Incomplete

Mittwoch, 17.9.2014 23.30h. Während Dein Mann und Dein Sohn schlafen, sitzst Du in dem kleinen Arbeitszimmer im Dachgeschoss Eures Hauses vor dem PC. Du folgst dem Ratschlag Deines Freundes und befragst das Internet zum Thema Emotionale Instabilität. Tatsächlich, der Wikipedia-Eintrag ist sehr gut. Vor allem aber leitet er Dich weiter zu einem anderen, alarmierenden Begriff: Borderline-Syndrom beziehungsweise Borderline-Persönlichkeitsstörung. Bisher dachtest Du das sei ein Problem von sehr jungen Frauen, die sich die Unterarme mit Rasierklingen ritzen. Im Umfeld Deines Sohnes gab es einmal ein solches Mädchen … Nun aber lernst Du schnell dazu. Es gibt viele, sehr viele Informationen zu dem Thema. Ja, sehr oft sind Frauen betroffen. Aber männliche Erkrankte gibt es auch. Bei ihnen stellt sich die Störung anders dar. Sie ritzen sich nicht, sondern sind eher gewalttätig gegen Andere … Betreiben Extremsport … Rasen nachts mit dem Auto … ODER suchen spontanen, ungeschützten Sex, um sich selbst und ihren Körper zu spüren …

Ein quälendes, angstauslösendes Gefühl der inneren Leere scheint allen Betroffenen gemeinsam zu sein. Sie zu füllen, mit intensiven Erlebnissen und Emotionen, oder ihr zu entfliehen, in Abenteuer und Kicks, der Motor ihres Handelns. Es wird eine lange Nacht vor dem PC. Deine Recherche führt Dich zuerst in die Welt der tragisch verstorbenen Schauspieler und Rockstars. Amy. Kurt. Heath. Jim. Jimi. Janis. Aber auch: Maria Kwiatkofski. Jennifer Nitsch. Die Liste ist endlos. Ein Psychologe namens Borwin Bandelow hat ein Buch über ihrer aller Borderline-Syndrom geschrieben. Er nennt es „Wahn der Kreativen“. Aber Du gelangst auch auf weniger glamouröse, sehr fundierte Seiten zum Thema. Du lernst psychologische Spezialbegriffe kennen: Abwehrmechanismus. Spaltung. Projektion. Primitive Idealisierung. Grandiosität. Die Diagnose-Kriterien des DSM-IV. Und schließlich entdeckst Du die Blogs und Foren für Menschen, die jemanden lieben der vom Syndrom betroffen ist. Im weitesten Sinne also für jemanden wie Dich …

Typischerweise beginnend als spontaner Höhenflug wechselseitiger Inspiration und Verzückung. Oft auch als vorher nie gekannter Rausch erotischer Gesinnungsgleichheit. Abenteuerlich. Wild. Elektrisierend. Dann mündend in eine lange Achterbahnfahrt zwischen Traum und Alptraum, zwischen Vergötterung und Verdammnis. Belastet von symbiotischen Phantasien, Verlustängsten und Fluchtreaktionen. Irgendwann, nach einer typischen Halbwertszeit von 16 bis 18 Monaten dramatisch, schmerzvoll scheiternd. So berichtet das Internet. Es schildert eine spezielle „Borderline-Dynamik“, die derartige Liebesbeziehungen prägt, nämlich den Kreislauf von Idealisierung und Abwertung des erwählten Partners durch den vom Syndrom betroffenen Menschen. Und nennt auch Gründe für dessen chaotisches, verletzendes Verhalten. Gründe, die in der Kindheit liegen. Einer Kindheit, in der Vertrauen und Geborgenheit nicht erlebt wurden, in der Gewalt und Missbrauch an der Tagesordnung waren. Einer Kindheit … wie O. … sie vielleicht hatte?

Samstag, 20.9.2014. 9h. Ein regnerischer Samstagvormittag. Du machst Ordnung im Kleiderschrank Deines Sohnes. O. hat tagelang geschwiegen. Nun aber piept Dein Handy. „Würde gerne Deine Brüste berühren!!“ schreibt O. „Das wäre sehr schön!“ antwortest Du. Schweigen. Zwei Stunden später: „Du müsstest aber Schuhe, Strümpfe und deine schwarze Jet-Perlenkette dazu anhaben!“ schreibt O. „Kein Thema!“ antwortest Du. Erneut längeres Schweigen. Dann: „Es ist mir extrem wichtig dass Du diesmal nen richtig heftigen Orgasmus kriegst!“ schreibt O. „Wie lang glaubst Du dass es dauern würde?“ – „Wenn ich es mir auf Deinem Schoss selber machen darf während Du meine Titten küsst ca 4 Minuten“ antwortest Du. „Ok, Drecksau!“, schreibt O., „kannst Du um 19h da sein?“ – „Wo müsste ich denn da hin kommen?“ fragst Du. „Zum Haus“ schreibt O. „Den Weg wirst Du ja hoffentlich alleine finden!“ – „Doch“ schreibst Du. Erneutes Schweigen. Du schwebst in Ungewissheit. Suchst nach der Halskette. Legst Strümpfe bereit. Atmest durch …

Wieder piept Dein Handy. „Gehts bei Dir auch um 17 Uhr?“ fragt O. „Oder jetzt gleich in einer halben Stunde?“ – „Ja“ schreibst Du, während Du hektisch Halsschmuck und Strümpfe in Deine Tasche wirfst. „Dann dusch Dich schnell, dreckige Schlampe, und schreib mir wenn Du bei der Parkbank bist. Ich öffne die Garage.“ 16h30. Frisch gestylt und atemlos kommst Du mit dem Rad zur Parkbank. „Bn da“ simst Du mit zittrigen Händen. „Ok!“ schreibt O. Du nimmst mit dem Fahrrad die kurze Wegstrecke, die Du vor elf Tagen zu Fuss gegangen bist, im Polizeigriff von O. Findest das Haus. Fährst direkt in die Garage. Noch während Du das Fahrrad neben dem braunen Geländewagen abstellst, gleitet hinter Dir das Tor ins Schloss. Die Verbindungstür zum Haus wird einen Spalt weit aufgemacht. O., durchscheinend blass, mit tiefen Augenschatten, winkt Dich herein. Er ist barfuss, trägt glatte, cognacfarbene Chinos und einen braun-beige gestreiften Oversize-Pullover aus einem sehr, sehr weichen, federleichten Gewebe.

„Sooo verletzlich!“ denkst Du und empfindest eine seltsame Wehmut, als Du mit den Fingern flüchtig über den zarten, musselinartigen Stoff auf O.s Schulter streichst. „Lass uns hochgehen, Kleine“ flüstert O. und legt Dir seine Hand in den Nacken. Die Absätze Deiner Stiefeletten klacken auf den breiten Stufen der Treppe aus Eichenholz. Im Vorbeigehen versuchst Du einen Blick auf die Bilder im Treppenhaus zu erhaschen, aber O. bemerkt Deine Absicht und drückt Dir den Kopf so tief nach unten dass Du fast nichts wahrnehmen kannst. Dennoch erkennst Du auf einem Bild ein halb zerstörtes Haus, das auf einer Spiralfeder aus einer Schachtel springt. Andere zeigen Zungen, die aus aufgerissenen Rachen ragen und Gebisse, die aus Mündern fliegen. Im Besuchszimmer starren Dich einige der vielen Puppen, die in der Ecke auf dem Boden liegen, aus toten Augen unverwandt an, während andere leer zur Decke blicken. „Wo kann ich mich umziehen?“ fragst Du. O. weist Dir stumm den Weg zu einem Gästebadezimmer.

Hier ziehst Du Dein Volant-Top aus und wechselst von der Jeans in die halterlosen Strümpfe. Mit klackenden Absätzen und der Glasperlenkette in der Hand gehst Du zurück zu O. „Bitte mach sie mir rum“ sagst Du. O., nackt und erregt, tritt hinter Dich. Du erschauerst ein wenig, als Du seinen Schwanz hart und groß an Deinem Po spürst, während er sorgfältig den Collierverschluss in Deinem Nacken zusammenclipst und den Sitz der einzelnen Perlen rund um Deinen Hals herum kontrolliert. „So, Du Schlampe. Jetzt komm her und hols Dir!“ sagt er und lässt sich mit Dir zusammen auf das grellrote Sofa fallen. „Zeig mir endlich wie Du’s am Liebsten hast!“ „Ok“ sagst Du, kniest Dich über ihn und schiebst ihn mit Deinen Beinen sanft in eine halbsitzende Position. Küsst ihn auf den Mund. Presst Deine Knie von aussen gegen seine Hüften. Hältst Dich mit der linken Hand an der Sofalehne direkt neben O.s Kopf fest, greifst mit der rechten zwischen Deinen Beinen durch und tastest nach O.s Schwanz. Spürst wie er in Deiner Handinnenfläche pulsiert und größer wird.

„Halt meine Titten fest“ sagst Du und lässt die Spitze von O.s Schwanz langsam von hinten nach vorne durch Deine feuchten Schamlippen gleiten. „Halt sie fest und küss sie, dann siehst Du wie schnell es mir kommt!“ Du reibst Dich ein wenig schneller an O.s Schwanz, spielst mit seiner gekrümmten Spitze an Deiner Klit, nimmst ihn zur Hälfte in Dein Inneres hinein und reitest ihn dann wieder von außen. Es geht alles sehr gut. Deine Bewegungen verselbständigen sich. In den Tiefen Deines Körpers baut sich ein Orgasmus auf. Genau in dem Moment aber, in dem Du damit beginnen willst es alles aus Dir heraus zu lassen, beißt O. Dich mit voller Härte in die linke Brust. Ein unglaublicher Schmerz wandert von der Biß-Stelle aus wellenartig durch Dich hindurch. Irgendwie gelingt es Dir, den dazu gehörenden Schrei in einen vorgetäuschten Orgasmus umzuwandeln. Du legst Deine Stirn in O.s Halsbeuge und stöhnst. Laut und tief. Es gefällt ihm.

„Babe, das machen wir jetzt öfter so!“ sagt er und schiebt Dich von sich weg. „Danke für das geile Gestöhne! Zieh Dich an. Mehr will ich heute nicht von Dir.“ Schmerzbetäubt und fassungslos schaust Du ihn an. Aber bevor Du noch irgendetwas sagen oder tun kannst, steht er auf und geht hinaus. Dir bleibt nichts Anderes übrig, als Dich alleine wieder umzuziehen. In seinen Pullover gehüllt steht O. an der Verbindungstüre zur Garage, als Du die Treppe herunter kommst. Scheu, mit gesenktem Blick versuchst Du Dich an ihm vorbeizudrücken. Doch da fasst O. Dich bei den Schultern, schaut Dir in die Augen und gibt Dir einen Zungenkuss. „Danke Kleine“ sagt er. „Komm gut heim“. „Mach ich“ sagst Du und gehst hinaus. Auf der Strasse erreicht Dich sehr bald eine Sms. „Du bist die Beste, Babe!!! Hab super abgespritzt!!“ schreibt O. „Freut mich“ antwortest Du, noch immer leicht benommen. Abends siehst Du im Badezimmerspiegel, dass O.s Zahnreihe sich um Deine linke Brustspitze herum abgedrückt hat. „Souvenir“ denkst Du und weinst NICHT.      

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin

French Can-Can

Dienstag, 9.9.2014 7h30. Sms von O. Er will Dich sehen, heute. „Das Haus ist frei ab Mittag“ schreibt er und dass Du schwarze halterlose Strümpfe und Stiefeletten unter Deinem weiten Sommerkleid anhaben und  Frischhaltefolie mitbringen sollst. „Werde Dich wo anbinden und Dir leicht wehtun!!!“ schreibt er. „Ich bin bereits verletzt!“ antwortest Du und schilderst Deinen Sturz vom Fahrrad. „Das ist mir egal!!“ kommt es zurück. „Du hast gesagt dass ich mit Dir machen darf was ich will und genau das werde ich tun!!!“ Drei Stunden später. Das Date wankt. „Hoffentlich klappt es heute noch!!!!“ schreibt O. „In dem Haus ist ein Handwerker und der braucht länger als gedacht!!!“ – „Ich übe jetzt Klavier mit meinem Sohn“ schreibst Du. „Sag einfach bescheid wenn ich kommen soll!“ Du atmest durch. „O. at his best“, denkst Du. Unfassbar. Undurchschaubar. Unberechenbar. Das Ende des Tages völlig ungewiss. Du setztst Dich zu Deinem Sohn und beobachtest wie seine kräftigen, sommerbraunen Kinderhände über die Tasten des E-Pianos wandern. Es hat immer etwas Heilendes und Tröstliches für Dich, ihm beim Spielen zuzuhören. Gerade als er mit den Fingerübungen fertig ist, piept erneut Dein Handy. „Es ist jetzt doch ganz schnell gegangen!“ schreibt O. „Komm sofort zur Parkbank und schreib mir wenn Du da bist! Ich hole Dich dann ab!!“ 13h10. Beim Treffpunkt. Deine geschürften Knie schmerzen unter den eng anliegenden halterlosen Strümpfen. O. kommt Dir zu Fuss entgegen, ausgezehrt wirkend, bleich. Zur Begrüßung musst Du kurz den wadenlangen Rock von Deinem Kleid hochheben, so dass O. den Spitzensaum der Strümpfe sehen kann. Dann greift er nach Deinem Handgelenk, dreht es Dir grob auf den Rücken und führt Dich wortlos neben sich her. Zum Glück ist es kein weiter Weg. Rasch seid Ihr bei dem Haus mit der weissen Fassade und dem dunkelroten Garagenanbau. Ein Daumendruck auf den elektronischen Schlüssel. Das Tor hebt sich. Ihr tretet ein. „Geh schnell nach oben in das Zimmer wo die Türe offen steht“ sagt O. mit leiser Stimme. „Und pass auf mit Deinem Kleid. Das Geländer ist frisch gestrichen!“ Im ersten Stockwerk betrittst Du ein kleines Zimmer mit einem sehr schmalen, vertikal verlaufenden Fenster. „Schießscharte“ denkst Du. In einer Ecke ein grosser, bunter Haufen von Stofftieren und Puppen. Mittig ein signalrotes Ecksofa mit verchromtem Gestell. Abgedeckt mit einem weissen Leintuch. Genauer umschauen kannst Du Dich nicht, denn, lautlos wie ein Schatten ist O. Dir gefolgt. Jetzt versetzt er Dir von hinten einen heftigen Stoß. Wirft sich direkt zu Dir auf das Sofa. Schiebt Dein Kleid hoch. Presst sein Knie hart gegen den Bluterguss auf Deinem Oberschenkel. „So, Du Schlampe, jetzt sagst Du mir erst mal die Wahrheit wo Du die Verletzung her hast!!“ Er öffnet den Reißverschluss von seiner Sommerhose. „Mit wem hast Du es gemacht?“ Bevor Du antworten kannst presst er seine grosse Hand auf Deinen Mund und nimmt Dich mit sehr harten Stößen. Du spürst die Krümmung von seinem Schwanz heute deutlicher als bisher. „Du bist so grausam!!“ flüsterst Du als Du wieder zu Atem kommst. „Sei still und leck mein Arschloch!!“ antwortet O. und sucht nach der Frischhaltefolie in Deiner Tasche. Blitzschnell fixiert er Deine Handgelenke an der Chromstange oberhalb Deines Kopfes. Dann setzt er sich über Dein Gesicht und beginnt es sich selbst zu machen während Du ihn küsst. Kurz vor dem Höhepunkt streicht er sanft mit einer Fingerspitze über die Heftpflaster auf Deinen Knien, die sich durch das Nylonschwarz der Strümpfe abzeichnen. Dann spritzt er unter geschmerzt klingendem Stöhnen auf Deinen Bauch. Er hilft Dir aus den Fesseln frei zu kommen. Reicht Dir ein Kleenex. Zieht sich an, geht hinaus, während Du mit gesenktem Kopf Deine Sachen zusammensuchst. Steht mit bereit gehaltenem Schlüssel an der Verbindungstür zur Garage als Du die Treppe herunter kommst. „Danke dass Du da warst, Kleine“ sagt er. „Ich glaub Du findest allein zurück. Geh schnell bevor noch jemand kommt!“ – „Gern“ antwortest Du und suchst seinen Blick zum Abschied. Doch O. hat sich bereits abgewendet. Als Du nach Hause kommst, spielt Dein Sohn gerade die letzten Takte des French Can-Can von Jacques Offenbach. „Wo warst Du Mama? Du schaust traurig aus!“ sagt er. „Nirgends“ antwortest Du.

Mittwoch, 10.9.2014. 7h30. Du erwachst mit Nackenschmerzen und einem bedrückenden Gefühl des vollkommenen Verlassenseins. Du wünschst Dir inständig eine Guten-Morgen-Sms von O. Inständig. Aber Dein Handy bleibt stumm und leer als Du es einschaltest. Also schreibst DU IHM die liebevolle Sms, die Du selber gern bekämst. Ohne Antwort. Ohne Echo. Der Vormittag vergeht. Das Verlorenheitsgefühl wird übermächtig. Du verlierst die Nerven. „Du kaltes Arschloch! Warum machst Du das mit mir?“ textest Du. „Auf DIE Art wirst Du mich verlieren, das muss Dir klar sein!“ O. reagiert sofort. „Sag mal spinnst Du?“ schreibt er. „Ich muss arbeiten und kann nicht immer schreiben!!! Deine Vorwürfe sind echt das Allerletzte!!!!“ Den Rest des Tages verbringst Du damit, schuld- und schambeladene „Verzeih-mir“-Sms in Dein Handy zu tippen. Sie verhallen. Und spät Abends schreibt O.: „Bitte lass mich in Ruhe!!! Für immer!!!“

Freitag, 12.9.2014. 10h. Du klagst Dein Leid Deinem Freund, dem Suchtberater. „Solche Totalabstürze wirst Du mit ihm noch viele erleben!“ schreibt er. „O. ist eine Alles-oder-Nichts-Persönlichkeit! Google mal emotionale Instabilität. Der Wikipedia-Artikel zu dem Thema ist sehr gut.“ – „Glaubst Du dass ich ihn wiedersehen werde?“ fragst Du. „Oh, ganz sicher!“ schreibt Dein Freund. „Im Moment will er Dich bestrafen. Aber den wirst Du noch öfter wiedersehen als Dir lieb ist!“

Samstag, 13.9.2014. Regen. Spät Abends fährst Du mit dem Rad zu der Parkbank bei der O. Dich zweimal abgeholt hat. Hockst mit angezogenen Beinen da, drehst und wendest Dein Smartphone in den klammen Fingern. Bist kurz davor ihm zu schreiben. Lässt es. Weinst. Frierst. Fährst nach Hause.

Sonntag, 14.9.2014 Dein Sommerkleid. Ärmellos. Figurumspielend. Mit Blumendruck in Delfter Blau. Am vergangenen Dienstag hast Du es überhastet ausgezogen und einfach in den Schrank gehängt, nachdem Du vom Treffen mit O. zurück warst. Nun holst Du es heraus. Vergräbst Dein Gesicht in den Volants aus Baumwollstoff. Es duftet so intensiv nach dem Eau de Toilette von O. dass es Dir fast körperlich weh tut. Nach Männlichkeit und Luxus riecht es. Nach Sehnsucht. Nach Begehren. Nach Stress. Nach Angst. Nach tiefer Traurigkeit. Und: Du glaubst wittern zu können, dass O. Dich immer noch will. Mehr noch: dass er Dich braucht. Du nimmst Dein Handy und schreibst: „Ich rieche Dich in meinem Kleid!“ O. antwortet direkt. „Was willst Du?“ fragt er. „Mit Dir in Verbindung sein!“ schreibst Du. „Auch Ficken?“ fragt O. „Doch, auch“ schreibst Du. „Gut, Schlampe!“ schreibt O. „Ich mach diese Woche einen Garten in der Innenstadt. Da kannst Du dann hinkommen und mir mein Arschloch lecken!“ – „Danke“ antwortest Du.

Montag, 15.9.2014. Wieder einmal darfst Du also aufatmen. Du bist zurück im Gespräch mit O. Hast Deine Verstoßung abgewendet. Die Gnade einer neuen Chance erwirkt. Natürlich wirst Du nun aus Deinen Fehlern lernen, denkst Du, während Du mit Deinem Rad durch die klare frühherbstliche Luft im Süden Deiner Stadt fährst. Du wirst es lernen, Deine eigenen Gefühle weniger wichtig zu nehmen und stattdessen die von O. zu respektieren. Du wirst ihn nicht mehr belästigen, vor allem nicht mehr nach einer erotischen Begegnung. Du wirst es lernen ihn in Ruhe zu lassen, ganz bestimmt. Du freust Dich jetzt sehr auf das Date im Garten in der Innenstadt, darauf, ihn bei seiner Arbeit zu beobachten und zu bewundern. Gerade als Du anfängst, Dir O.s Körper angeseilt in Klettergurten vorzustellen, piept Dein Handy. „Es klappt diese Woche nicht!“ schreibt O. „Die Kundschaft will dabei sein wenn ich den Garten mach!“ – „Ok“ schreibst Du. Die Luft ist nicht mehr ganz so klar als Du mit Deinem Rad nach Hause fährst.

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butterflyprincess
Literaturwissenschaftlerin