreibt er. Und Du bist glücklich zu gehorchen.

„Danke. Geil.“ schreibt O. nachdem er die Bilder bekommen hat. „Bitte“ antwortest Du. „Du hast Dich lang nicht mehr gemeldet!!!“ schreibt O. „Du Dich aber auch nicht“ antwortest Du. „Und, mit wem machst Du zur Zeit so rum?“ fragt O. Der Hauch einer echten Sorge hinter seiner ostentativen Coolness wird spürbar. „Keine Angst“ antwortest Du. „Es gibt niemanden der Dir das Wasser reichen könnte!“ – „Babe!“ schreibt O. „Du weißt daß Du machen kannst was Du willst!!! Aber ich will daß Du mir mal wieder mein Arschloch leckst!!!“ – „Gerne“ antwortest Du. „Wann immer Du möchtest“ – „Am Montag!!!“ schreibt O. „Würde das gehen?“ – „Ja“ antwortest Du. „Dann komme ich übermorgen zu Dir!“ schreibt O. „Und vielleicht pisse ich Dich dann sogar an!!!“ – „Meine Badewanne steht Dir zur Verfügung!“ antwortest Du. „Du bist wirklich so eine geile Schlampe!!!“ schreibt O. „Ich bin sehr froh daß Du Dich wieder gemeldet hast! Ich muß jetzt schlafen. Aber wenn Du magst, dann schreib mir noch was Schönes!!! Gute Nacht!!!“

Als Du zu Bett gehst bist Du wieder mal sehr glücklich. Du textest noch ein paar Sms in denen Du die Schönheit von O.s dunkel umrandeten Augen rühmst und schickst sie ihm. Dann versuchst Du mit all Deiner Liebe mental über seine Nachtruhe zu wachen bevor Du selbst in den Schlaf fällst und das Gefühl einer tiefen Verbundenheit in Deine Träume einwebst. O. braucht mich, denkst Du, während Du sein blasses, hochmütiges Gesicht erinnerst, seiner Stimme nachhorchst und an  seine Hände denkst. Alles wird gut.

Sonntag, 25. Januar 2015. Du versuchst Ordnung zu schaffen in Deinem Haus. Die Wände im Treppenbereich wurden im Oktober frisch gestrichen und alle Türen weiß lackiert. Besucher sind stets angenehm berührt vom frankophilen Flair Deines Einrichtungsstils. Sie mögen die sepiafarbigen, weiß gerahmten Kleinkindporträts Deines Sohnes. Die zart gemusterten Kissen und Quilts. Den weichen, dunkelroten Gabeh-Teppich, ein Hochzeitsgeschenk Deiner Eltern. Und dennoch findest Du alles sehr inadäquat, angesichts der bevorstehenden Visite von O.

Montag, 26. Januar 2015. Eigentlich ist es einer jener naßkalten, farblosen Montagvormittage im Tiefwinter, an denen Du am Liebsten überhaupt nicht aufstehen würdest. Heute aber bist Du seit den frühen Morgenstunden hellwach und wartest auf ein Lebenszeichen von O. Lange Zeit bleibt Dein Handy verdächtig still. Satz mit x, denkst Du, während Du Deinem Sohn an der Haustüre einen schönen Schultag wünschst. Da zerreißt der Sms-Ton von O. die Stille in Deiner Küche. „Guten Morgen Kleine!!!“ schreibt er. „Guten Morgen!“ antwortest Du. „Ich habe heute unheimlich viel zu erledigen!!!“ schreibt O. „Weiß nicht ob ich es schaff zu Dir zu kommen!! Würde es bei Dir um 10 Uhr gehen?“ – „Ja“ antwortest Du. „Ok“ schreibt O. „Ist vor Deinem Haus eine Parkmöglichkeit“ – „Im Moment ist direkt davor ein Platz frei“ schreibst Du. „Gut!“ antwortet O. „Ich versuche zu kommen!!! Hast Du Highheels und Strümpfe bereit?“ – „Ja!“ antwortest Du. „Zieh sie an!!!“ schreibt O. „Und richte den Dildo her!!! Ich melde mich wenn ich bei Dir bin!!“

Panisch eilst Du durchs Haus. Versuchst, alles was irgendwie peinlich, provinziell oder uncool wirken könnte aus dem Weg zu räumen und zu verstecken. Leider kommt Dir sehr vieles irgendwie so vor: ob Kinderzeichnungen, Klaviernotenhefte oder die Schuhe Deines Mannes im Flur – blamable Zeugnisse eines mediocren Lebensstils, alle miteinander. Du raffst sie an Dich und wirfst sie einfach in den kleinen Waschraum neben dem Badezimmer. Dann gehst Du duschen. Mehrmals wirst Du dabei von O. gestört, der Dich anschreibt um zu fragen ob Du Lippenstift hast und ob Du Dir die Fingernägel dunkelrot lackieren kannst. Schließlich bist Du fertig. Schlüpfst in die halterlosen Strümpfe und in ein kurzes, dunkelgraues Off-Shoulder-Shirt. Stökelst nervös auf Deinen Highheels herum. Betrachtest Dich eingehend im Wohnzimmerspiegel. Machst ein paar Selfies. Setzst Dich in den Korbstuhl. Wippst mit den Beinen. Beginnst zu frieren. Da piept Dein Handy. „Bin da!!!“ schreibt O. „Mach auf!!!“

Du stolperst fast, auf dem Weg zur Haustür. Kaum hast Du sie vollständig entriegelt, drängt O. sich durch einen schmalen Spalt zu Dir herein. „Hallo!“ sagt er mit ungewohnt sanfter Stimme und lächelt Dich an. Haifischhaft. Abgründig. Maliziös. Aber er lächelt. Zum ersten Mal, seit Du ihn kennst. O. trägt ein Beanie aus dunkelgrauer Kaschmirwolle auf dem Kopf. Und einen enganliegenden, tannengrünen Mohair-Rolli unter einer Jacke aus schwarzem Nappaleder. Sein Gesicht ist wieder vollkommen glatt rasiert. Der Duft seines Herrenparfüms erfüllt das Treppenhaus. „Magst mir nicht Dein Wohnzimmer zeigen?“ fragt er und nimmt Dich von hinten in Gewahrsamsgriff. „Geh voraus! Komm, zeig mir den Weg!“ Du wankst vor ihm her, halb bedrängt, halb gestützt von seinem linken Arm der sich schwer über Deinen gesamten Brustbereich legt. Kühl und glatt streifen die Fingerspitzen seiner rechten Hand und das Leder seines Jackenärmels an Deiner nackten Bauchregion entlang. Du bist O.s Arrestantin. Dein Haus gehört ab sofort nicht mehr Dir.

Im Wohnzimmer gibt O. Dir einen sanften Schubs, so daß Du mit den Knien voran auf dem Gabeh-Teppich landest. „Bleib gleich so!“ sagt er, wirft die Lederjacke in hohem Bogen von sich und seine übrigen Kleider hinterher. Du kriechst zu dem lichtblauen Häkelpouf, den Dein Mann und Dein Sohn Dir zu Weihnachten geschenkt haben. Es gelingt Dir noch, ihn mit beiden Armen zu umfassen und den Kopf darauf abzulegen. Dann nähert sich O. Für eine kleine Weile fällst Du aus Zeit und Raum. Als er mit Dir fertig ist, greift O. mit seiner großen Hand in Deinen Nacken und zerrt Dich hoch. „Jetzt küß mein Arschloch, Schlampe!“ sagt er und fegt mit gebieterischer Geste die Patchworkdecke vom Zweisitzersofa. Du funktionierst. Legst Dich auf dem Sofa zurecht, atmest kurz durch und schaust zu wie O. sich über Dein Gesicht kniet. Du liebst den Anblick von seinem hellen, kindlichen Gesäß, das so vertrauensvoll über Dir schwebt. O.s einzige berührbare Stelle, denkst Du. Und küßt ihn. Innig. Voller Dankbarkeit.

Kurz bevor Dein Rim-Job seinem Höhepunkt entgegenstrebt hört O. plötzlich auf, sich über Dir zu bewegen. „Ich muß pissen!“ sagt er leise und Du begreifst sofort. „Soll ich Dir mein Badezimmer zeigen?“ fragst Du zwischen seinen Oberschenkeln hindurch. „Ja“ antwortet er und steigt von der Couch. „Dann laß uns nach oben gehen“ sagst Du. O. folgt Dir über die knarrende Eichenholztreppe Deines Hauses zum Bad, das erst vor zwei Jahren von Deinem Mann für Dich renoviert wurde. Mit Nostalgiefliesen. Und einer Eckwanne für zwei Personen. Die Du aber noch nie benützt hast, zusammen mit Deinem Mann. Du streifst Dein Off-Shoulder-Shirt ab und kletterst vorsichtig samt Highheels und Strümpfen hinein. Als Du Dich auf der kalten Keramikoberfläche ausgestreckt hast, kommt O. zu Dir. Er nimmt Deinen Körper von links und rechts zwischen seine Knie. Umgreift mit der rechten Hand seinen Schwanz und stützt sich mit der linken auf Deiner Brust ab. „Gleich gehts los!“ sagt er und schaut Dich konzentriert an.

Für ein paar Sekunden ist alles vollkommen still. Du schließt die Augen um O. nicht in seiner Besinnung auf sich selber zu stören. Dann fühlst Du, wie er damit beginnt zwischen Deine Beine zu urinieren. Zwischen Deine Schamlippen, präzise gesagt. Er hat viel, sehr viel Flüssigkeit in sich. Es dauert lang. Und es gefällt Dir. „Warm, gell“ sagt er, als Du begeistert loslachst. „Ja!“ antwortest Du und lehnst Dich in der Wanne zurück. Du bist wieder fünf Jahre alt und gehst in den Kindergarten wo Du im Sandkasten spielst. Zusammen mit einem wunderbar wilden Freund, der Dich an den Haaren zieht, mit Steinchen bewirft und direkt neben Dir seine Notdurft verrichtet. Ihr könntet verbundener nicht sein. Du liebst O. Und O. liebt Dich. Denn als er den Inhalt seiner Blase vollständig auf Deinen Körper entleert hat, besorgt er es sich noch selbst und läßt sein warmes Sperma über Deinen Bauch rinnen. Verzückt beobachtet Ihr, wie sich alles zusammen auf dem Tattoo unterhalb Deines Nabels verteilt. Und seid glücklich.

„Du bist einfach die beste Drecksau dies gibt!“ sagt O., während er aus der Wanne steigt und sich ein Handtuch vom Halter nimmt. „Und Du der beste Schlampenficker weltweit“ antwortest Du und läßt Wasser über Deinen Bauch laufen. Dann wirfst Du Deine Highheels aus der Wanne und stehst auf. Beim Überklettern des Wannenrandes gerätst Du ins Straucheln und versuchst Dich an O.s Unterarm abzufangen. „Vorsicht! Da hilft Dir keiner wenn Du da fällst!“ sagt O. und zieht seinen Arm von Dir weg. Du schlüpfst aus den klatschnassen Strümpfen. Dann geht Ihr schweigend hinunter. Ins Handtuch gewickelt sammelst Du O.s Kleider vom Boden auf. Als er sich fertig angezogen hat greift er in die Innentasche seiner Lederjacke. „Da, Babe!“ sagt er und überreicht Dir ein knallrot glänzendes, flaches Päckchen. „Probiers an wenn ich weg bin!“ Dann umarmt er Dich kurz. „So, der Staubsaugervertreter packts jetzt wieder! sagt er und lächelt. „Bis zum nächsten Mal!“ „Bis zum nächsten Mal!“ sagst Du fassungslos und brichst auf dem Gabeh-Teppich zusammen nachdem O. gegangen ist.      

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin